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Die Google Falle

Google - Gretus am 29. März 2008 - 11:31  |  14 Kommentare »

Wer ganz oben steht, hat Neider, Kritiker und jede Menge Leute, welche auf der Welle des Erfolges mitschwimmen wollen. Google steht ganz oben. Das Unternehmen ist längst keine bloße Suchmaschine, sondern ein weltweit operierender Konzern, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, das Wissen der Menschheit zu archivieren und selbst das kleinste Geheimnis unseres Lebens zu entschlüsseln. Dafür nutzt Google sämtliche zur Verfügung stehenden Ressourcen. Daten werden gespeichert und der User durch geschicktes Marketing dazu verleitet, sich aus freien Stücken an der `Googlesierung´ der Welt zu beteiligen…

Selbiges Szenario, lediglich auf  200 Seiten ausgedehnt, berichtet der Autor Gerald Reischl in seinem neuen Buch `Die Google Falle´. Der Ressortleiter einer österreichischen Tageszeitung möchte nach eigenen Angaben den Internetnutzern die Augen öffnen und nachdrücklich darauf hinweisen, dass Google zu einer unkontrollierbaren Weltmacht emporgestiegen ist, viele der gemachten Zugeständnisse lediglich Lippenbekenntnisse darstellen und sich die Unternehmensführung nach wie vor auf Kosten des Datenschutzes bereichert.

Die Präsentation des Buches wie auch die dazu gehörende Webseite, stehen jedoch in einem krassen Widerspruch zu der vom Autor genannten Intention. Er selbst bedient sich aller erdenklicher Mittel, sein Buch bekannt zu machen, dafür zu werben und damit Geld zu verdienen. Hätte der Autor wirklich das Bedürfnis, die Menschheit aufzuklären, hätte er sein Werk auf einer schlichten Webseite kostenlos zum Download angeboten. Stattdessen jedoch, präsentiert er nichts sagende geheime Videos,  provoziert mit einseitigen Aussagen und polarisiert wo er kann.

Es ist kein Geheimnis, dass Google ungeheure Mengen an Daten speichert, weiter gibt und wahrscheinlich mehr über jeden einzelnen von uns weiß, als wir selbst. Es ist jedoch auch Fakt, dass sich Google an zahlreichen Fronten allgemeinnützlich engagiert. Die 2005 gegründete Organisation Google.org investiert Millionenbeträge in den Aufbau der Infrastruktur von Entwicklungsländern, in die Erforschung erneuerbarer Energien, die Ausrottung von Seuchen oder die Finanzierung mittelständiger Unternehmen.

Das ist nichts Neues, werden viele und wahrscheinlich auch der Autor des Buches anmerken. Das Ziel auch dieses Engagements sei es lediglich, die Marke Google weiter bekannt zu machen, sich in jedem Marktsegment zu festigen und früher oder später Profit aus der Sache zu schlagen.

An dieser Stelle unterscheidet sich meine persönliche Meinung von der des Autors. Die eigentliche Google Falle ist nicht die Tatsache, dass es ein Unternehmen in nur wenigen Jahren geschafft hat, den Daten- und Informationsfluss der gesamten Menschheit zu kontrollieren, sondern die Engstirnigkeit von Menschen wie Gerald Reischl, die sich nicht eingestehen wollen, dass es nicht nur der selbstlose Entwicklungshelfer oder der sich aufopfernde Demonstrant sind, der für die gute Sache eintritt. Zukünftig werden es in erster Linie Unternehmen wie Google oder Microsoft sein, welche nachhaltig dafür sorgen werden, dass schwerwiegende, uns alle betreffende Probleme behoben werden.

Es ist bedauerlich, dass man hierzulande nicht verstehen will, dass man auch mit guten Taten Geld verdienen kann. Wer Milliarden verdient, kann nichts Gutes im Schilde führen, auch wenn er nebenbei ganze Staaten aus der Krise hilft und mit Millionenbeträgen dazu beiträgt, die Umwelt zu retten. Der Autor ist selbst in die Falle getappt, indem er sich und sein Buch so präsentiert, als wäre er etwas Besseres und würde Informationen liefern, die man nicht bereits an anderer Stelle nachlesen kann.

Das größte Problem ist, dass viele tatsächlich glauben, dass die Google zur Verfügung stehenden Daten irgendwann einmal von Dritten missbraucht werden können und jeder die Möglichkeit hat, alles über seinen Freund und Feind heraus zu finden. Mir persönlich wäre das nämlich egal, denn ich habe nichts zu verbergen.

Und vielen anderen geht es ähnlich. Zugeben, am Anfang ist es spannend, etwas über seinen Nachbarn zu erfahren. Später wird jedoch auch diese Möglichkeit nicht darüber hinweg helfen, dass ein Großteil der Bevölkerung gar nicht weiß, wer im Block gegenüber wohnt und warum es in der Wohnung eine Etage tiefer seit Tagen plötzlich so still ist.

Kurzum, der allgemeine Nutzen durch Unternehmen wie Google wird größer sein als der Schaden oder die möglichen Risiken. Die Menschen finden einander nicht so spannend, als dass sie den ganzen Tag alles Mögliche voneinander wissen wollen. Der Mensch möchte selbst aus der Masse heraus stechen. Er möchte mit Millionen die Welt retten, mit einem Buch Geld verdienen oder einen provozierenden Artikel verfassen…

Gretus

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Tweets zu diesem Beitrag:

  1. Constantin sagt:

    Hervorragender Artikel. Genau meine Meinung. Die Welt verändert sich eben, aufhalten kann man es letzendlich nicht.

  2. Baynado Website sagt:

    Für mich ist es schwierig hier eine klare Entscheidung zu treffen.

    “…aufhalten kann man es letzendlich nicht.”

    Man stelle sich diesen Satz im Kontext des 2. WK vor. Es geht doch nicht um die Verteufelung von Google selber, sondern um die Gefahren, die von einer geballten Informationsquelle ausgehen. Nicht umsonst haben wir Datenschutzgesetzte in der BRD.

    “Mir persönlich wäre das nämlich egal, denn ich habe nichts zu verbergen.”

    Das ist auch so ein Satz den ich nicht unkommentiert stehen lassen kann. Was wir heute als nicht illegal empfinden, kann schon morgen per Gesetz die größte Schandtat sein. Werte ändern sich.

    Ich selber bezeichne mich auch nicht als böser Mensch. Unsere Welt ist noch voll von intolleranten Regimen, siehe China. Was trägt Google dazu bei, um die Zensur in China zu bekämpfen?

    Ich denke, dass die aktuellen Bosse von Google wirklich zwei nette Kerle sind, nur wie sieht es mit der Zukunft aus? Wissen ist Macht. Im Falle Google eine nicht demokratisch kontrollierte, wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Man kann dieses Thema nicht einfach so im positivistischen Sinne abwatschen.

  3. Alex Website sagt:

    Hi,

    sehr interessanter Artikel :-) Nun zu meiner Ansicht: Es ist schwierig zu sagen, welche Unternehmenstrategien eigennützigen Charakter haben und welche nicht. Man darf nicht vergessen, dass hinter der Unternehmensspitze von weltweit führenden Unternehmungen auch nur Menschen stehen. Diese können schlechte wie auch gute Absichten aus ihren bzw. unseren Perspektiven verfolgen.

    So oder so. Die Wahrheit ist, dass die freie Marktwirtschaft von der Konkurrenzvielfalt lebt und nicht von einzelnen Monopolisten.

    Viele Grüße

    Eure Alex

  4. Marcel Website sagt:

    Im grunde schließe ich mich der Alex an, jeder hat die wahl welche suma er benutzt!
    Dass die google gründer mit Ihrer Idee so viel schmott machen hätten Sie damals ja auch nicht gedacht und ich empfinde es nicht als was “böses” wenn man mit ner idee milliardär wir. meinen Glückwunsch!

    Und wie Gretus schon andeutete beschweren sich ja am meisten die Leute die wohl etwas zu verbergen haben. ;-)

    Grüße

  5. Zepernick Website sagt:

    Hi, deine Google-Begeisterung kann ich nur bedingt teilen. Für mich ist Google eine phantastische Erfolgsstory. Aber viel mehr auch nicht.

    “Es ist bedauerlich, dass man hierzulande nicht verstehen will, dass man auch mit guten Taten Geld verdienen kann. Wer Milliarden verdient, kann nichts Gutes im Schilde führen,…”

    Google ist ein börsennotiertes Unternehmen und hat eine Dividende zu erwirtschaften. Scheinbar machen sie das mit Dingen, die Du als “gute Taten” empfindest – das sind sie aber nicht! Im besten Fall ist es Imagepflege, die das Unternehmen betreibt. Aber auch diese Imagepflege dient der Gewinnmaximierung.

    Gruß,
    Stefan

  6. SEO-untied.de Gretus sagt:

    Hallo,

    das Ding ist, wenn ein Ottonormalverbraucher 100 Euro spendet, ist es eine gute Tat. Wenn ein börsennotiertes Unternehmen 100 Millionen spendet, ist es Imagepflege. Den jeweiligen Empfängern dürfte dieses jedoch relativ egal sein…

    Grüße

    Gretus

  7. mehlon Website sagt:

    Ja, nette Gedanken! Ich habe über dieses thema eine ganze arbeit geschrieben. Da heisst es auch:

    “Aber nicht nur das Unternehmen Google kann aus diesen klaren, und energisch verfolgten Zielen Vorteile ziehen. Denn auch die Gesellschaft als Ganzes profitiert dadurch, dass Lösungen für die grossen Probleme unserer Zeit konkreter und zielstrebiger verfolgt werden können, als dies von staatlicher Seite wohl möglich wäre.”

    Natürlich weiss man nicht, was Google vor hat und ob sie die ganzen projekte nicht nur aus marketinggründen unterstützen! Aber ist das nicht egal? Sollten wir nicht froh sein, dass sie es tun, egal mit welchem (eventuellem) Hintergedanken??

  8. Christian Website sagt:

    Hallo!

    Sehr schöner Artikel, dem ganzen kann ich nur voll und ganz zustimmen.

    Ein Fehler ist mir allerdings aufgefallen. Die Menschen interessieren sich sehr wohl für andere, zumindest die, die sie kennen. Wenn ich mir das Verhalten in den Diversen Social Networks so ansehe, dann wird mir klar, dass diese eigentlich nur dazu genutzt werden, seine Freunde auszuspionieren. Konnte mich selbst auch schon dabei erwischen. Und da werden neue Funtionen wie zum beispiel bei wer-kennt-wen natürlich gerne angenommen, wo man schön nachvollziehen kann, welcher seiner Freunde gerade wen kennen gelernt hat und was dieser gerade macht. Aber dass mir erst auffallen würde, wenn der Möbelwagen mit neuen Mietern gegenüber steht, dass mit meinem Nachbarn was nicht stimmt, bleibt leider weiterhin ein Problem.

    Meine 50ct dazu…

    Gruß Christian

  9. Daniela Neuth Website sagt:

    Es handelt sich hier um das archivierte Wissen nd Bild, Ton und Schrift. Jeder kann sich über Elekronik, Fachwissen und Medien informieren. In der Schule ist das heute Wissen ohne eine weltweite Suchmaschine kaum noch denkbar. In Zeiten von DVD und Blu-Ray ist es einfach notwendig, dass man aktuell informiert ist und sein Wissen vergleichen kann.
    Die Menschheit arbeitet schon lange an einer Möglichkeit einer gemeinsamen Basis. Daher sehe ich das Internet als individuelle Chance über Grenzen hinweg zu blicken. Nachfolgende Generationen werden es uns danken, dass wir Google, Yahoo und Wikipedia zu dem gemacht haben, was es bereits heute ist und in Zukunft sein wird!
    Was wären Medien ohne das Internet, Spiele ohne Netzwerk und Weiterbildung aus alten Büchern? Wobei es nicht nur Vorteile durch die weltweite Vernetzung gibt, überzeugen doch die positiven Aspekte.

  10. Schnabelschnut Website sagt:

    Gegen die Datensammelwut Googles kann man was machen. Z.B. ohne Toolbar im Firefox surfen oder sich eben nicht ein Googlekonto anlegen (und Cookies regelmäßig löschen soll ja auch Wunder wirken ;-) ). Letztendlich ist Google nur so gefährlich, wie seine Nutzer “dumm”.

  11. cantor Website sagt:

    Ich sehe die Entwicklung von Google kritisch. Es mag sein, dass die geballten angesammelten Informationen nicht heute und nicht morgen missbraucht werden, aber es kann dazu kommen. Schon heute kann ich selbst über Bewerber mittels Google Informationen einholen, von denen sie nicht vermuten, daß ich sie habe. Viel gefährlicher als das scheint mir aber, dass die gesammelten Informationen irgendwann so essentiell für das Funktionieren der Informationsgesellschaft sind, daß die Gesellschaft durch den Inhaber und Verwalter der Information möglicherweise erpressbar wird.

  12. Wulffy Website sagt:

    Ich finde diesen Artikel meisterhaft gut. Selbständiges Denken ist äußerst lobenswert. Die daraus resultierende Form der Kritik verursacht beim Leser Leidenschaft. Inhaltlich wurde schon alles gesagt.

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