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Der Tod und das Internet

Internet | | 10.11.2009, 22:34 | 14 Kommentare

Bereits vor einiger Zeit habe ich mit einem anderen Beitrag versucht, Todesmeldungen im Echtzeitinternet kritisch zu hinterfragen. Nicht erst seit dem tragischen Tod von Michael Jackson finden insbesondere Nachrichten über das plötzliche Ableben von Prominenten dort rasende Verbreitung…

Auch wenn die herkömmliche Berichterstattung über den Tod eines in der Öffentlichkeit stehenden Menschen mittlerweile ausgeschlachtet wird, stellt sich einem doch die Frage, ob man diese nicht lieber den herkömmlichen Medien überlassen sollte und derartige Nachrichten via Twitter oder Facebook aus Pietätsgründen und Rücksicht auf die Angehörigen unterlassen sollte?

Heute hat sich Robert Enke im Alter von 32 Jahren das Leben genommen. Ich selbst durfte Robert nie kennen lernen, kann aber sagen, dass mich sein Tod betroffen macht. Wenn ein in der Blüte seines Lebens stehender Mensch kein anderen Ausweg mehr sieht als sich das Leben zu nehmen, dann stimmt es einen traurig.

Der erste Tweet über den Tod Robert Enkes wurde ca. um 19.35 Uhr veröffentlicht. Es folgten hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Nachrichten betroffener User. Jetzt in diesem Augenblick werden die Tweets langsam weniger…

Die Berichterstattung herkömmlicher Medien über das Ableben eines Prominenten mag bereits einen faden Beigeschmack haben, die `Abhandlung´ des Todes eines Menschen im Echtzeitinternet hat es vielleicht aber sogar noch mehr.

So tragisch es klingen mag, der Tod ist eine private Angelegenheit. Jeder Mensch muss für sich alleine heraus finden, wie er mit dem Thema umgeht. Das Echtzeitinternet macht den Tod, ähnlich wie die Berichterstattung im TV, zu einem Ereignis mit einem Anfang und einem Ende.

Michael Jackson wird durch seine Musik ewig weiterleben und auch Robert Enke wird seinen Fans und Angehörigen immer in Erinnerung bleiben. Das Word Wide Web ebnet ganz neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit den verschiedensten Themen. Vielleicht sollten wir die ewige Auseinander-setzung mit Themen wie dem Tod für uns bewahren und nicht zu einem zeitlich begrenzten Massen-ereignis verkümmern lassen…

Gretus

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Markus Website sagt:

    Jedes Medium das nicht direkt was mit dem Betroffenen zu tun hat und darüber berichtet schlachtet das in gewissem Sinne aus. Im Prinzip Du mit diesem Post doch auch?!

  2. Alex Website sagt:

    Ich sehe das auch so. Du schlachtest in diesem Sinne mehr aus dem Tod von Robert als ein User auf Twitter, der eine Kurznachricht ala “Robert Enke ist tot.. er war ein toller Torwart” schreibt…

  3. Markus S Website sagt:

    Twitter ist doch ein Medium wo jeder Hans und Franz beschreibt was Ihn gerade beschaeftigt.

    Fuer mich als im Ausland lebender Hannoveraner und 96Fan hat mich die Nachricht heute morgen recht hart getroffen. Und als jemand, der Twitter nicht nur zum Links posten nutzt, sondern auch um Befindlichkeiten auszudruecken, habe ich zu dieser Nachricht natuerlich einen Tweet geschrieben und zwar weil es mich bewegt hat…

    Ob ich nun schreibe, dass ich ein tolles Wochenende hatte, einen ermuedenden Arbeitstag oder eben um einen toten Menschen trauere, macht keinen grossen Unterschied und gehoert daher genauso zu Twitter, Facebook usw und hinterlaesst fuer mich keinen faden Beigeschmack…

    But maybe thats just me :)

    Gruss aus Beijing,
    Markus

  4. Gretus sagt:

    Hallo,

    insbesondere Äußerungen über Twitter sind mit ihren 140 Zeichen sehr begrenzt. Im Gespräch mit Freunden haben wir uns heute z.B. darüber unterhalten, wie verzweifelt man sein muss, sich vor einen Zug zu werfen, was dabei in einem vorgeht, warum ein Mensch so etwas macht usw.

    Bei Twitter bekommt der Tod einen News-Charakter. Womöglich hat man das Gefühl, durch einen simplen Tweet echte Trauer gezeigt bzw. sich genügend mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Es stellt sich die Frage, inwieweit das Internet unseren Umgang mit bestimmten Themen verändert?

    Grüße

    Gretus

  5. Achim Website sagt:

    Du schreibst: “der Tod ist eine private Angelegenheit” – was heißt hier privat und ist das wirklich so bei “öffentlichen” Selbstmorden? Generell ist es leider so, dass Prominente in der Öffentlichkeit stehen und kaum mehr Privatleben haben – einige Ausnahmen gibt es natürlich auch bzw. einige schaffen es besser, ihr Privatleben raus zu halten. Aber wenn eine dieser Personen Selbstmord begeht, dann ist es aus mit der Privatheit. Und wollen wir nicht eigentlich wirklich alle davon erfahren?

    Ich sehe das Problem eher in der Masse an redundanten Nachrichten. Twitter hätte ohne diese ja nur wenige Prozent seines aktuellen Volumens. Vielleicht sollte man einen Filter einrichten, der vor absenden eines Tweets prüft, ob dieser bereits so oder fast so verschickt wurde und in dem Fall diesen dann ablehnt. Wäre vom Informationswert Gold wert.

  6. Mirco Website sagt:

    Hallo Leute, mal kurz nachdenken. Wie soll denn Gretus einen kritischen Beitrag schreiben ohne das Passierte zu erwähnen? Ich glaube kaum, dass er es wegen dem Traffic geschrieben hat sondern zum Nachdenken anregen möchte. Ich muss sagen, ich bin seiner Meinung. Aber das liegt zum größten Teil an den heutigen Medien. Jeden Tag in den Nachrichten werden wir zugebombt mit Todesfällen, Unfällen, Krieg, Morden usw. Wer kann das noch alles verarbeiten? Man denkt sich nur Aha, aber was alles dahinter steckt kann man meist schon gar nicht mehr ergründen, weil ja schon die nächste Top News rein kommt.

    Die Medien bringen alle paar Sekunden solche Nachrichten. Twitter ist ein Nachrichtenkanal über diesen jetzt auch solche News laufen, jedoch twittert man einfach und fertig ist die Sache, denn man kann über Twitter nicht anständig kommunizieren.

    Ich finde hier entwickelt sich etwas in die total falsche Richtung, bald können die Menschen die Informationen gar nicht mehr verarbeiten.

  7. Florian Lerch Website sagt:

    Ihr habt noch vergessen zu erwähnen, dass sich der Tot eines Prominenten gut zu Geld machen lässt. Zumindest lässt sich jede Menge Traffic generieren. Schon allein wenn man als erster Twittert oder retwittert -> millionen von user besuchen den eigenen account -> tausende besuchen die website. Damit könnte man eine komplette Geschäftsidee aufbauen. Mit den passenden Keywords lässt sich da sicherlich auch einiges per google locker machen.

  8. [...] Gretus von SEO-United.de den Umgang der Nutzer mit dem Internet in Verbindung mit trauer kritisierte, sehe ich Hoffnung [...]

  9. Gretus sagt:

    Hallo Florian,

    aus dem Tod ein Geschäft zu machen, ich weiß ja nicht…

    Grüße

    Gretus

  10. Andreas Website sagt:

    Hallo Gretus,

    hör mal langsam auf mit dem Moral Apostel geschwafel. Ich sehe gerade die Seo United Tweets zum Thema und langsam wird es wirklich peinlich.

    Gruß,
    Andreas

  11. Gretus sagt:

    Hallo Andreas,

    das war eine persönliche Äußerung zum Thema, nicht zu vergleichen mit Tweets, die mir den Tod eines Menschen als #breakingnews verkaufen wollen…

    Grüße

    Gretus

  12. Andreas Website sagt:

    Hallo Gretus,

    das was Du an Twitter anprangerst, waren auch sehr viele persönliche Äußerungen zum Thema. Wo ist da bitte der Unterschied zwischen deiner und den anderen?

    Ich war auch gestern einer der ersten in Twitter die es “verbreiteten” bzw. hab gefragt ob das stimmt. Da kam dann auch gleich ein Tweet vom Seo-United Twitter account, der meinte das man so etwas erst nicht breittreten solle (schon gar nicht in Twitter). Ich gehe mal davon aus, dass der von Dir abgesendet wurde? Ich habe mich wegen den Tweet auch aus dem ganzen gleich ausgeklinkt.

    Und dann lese ich den Artikel hier, wo das Thema dann doch breit getreten wird und staune nicht schlecht, das dieser bereits gestern veröffentlicht wurde. Parallel dazu wurde vorhin vom Seo-United Twitteraccount, Tweets wie ” Vielleicht überdenkt Löw mal dann endlich sein Rotationssystem” und ähnlichen Kram abgefeuert.

    Wenn ich ehrlich bin, ist das für mich hier nur eine kleine billige Traffic-Show gewesen denn so wirkt das ganze nun auf mich.

    Gruß,
    Andreas

  13. Kevin sagt:

    Schliesse mich der Kritik der Kommentatoren hier völlig an. Was glaubst Du besser zu wissen, um andere erziehen zu wollen? Ich wußte bis gestern nicht mal wer dieser Enke ist. Hatte für mich also einen Lerneffekt. Ich würde so eine Nachricht nie twittern, genausowenig wie ich den Tod meiner Oma dort verbreiten würde, aber dann hier öffentlich über diese Twitterer herzufallen ist genauso absurd wie das andere pietätslos.

    Prominente verdienen mit ihrem Status und geben dafür Ihre Privatspähre zu einem großen Teil wissentlich auf, da müssen sie und ihre Verwandten und Freunde auch damit leben, das über sie gesprochen wird.

  14. Gretus sagt:

    Hallo,

    im Prinzip zeigen einige der gemachten Vorwürfe genau das was ich zu kritisieren versucht habe. Durch immer neue Kommunikationsmöglichkeiten müssen wir aufpassen, wie wir mit bestimmten Themen umgehen. Auch wenn dieses ein SEO Blog ist, sollte man Begriffe wie Traffic usw. an dieser Stelle außen vor lassen.

    Die tragische Geschichte um den Tod von Robert Enke hat mittlerweile eine Wendung genommen, aufgrund derer ich diesen Beitrag vielleicht heute nicht mehr geschrieben hätte. Selbst der Frau scheint es ein Bedürfnis zu sein, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen und auf die Volkskrankheit Depressionen aufmerksam zu machen.

    Dennoch sollte man sich Gedanken darüber machen, wie mit bestimmten Themen via Twitter usw. umzugehen ist. Dazu auch der Artikel `Echtzeit-Ethik im Auge des Todes´ aus der Süddeutschen…

    Grüße

    Gretus

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