Aufgrund dauernder Hackerangriffe hat der Suchmaschinenbetreiber Google entschieden, sich nicht länger aktiv an der Internetzensur in China zu beteiligen. Das Unternehmen will mit den zuständigen Behörden in China klären, ob die dortige Version der Suchmaschine auch ohne Zensur betrieben werden könne. Sollte dieses nicht der Fall sein sein, wolle man sich möglicherweise komplett aus dem chinesischen Markt zurückziehen…
Die Mitteilung, im Gegensatz zu anderen Anbietern nicht länger zu akzeptieren, dass chinesische Nutzer der Suchmaschine von der Regierung gezielt manipulierte Informationen gezeigt bekommen, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Angefangen von bloßen Sympathiebekundungen via Twitter und Co. bis hin zu Vermutungen einiger Experten, Google wolle durch diesen Schritt lediglich sein durch unzählige Datenschutzdebatten angeschlagenes Image aufbessern, überschlagen sich derzeit die Meldungen.
Obwohl der Großteil der Chinesen (62,2%) immer noch mit Baidu suchen und Google dort lediglich einen Marktanteil von 14,2% besitzt, ist Googles Ankündigung ein klares Statement gegen Internetzensur und sollte auch als solche gewertet werden.

Während wie oben gesehen einige Chinesen stillschweigend ihren Respekt für Google bekunden und vor den Unternehmensschildern der dortigen Filialen Blumen niederlegen, sind ausgewiesene Experten hierzulande längst dazu übergangen, Google einmal mehr zu kritisieren und weniger moralische als rein egoistische Beweggründe anzudichten.
Was auch immer die genauen Gründe für die gemachte Ankündigung waren, an dieser Stelle geht es nicht um die wirtschaftlichen Intentionen eines Internetunternehmens, sondern das alltägliche Leben von mehr als einer Milliarde Menschen, welche nach wie vor Angst haben müssen, ihre freie Meinung kundzutun. Manchmal ist es eine positive Nachricht wirklich wert, nicht im Nachhinein ins Gegenteil verkehrt zu werden. Dieses war so eine…
Gretus





























Hi Gretus,
Ich denke auch nicht, dass dabei rein wirtschaftliche Gründe im Vordergrund stehen. Auch wenn Google dort “nur” einen Marktanteil von ca. 15% am Suchmaschinenbusiness inne hat, wird damit immer noch genug Geld verdient. China hat ja 2008 bereits knapp 1,3 Mrd. Einwohner gehabt, Tendenz steigend. Andere Unternehmen wären froh, wenn Sie in Ihrem Segment 15% MA hätten. So viel dazu. Dass jetzt wieder einige auf Google rumhacken war ja klar, da dies bei fast jeder Meldung -egal ob wichtig oder nicht- geschieht.
Ich glaube in diesem Fall an don´t be evil, auch wenn in China ganz vielleicht Imagegründe dahinter stecken könnten
Marcel
Hallo Marcel,
problematisch ist nur, dass Google generell an eine Marktführerschaft gewöhnt ist. Damit geht es besonderer Effekt einher. Demnach ist es so, dass der Marktführer die Spielregeln für diesen Markt selbst festlegen kann, zumindest bis zu einem gewissen Ausmaß. So hat man es als Marktteilnehmer mit 15% schwierig diesen Markt zu formen und in eine bestimmte Richtung zu treiben.
Sogesehen verbrennt sich Google auf dem chinesischen Markt nur die Finger und stärkt noch dazu einen Mitbewerber der alles stumpf kopiert. Vielleicht will man sich einfach nur davonschleichen ohne aufzugeben.
Liebe Grüße,
Constantin
Bisher konnten alle Spekulationen für mich nicht ausreichend erklären, warum Google diesen doch sehr radikalen Schritt gegangen ist. Vor allem die scharfe Kritik der US-Außenministerin weiß ich in diesem Zusammenhang nicht richtig zu deuten. Ich denke, dass hier noch einige Dinge im Nebel liegen.
Es ist doch völlig klar, daß hier Google wieder Böses unterstellt wird. Ich sehe hier nicht wirklich etwas Negatives, im Gegenteil. Wie du schon geschrieben hast, ist das ein sehr positives Zeichen eines Unternehmen, das endlich auch in China seine Unternehmensphilosophie verfolgt. Und das kompromißlos. Wer weiß, daß die Zensur in China konzernintern nicht unumstritten war, der wird auch verstehen, warum sie diesen Schritt jetzt gehen. Schön, daß es noch Konzerne gibt, die sich ihre moralische Überzeugung notfalls etwas kosten lassen.