Was das mittlerweile in Echtzeit funktionierende Internet auch bedeuten kann, durfte gestern Abend der 24-jährige Herausforderer Hans-Martin S. bei Schlag den Raab erfahren. Der Pharmazie-Praktikant aus Oldenburg konnte am Ende des Abends zwar mit 500.000 Euro nach Hause gehen, war zwischenzeitlich jedoch zur neuen Hassfigur bei Twitter, Facebook und Co. avanciert…
Wäre der Herausforderer von Stefan Raab aufgrund seiner Überheblichkeit nicht tatsächlich so unsympathisch, könnte man den gestrigen Abend auch als Paradebeispiel einer erfolgreichen Social Media Kampagne verbuchen. Ein angehender Apotheker mit einem IQ weit über normal, einem Wortschatz weit unter normal und einer Arroganz die seinesgleichen sucht in einer für die Zielgruppe relevanten Live-Sendung im TV platziert, schreit förmlich danach kommentiert zu werden.
Es ist zwar nichts Neues, dass insbesondere TV-Ereignisse gerne per Twitter und Co. kommentiert werden, neu für mich war jedoch die Dynamik und zum Teil auch Härte, mit welcher der Kandidat von allen Seiten angegriffen wurde. Schnell gab es einen `Hassmartin´ Twitter-Account, eine Facebook-Gruppe, T-Shirts, unzählige Blogbeiträge und Videos…
Nun werden einige sagen, wer derart provokant im TV auftritt, braucht sich über entsprechende Resonanz nicht zu wundern, dieses stimmt zumindest in Bezug auf soziale Plattformen wie Twitter und Facebook jedoch nur bedingt.
Fakt ist, dass insbesondere Twitter hierzulande immer noch von einigen wenigen, zumeist mit kommerziellen Interessenten behafteten Usern dominiert wird. Das durch Twitter erzeugte Meinungsbild ist also nicht ein natürlich gewachsenes Abbild der Realität, sondern eine in erster Linie durch kommerziell ausgerichtete Aktionen verzerrte Stimmungsmache.
Fast schon bedenklich finde ich die Schnelligkeit, mit welcher insbesondere bei Twitter entstandene `Hypes´ wieder vorbei sind. Wo wichtige Ereignisse im realen Leben auch im Nachhinein noch reflektiert und diskutiert werden, werden sie im Echtzeitinternet innerhalb weniger Stunden vollkommen ausgeschlachtet und vergessen.
Mehr als bedenklich sind zudem die Reaktionen herkömmlicher Medien auf Ereignisse wie am gestrigen Abend. Anstatt den journalistischen Auftrag darin zu sehen, ein durch `Massenhysterie´ entstandenes Meinungsbild zu relativieren bzw. kritisch zu hinterfragen, wird letztendlich auf den Zug aufgesprungen und geschickt formuliert mit draufgehauen.
Am Morgen danach sollte sich jeder einzelne Twitter-User einmal fragen, ob ein paar Hundert Besucher oder der Verkauf einiger T-Shirts es wert waren, einen noch jungen Menschen medial abzuschlachten. Herkömmliche Medien sollten zudem endlich damit aufhören, Twitter und Co. als das Non-plus-Ultra zu verkaufen und jegliche Möglichkeit zu nutzen, darüber zu berichten.
Journalisten haben in Zeiten des Echtzeitinternets dafür zu sorgen, einen objektiven Gegenpol zu den oft lediglich kommerziell ausgerichteten viralen Kampagnen via Twitter und Co. zu bilden. Wenn ich irgendwann bei der FAZ den gleichen Unsinn lesen muss wie bei Twitter, dann werde ich hierfür bestimmt nicht auch noch zahlen. Nicht einmal, wenn ich 500.000 Euro hätte…
Gretus
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Mich wundert auch wie die journalistischen Medien über Twitter berichten. Da erscheint Twitter oft als Plattform die einen Level hat wie dpa o.ä. (Beispiel Iran Wahl) hat.
Die twitter-Welle: Erst rollt sie leise an, wächst zur Höhe eines Tsunami an, bricht über ihre Opfer hinweg und ist so schnell fort, wie sie kam – und erst im Laufe der nächsten Stunden oder Tage wird der Schaden, den sie hinterlassen hat, in seinem ganzen Ausmaß deutlich.
Toller Blog-Artikel. Danke!
Das mit Twitter kommt in Deutschland noch ganz gross. Was ich bei CNN Asia manchmal sehe, lässt mich sprachlos. Die haben in einer Newssendung sog. Twitterspezialisten, die nichts Anderes machen, als Nachrichten vorzulesen und diese mit seichten Kommentaren zu untermauern.
Frage mich, wann das nach Deutschland kommt
Moin,
also ich hab das ja gestern Abend nicht wirklich mitbekommen, weil ich auf Achse war aber es geht ja heute abgeschwächt noch weiter. Ich bin mit dir einer Meinung, was die Journalisten der Print und anderen herkömmlichen Medien angeht.
Was du in deinem Artikel ausschlachten nennst mit den Shirts und den Besuchern, sehe ich allerdings anders, denn jeder der sich in die Öffentlichkeit begibt, sollte sich darüber im klaren sein, dass man ihn sehen kann und das über ihn irgendwo im Internet geschrieben werden wird, oder zumindest geschrieben werden könnte.
Wenn jemand dann so eine Vorlage liefert, dann ist es für mich verständlich, dass viele die Vorlage dankbar annehmen und damit versuchen Profit zu machen.
Wobei ich mich aktuell Frage wer solche T-Shirts kauft weil man die ab morgen schon wieder in die Tonne kloppen kann, weil die nächste Sau durchs Dorf gejagt wird.
Twitter kommerziell? Ich twittere privat, und mein Meinungsbild ist sicher nicht verzerrt.
Nur weil viele SEO’s und “Geld im Internet verdienen” Vollspacken Twitter zuspammen heißt das nicht, dass die Meinung der Twitteruser weniger Wert ist als dein (komerzieller) Blog.
Hallo Mariusz,
weil die Beiträge oft gelesen werden, halten herkömmliche Medien den Hype um Twitter künstlich hoch. Momentan steckt Twitter sogar in der Krise, sollte man auch mal erwähnen…
Grüße
Gretus
Nachtrag:
“ob ein paar Hundert Besucher oder der Verkauf einiger T-Shirts es wert waren, einen noch jungen Menschen medial abzuschlachten”
Es ging eher um den Funfaktor “Hassmartin”, als um T-Shirt-Verkäufe…
Hallo MAx,
das Ding ist, dass sich das ganze im Internet sehr leicht aufschaukelt. Am nächsten Tag wundert man sich dann oft selber, wozu man sich von anderen hat verleiten lassen…
Grüße
Gretus
Der letzte Absatz ist aber ziemlicher Blödsinn. Der FAZ-Artikel ist nicht ansatzweise mit dem kurzen, spontanen Twitter-Sturm vergleichbar. Dieser Absatz bei der FAZ zeigt das schön deutlich:
“Unklar blieb dabei allerdings, welchen Grund nun ausgerechnet diese Leute haben sollten, sich mit ihrer begeistert zur Schau gestellten Asozialität dem sozial ungeschickten Kandidaten überlegen zu fühlen.”
Ich finde zwei Sachen sind durch die #Hassmartin-Affäre gestern klargeworden:
1. Der Weg aus der Offline-Welt in die Online-Welt, wo sich entsprechende News wie ein Strohfeuer verbreiten, ist nicht mehr lang. Das geht heute Ruckzuck, da viele Leute mittlerweile auch mit dem Rechner oder dem iPhone vor dem Fernseher sitzen.
2. Gibt es bereits Fernseher mit entsprechenden Plugins, die mir die Social-Media-Streams direkt in der Glotze anzeigen?
Ich will sowas…
Grüße
“hassmartin” hat gezeigt welche Eigendynamik Twitter & Co. entwickeln kann. In diesem Fall war sie gegen eine Person gerichtet, welche mehr oder weniger egosistisch und arrogant durch das Leben geht. Sympatisch ist er mir nicht, ohne Zweifel, seine Leistung muss man aber anerkennen. Aber ich habe gestern abend “gelernt” wie gefährlich diese Eigendynamik werden kann, welche sich auch schnell gegen unbeteiligte oder unbescholtene Bürger richten kann. Geschürt und angestachelt von kommerziellen Interessen. Dein Artikel spricht genau diese Problematik an. Danke.
Hallo Ole,
meiner Meinung nach ist das Wischi-Waschi-Geschreibe um auf den Trafficzug mit aufzuspringen. Journalisten sollten sich von den Reaktionen auf Twitter und Co. freimachen. Ohne deren Kenntnis hätte man bestenfalls sagen können, dass der Kandidat auch beim Publikum unsympathisch und überheblich wirkte.
Früher haben Journalisten auch nicht über die Resonanz einer TV-Sendung an irgendwelchen Stammtischen berichtet. Den Reaktionen über Twitter wird eine Bedeutung beigemessen, als würde sich aus deren Durchschnitt die absolute Wahrheit ergeben. Dieses ist jedoch nicht so, ganz im Gegenteil…
Grüße
Gretus
Hallo Gretus,
wenn Journalisten die twitter-Dynamik aufgreifen, dann geht es zurzeit gar nicht um die inhaltliche Darstellung der Person (in diesem Fall Hans-Martin), sondern um das Phänomen “Social Web” – seine Geschwindigkeit, seine Schroffheit, seine Direktheit und seine Zerstörenskraft. Journalisten sind nicht die Gefahr, sie thematisieren sie.
Wir sind in einer Phase, in der der Mensch den Umgang mit dieser neuen Art der Verknüpfung zweier Lebens-Ebenen erlernen muss. Dabei helfen nur Thematisierung und Diskussion, gedankliche Auseinandersetzung. Hans-Martin hat sein Verhalten in großer Öffentlichkeit vor dem TV-Auftritt (oder währenddessen) nicht hinterfragt, weil er die Gefahr nicht gesehen hat, dass er sein Image nachhaltig ramponieren könnte. Diese Gefahr ist durch die twitter-Welle, durch Social Networks und Co. heute größer denn je, und das muss eine ganze Generation erst lernen.
Gruß.
Twitter stellt eine Gefahr für den öffentlichen Frieden da. Ich bin dafür, dass Seiten, die so krass menschenverachtendes Verhalten tolerieren, gesperrt werden.
[...] Und wenn Hans-Martin vom Publikum trotz seines Sieges ausgebuht wird, kann es Gründe dafür geben, die nicht beim Publikum liegen müssen… ich habe die Primärquellen weder gestern noch heute herangezogen. Aber muß man dann auf twitter so hinterherkarten? [...]
Ziemlich üble Geschichte das ganze. Auch wenn der Typ unsymathisch rüberkam, ist es noch lange kein Grund aus reiner Gehässigkeit sein Leben zu zerstören. Jeder hat sich schonmal irgendwo blöd aufgeführt und es später bereut, auch jeder dieser ganzen Twitterdeppen und Stefan Raab sowieso schon des öfteren.
[...] Thema wird auch an anderen Stellen diskutiert und beschrieben: seo-united.de: Hassmartin – der Tag danach Niggemeier auf FAZ.net: Wie man eine halbe Million er- und alle Sympathien verspielt Spiegel online: [...]
“Fakt ist, dass insbesondere Twitter hierzulande immer noch von einigen wenigen, zumeist mit kommerziellen Interessenten behafteten Usern dominiert wird. Das durch Twitter erzeugte Meinungsbild ist also nicht ein natürlich gewachsenes Abbild der Realität, sondern eine in erster Linie durch kommerziell ausgerichtete Aktionen verzerrte Stimmungsmache.”
Nonsens, ich kenne genügend selbst-denkende Menschen bei twitter und co., die einer solchen Meinung waren. #Meinungsfreiheit
Hallo alwa,
Meinungsbildung in einem auf 140 Zeichen beschränkten Kollektiv von alleine vor dem PC sitzenden Individuen mit zumeist egoistischen Interessen. Ob das Freiheit ist…
Grüße
Gretus
Sorry, aber wie kann man hier bitte von einem verzehrten Meinungsbild durch kommerzielle Einflüße sprechen. Hans-Martin kam einfach so schräg über, man konnte ihn einfach nicht mögen. Das jetzt persönliche Sachen wie sein StudiVZ Account und Auszüge aus dem Jahrbuch veröffentlicht werden ist eine andere Sache. Dies ist natürlich nicht in Ordnung, aber Bashing gibts schon, seit dem es Communitys im Netz gibt.
Hallo Gretus,
in allem etwas zynisches, böses und schlechtes zu sehen, macht das Leben auch nicht freundlicher, schöner und lebenswerter.
Hinter dem Internet stecken sicherlich der Mossad, die CIA, die Freimauer. Viel gefährlicher ist die 4. Gewalt im Land, die Themen an die Tagesordnung bringen, diese diskutieren unter dem Deckmantel eines gesamtdeutscher Interesses. Sie sind es die Themen hochbringen, fallenlassen oder gar nicht erst an die Tagesordnung bringen, ein aktuelles Beispiel dafür ist der jahreland nicht offen ausdiskutierte Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr etc.
Welche nun die größere Gefahr einer egoistischen Meinungsbildung darstellt ist doch augenscheinlich nicht der vor dem PC sitzende und sich auszutauschen versuchende twitter-und co-Benutzer sondern die großen Medienmogule. Gerade deshalb kommt ja auch die Kritik an die pubertären Seiten, um ihnen die Kraft aus den Segeln zu nehmen. Ob das Freiheit ist…
Wen nun Jemand zu Euch hingeht und sagt: Schokolade ist schlecht! Glaubt ihr das dann einfach? Nein! Also, solltet ihr anfangen, euch nicht wie Schafe zu benehmen und euch eine eigene Meinung, fernab der großen Medienmogule/ der Werbung und eurer Eltern, anzueignen.
Danke für ihre Aufmerksamkeit!
#Meinungsfreiheit #Zensurula
[...] SEO-United [...]
Als ich gestern Schlag den Raab gesehen habe, musste ich zwar auch mehrmals den Ton ausschalten, weil ich den Kandidaten nicht ertragen konnte, aber ich hab deswegen nicht soviel Langeweile, öffentlich über eine Privatperson herzuziehen. Und im Endeffekt hat er als Kandidat einer Unterhaltungsshow ja sehr gut seine Funktion erfüllt: Er hat die Massen unterhalten…
Guter Beitrag also, sehe das wie du. Und Twitter ignoriere ich eh. Für mich bleibt das ein Hype, der hoffentlich bald vorbei ist…
toller artikel, in dem zusammenhang das geschehen betreffend wirklich journalitisch wertvoll und wie die ebenso interessante diskussion zeigt objektiv.
auch max meinung, der möglichen unbeirrten nutzung von twitter ist hierzu interessant. gerade diese option über die networking funktionen die selbst eigentlich interessierenden informationen filtern zu können, sind sicher ein erfolgsfaktor von twitter.
Er ist und bleibt ein arrogantes Arschloch. Das Geld wird ihm keine große Freude bereiten, wenn alle negativ über ihn denken. Klar machen Menschen Fehler. Aber das hätte ihm schon während der Sendung auffallen müssen. Nein er macht wie ein arrogantes Arschloch weiter und wird immer unausstehlicher.
Leute die den Typen “hassen” wissen anscheinend nicht was Hass wirklich ist und vergeuden damit ihre Zeit. Zeit vergeudet habe ich auch am Samstag beim Schlag den Raab gucken. Bis zum Armbrustschießen (ca. die Hälfte) habe ich mir das angetan und kann nicht sagen dass “HassMartin” mir besonders negativ aufgefallen ist. Nur weil er nicht arschkriecherisch Raab gratuliert und faule Witze gerissen hat wie so manch anderer Kanditat vor ihm wird er gleich von den Onlinemedien zerissen. Auf mich hat der Kandidat einen ehrgeizigen und abgeklärten Eindruck gemacht.
Allein weil die gesamte Online-Welt, die Twitter-Community und all die anderen Heuchler den Typen nicht mögen finde ich ihn gut. Ich mag diese Schweinebande ja auch nicht.
[...] Hassmartin [...]