Das Unwort des Jahres 2008 lautet `Herdprämie´. Würde es eine spezielle Wahl unter SEOs geben, würde sicher der Begriff `Linkgeiz´ ganz weit oben stehen. Linkgeiz bezeichnet den Umstand, dass kaum mehr freiwillige Links zu anderen Webseiten gesetzt werden…
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Zum Einen ist es so, dass immer mehr Webseitenbetreiber sich mit dem Thema SEO bzw. Suchmaschinenoptimierung beschäftigen, d.h. schnell mitbekommen, dass Backlinks einen positiven Einfluss auf das Ranking einer Webseite haben. Jeder weiß, dass man mit Links zu einer anderen Seite diese in den Suchmaschinen nach oben bringt. Aus diesem Grund, werden Links mittlerweile ganz offiziell gehandelt, d.h. man kann Links kaufen oder seine Linkplätze für bares Geld verkaufen.
Neben dieser Kenntnis über den Wert von Backlinks, findet eine zunehmende Anonymisierung von Links statt. Immer mehr Links werden nicht mehr manuell gesetzt, sondern automatisch generiert. Weblogs zum Beispiel sind gezielt darauf ausgelegt, durch die Kommentar- bzw. Trackbackfunktion den Verlinkungsprozess zu automatisieren. Ohne großes Zutun, kann sich jeder in wenigen Sekunden Links von anderen Seiten generieren.
Die mühsame Recherche von geeigneten Quellen ist also überflüssig und wird durch die Monopolstellung der Suchmaschine Google sogar noch verstärkt. Wo es früher zum Teil sehr schwer war, gute Quellen ausfindig zu machen, sind diese heute über Google für jeden frei zugänglich. Der Wissenstand über bestimmte Themen ist durch Google für jeden gleich, die Chancen eine geeignete Quelle zu finden dadurch ebenfalls.
Möglich ist auch, dass sich mit der Kenntnis über die Bedeutung des Begriffes `Linkgeiz´ die Situation immer weiter verschlechtert. Linkgeiz ist wie eine Epidemie. Einmal in den Köpfen angekommen, treibt sie ihr Unwesen und verleitet Webseitenbetreiber unbewusst dazu, im Zweifelsfall doch lieber keinen Link zu setzen.
Man kann immer wieder nur betonen, dass ausgehende Links einen positiven Einfluss auf die eigene Webseite haben. Das Internet ist ein Pool an Informationen, Hyperlinks bilden die Infrastruktur und führen die Teilnehmer von einem Punkt zum anderen. Wer mit seiner Webseite nicht in einer Sackgasse landen möchte, muss zu anderen Punkten des Verbundes linken.
Dass Google Links zu anderen Seiten positiv bewertet, ist mittlerweile bewiesen. Dass man nur erntet, wenn man auch aussäht ist ebenfalls jedem bekannt. Warum sich der Virus Linkgeiz trotz alledem immer weiter ausbreitet, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Leider gönnt man gerade im Internet seinen Mitmenschen mittlerweile nur das Schlechteste…
Gretus
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Ja, der Mangel an “dem anderen etwas gönnen” ist auch meiner Meinung nach weit verbreitet. Das Extrembeispiel habe ich letztens gesehen:
Ein Blog mit einer Blogroll bestehend aus ca. 40 Links. Alles Links auf eigene Unterverzeichnisse des Blogs, als Linktexte nur Keyword-Stuff! Auf dem gesamten Blog kein einziger externer Link zu sehen…
Ich finde es widerlich diesen Linkgeiz, wenn ich was gut finde dann verlinke ich den und gut ist.
Typisch deutsch. Auch der ganze nofollow kram. Leute macht die Augen auf – ohne Verlinkung wäre das Internet nicht was es heute ist und ausgehende Links schwächen eure Seite nicht!
Der Linkgeiz ist wahrhaft eine Seuche, gegen die es anzukämpfen gilt. Denn wenn niemand mehr links setzt, wer soll dann noch nach oben kommen? Linktausch, richtig betrieben ist immernoch eine gute chance, seine Seite nach vorn zu bringen und letzten endes profitieren ja doch beide seiten davon, wenn man es auf die richtige art und weise betreibt. gute verlinkung ist durch nichts zu ersetzen… egal wieviel pr der linkpartner hat. sobald die seite in g gelistet ist, zählt der link und bringt aufwind.
ich denke der linkgeiz dabei hat viel viel viel mit penisneid zu tun. wobei man oft das wesentliche schon längst aus den augen verloren hat
Ich würde nicht mal sagen, dass der Großteil an Penisneid denkt. Denke das die meistens aus Unwissenheit diesen Linkgeiz haben. Z.B. wieso verdienen sich Linkverkäufer trotz der ganzen Google Abstrafungen (Wurde ja auch X-mal in allen Blogs und Foren und Nachrichten usw. wieder und wieder gekäut) noch eine Goldene Nase? Tja, weil die meisten Leute immer noch nach dem Pagerank gehen. Hoher Pagerank = viel Geld.
Es wird zwar viel in Foren und bei Halbwissenden geschrieben, dass ausgehende Links schaden würden, aber habe noch nirgendwo ein Praxisbeispiel gesehen, dass es schwarz auf weiß beweist. Deshalb gehen viele (wohl) auf Nummer sicher und machen einfach Nofollow. Also entweder Schisser oder einfach Gutgläubiger (wegen Unwissenheit)
Ich schliesse mich Justin an… und im Grune auch Euch anderen… Linken und Gelinkt werden, auch wenn letzeres Wort zweideutig ist, aber im Grunde ist es das einzig richtige…. also ersteres. Muss ja nicht gleich ne Linkfarm aus einer Site machen… Also Linkgeiz ist das Unwort des Jahres …. auch wenn nur bei den Webmastern & Co…
Mit Geiz an sich hat das sicherlich wenig zu tun. Und das Phänomen ist auch nicht nur in Deutschland anzutreffen. Der Großteil der Blogger ist schlichtweg dumm und macht was andere machen. Von SEO haben Blogger eh keine Ahnung, wie auch, wenn selbst die selbsternannten SEOs hauptsächlich dem Nachplappern verfallen sind. Testreihen haben doch eh nur noch die wenigsten am Start, und die die wirklich Hirnschmalz in das Thema investieren schreiben nicht drüber. Wieso auch. Wissen ist bares Geld, und in Deutschland gibt es eh kaum bloggende SEOs, die richtig Schotter machen. Es ist doch wie so häufig im Leben, am Ende siegt die eigene Dummheit…
Ich denke auch auch, dass es nicht unbedingt Geiz sein muss, sondern oft Unwissenheit ( und “Ungeübtheit” mit der Materie). Insbesondere, wenn es Firmen sind, die sonst nichts im Internet zu tun haben, die sich ihre webseite auch oft nicht selbst zusammengestellt haben. Da existieren webseiten, die vielleicht sogar sehr professionell aussehen – nur weil “man” heutzutage “sowas haben muss”. Wenn da dann aber für jede Änderung ein externer Dienstleister beauftragt werden muss, dann passieren Änderungen halt nur dann, wenn es nicht mehr anders geht … (z.B. bei Adressänderung). Dass bei solchen Konstellationen spontanes Linksetzen wohl kaum stattfindet, ist wohl selbsterklärend.
Wie Recht du hast. Gerade in Deutschland ist der Egotrip sehr deutlich. Vielleicht kommt es daher, dass die meisten Deutschen Einzelkinder sind. Der Bundesdurchschnitt liegt jedenfalls bei 1,25 Kindern. Einfach nur traurig, wie die Egomania sich ausbreitet.
“Wer mit seiner Webseite nicht in einer Sackgasse landen möchte, muss zu anderen Punkten des Verbundes linken.”
“Warum sich der Virus Linkgeiz trotz alledem immer weiter ausbreitet, ist eigentlich nicht nachvollziehbar.”
Die Hoffnung liegt sicherlich in einer gesteigerten monetären Conversion (clicks auf Werbung oder Käufe), wenn man clicks nicht an anderer verliert. Sicherlich gibt es objektive wissenschaftliche Untersuchungen.
Ich denke das es auch daran liegt, das viele denken, jeder ausgehende Link könnte zur Abstrafung führen (Thema Linkverkauf)
Aber seit den Anfängen des Internets hat sich hier wirklich extrem viel geändert. Auch die Standardwordpress Version kommt mit nofollow Kommentaren daher. Das ist nervig dafür extra noch ein Plugin zu installieren.
Wäre dieses nofollow nur nie erfunden worden…
“Testreihen haben doch eh nur noch die wenigsten am Start, und die die wirklich Hirnschmalz in das Thema investieren schreiben nicht drüber. Wieso auch. Wissen ist bares Geld, und in Deutschland gibt es eh kaum bloggende SEOs, die richtig Schotter machen.”
Wie Recht du doch hast vanCity. Das ganze wär in etwa so dämlich wie wenn McDonalds sein neues Burgerrezept öffentlich heraus posaunt. Und, ist es verantwortlich als SEO, der womöglich eine Firma leitet und Angestellte einsetzt, über seine Versuche und Projekte zu schreiben?
Und vor allem, der Irrglaube das man mit SEO reich werden würde bzw. leicht richtig Schotter macht, ist wohl so falsch wie der Glaube das man als Goldgräber automatisch Millionär wird…
Und wie hängt das mit dem Linkgeiz zusammen? Ich denke wie auch schon von einigen erwähnt, ist es im großen und ganzen die Unwissenheit vieler Blogger. Zwar haben (fast) alle schon davon Wind bekommen, das externe Links den empfangenden Seiten helfen und zu viele angeblich der eigenen schaden, doch das diese externen Links durchaus auch positiv gewertet werden können, liest man bisher recht selten. Und da tritt dann auch wieder die defensive Grundhaltung Vieler zum Vorschein; frei nach dem Motto, wo ich nicht weiß was es bewirkt, das mach ich nicht.
Insgesamt wieder ein sehr lesenswerter Post Gretus, schade das soviel Wahrheit drin steckt.
Der Frei-Gen’er
Das stimmt teilweise schon, ist mir auch aufgefallen. Ich selber setze aber zb immer gerne Links auf Seiten die einen guten Mehrwert bieten und die ich selber öfters besuche. Auch ohne Gegenlink natürlich. Gehört für mich zum guten Ton im Netz, gute Seiten auch bekannt zu machen.