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Hilfe, meine Suchmaschine hat Alzheimer!

Internet  |   |  , 17:04 Uhr  |  7 Kommentare

Die Betreiber der Suchmaschine Bing haben unlängst angekündigt, die Ergebnisse ihrer Suchmaschine noch weiter zu personalisieren. Die so getaufte `Adaptive Search´ soll Suchenden dabei helfen, auf Grundlage zuvor gemachter Suchanfragen nur diejenigen Webseiten angezeigt zu bekommen, die wirklich auch relevant sind…

Die Datenschutzbestimmungen eines jeweiligen Landes zwingen die Betreiber bekannter Suchmaschinen derzeit noch dazu, die von ihnen gesammelten Daten nach einem bestimmten Zeitraum wieder zu löschen. Unterschieden wird zwischen angemeldeten und nicht angemeldeten Nutzern. Wer sich bei Suchmaschinen anmeldet bzw. einloggt, stimmt damit in der Regel auch einer längeren Speicherung (z.B. 18 Monate) seiner Daten zu. Bei nicht angemeldeten Usern variert die Speicherung der bisherigen Suchanfragen zwischen 28 Tagen (bei Bing) und 180 Tagen (bei Google).

Die meisten Nutzer von Suchmaschinen sind (noch) nicht eingeloggt. Googelt also ein nicht angemeldeter Nutzer heute nach dem Begriff `Golf´, hat Google nach 180 Tagen vergessen, dass der entsprechende Nutzer den Sport und nicht das Auto gemeint hat.

In der Praxis ist dieses nur die halbe Wahrheit. Hier ist es wahrscheinlich nämlich so, dass besagter Nutzer innerhalb der 180 Tage durch andere Suchbegriffe (Golfschläger usw.) unbewusst dazu beiträgt, dass Google auch nach Ablauf der drei Monate bei einer erneuten Suche nach dem Begriff `Golf´ Autoseiten größtenteils ausschließen kann.

Um die Überschrift dieses Artikels zu erklären, vergleichen wir die Suche bei Google (im nicht eingeloggten Zustand) einfach einmal mit einem Gehirn. Würde unser Gehin wie die personalisierte Suche bei Google funktionieren, würden wir alles was länger als 180 Tage her ist langsam vergessen. Wir könnten uns womöglich noch daran erinnern, dass wir vor etwas mehr als drei Monaten in Urlaub waren, wo genau aber würde uns irgendwann nicht mehr einfallen. Unser Spektrum des Denkens wäre auf drei Monate beschränkt. Jeden Tag würden wichtige Ereignisse der Vergangenheit wegfallen, jeden Tag kämen aber auch neue dazu.

Bings Ankündigung, die Ergebnisse ihrer Suchmaschine noch weiter zu personalisieren, hat mich zu der Überlegung gebracht, ob es letztendlich nicht doch besser ist, dass meine Suchmaschine des Vertrauens (!) sämtliche Daten über mich und mein Leben aufzeichnet!?

Nun mag es, wie im Videoclip unten zu sehen, irgendwie auch ganz witzig sein, mit einem auf drei Monate beschränkten Gedächtnis durch die Gegend zu laufen, letztendlich aber würde ich mich hin und wieder schon ganz gerne auch daran erinnern, was vor einigen Jahren gewesen ist.

Würden es die Datenschützer zulassen, würden unsere Daten wahrscheinlich auf Ewig bei Google und Co. gespeichert werden. Wenn wir vor einigen Jahren auf Hawaii in Urlaub gewesen wären, würde Google es heute noch wissen und uns mit passender Werbung immer wieder daran erinnern. Würden wir einen Golf fahren, wüsste Google dieses und würde uns nicht mit irgendwelcher Sportaktikel-Werbung nerven.

Datenschützer unternehmen derzeit alles, um unser `Gedächnis im Internet´ auf nur wenige Monate zu beschränken. Zum einen ist da die Angst, dass die gespeicherten Daten irgendwie gegen uns verwendet werden könnten, zum anderen herrscht die Befürchtung, man wäre aufgrund seiner in der Vergangenheit gemachten Aktivitäten irgendwann nicht mehr frei – würde also durch Suchmaschinen in seinen zukünftigen Entscheidungen beeinflusst werden.

Suchmaschinen beeinflussen bereits jetzt unsere Entscheidungen, nur leiden sie dabei an einer Art Alzheimer! Anstatt uns Informationen passend zu unserem bisherigem Leben darzubieten, muss sich die Suchmaschine hierbei auf die letzten 28 oder 180 Tage meines Lebens beschränken.

Vor zwei Jahren habe ich mir einen Golf gekauft, vor einem Jahr war ich auf Hawaii. Vor acht Wochen bin ich mit dem Tennisspielen angefangen, seit 30 Tagen spiele ich auch Golf. Ich plane gerade einen erneuten Urlaub auf Hawaii, aber die Google-Suche zeigt mir immer wieder nur Autos an. Soll ich mich einloggen?

Gretus

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Theresa Schulte sagt:

    Vielen Dank für den schönen Beitrag! Ich finde es gar nicht so schlimm, dass die Suchmaschinen eine gewisse Tendenz zur Vergesslichkeit aufweisen. Denn schließlich kann es ja auch vorkommen, dass man, um das genannte Beispiel aufzugreifen, doch einmal nach dem Auto und nicht nach der Sportart sucht. Im realen Leben bevorzuge ich hingegen, dass mein Gehirn alle meine Daten lebenslang speichert :-)

  2. Jimy sagt:

    Theoretisch merkt sich Google, aus Datenschutzbestimmungen, die Suchanfragen für einen gewissen Zeitraum von dir. In der Praxis merkt sich Google für immer deine Suchanfragen (auch beim nicht einloggen).

  3. Gerhard Zirkel sagt:

    Ich finde es äußerst unpraktisch, dass sich eine Suchmaschine merkt wonach ich suche. Das führt nämlich ganz automatisch zu immer schlechter werdenden Suchergebnissen. Stellt euch mal vor, ihr klickt mal aus Versehen auf eine Preissuchmaschine während ihr ein Produkt sucht. Merkt sich Google das, wird hernach noch mehr sinnfreier Spam angezeigt als eh schon :)

    Ich denke, der User ist durchaus in der Lage, seine Suchanfrage so zu formulieren, dass Google auch ohne Datenspeicherung weiß ob er nach Autos oder Sportarten sucht.

    Gerhard Zirkel

  4. Andi Website sagt:

    Hi,

    ich möchte mich den Meinungen von Theresa und Gerhard anschließen. Mir ist es auch lieber, wenn die Suchmaschinen meine bisherigen Anfragen wieder vergisst und mir „allgemein gültige“ Ergebnisse liefert.

    Ich suche beispielsweise immer mit einer Browserinstallation, bei dem ich nicht eingeloggt bin und alle Cookies deaktiviert habe. Und mit diesem System habe ich bisher immer die entsprechenden und von mir gewünschten Informationen gefunden.

    Gruß

    Andi

  5. Max Adler Website sagt:

    Das Beispiel mit dem Golf ist aber schon ein Extrembeispiel. Jeder halbwegs gescheite Mensch wird seine Suche verfeinern, wenn er merkt, dass nur Autos angezeigt werden, obwohl er nach der Sportart sucht.

    Bei vielen anderen Dingen ist es aber auch echt praktisch wenn sich Google oder Bing erinnern. Ganz oft sucht man doch nach einer Seite, auf der man „letzte Woche“ mal etwas Spannendes gelesen hat. Schön, wenn diese Seite dann auch direkt angezeigt wird.

  6. Chriz Website sagt:

    Ich bin mir auch noch nicht sicher, ob ich will das Google meine Suchanfragen speichert. Ich möchte nicht immer auf die gleichen Seiten landen und eher neutral nach Informationen suchen. Das gleiche passiert ja inzwischen auch mit den Google Plus „geteilten Inhalten“. Die werden von meinen Freunden auf Platz 1 gezeigt, wenn ich eingeloggt bin und ich find das eigentlich nicht so gut.

    Ich bin eh schon gespannt wie Google in 5 Jahren aussieht 😉

  7. […] Auf dem Blog von seo-united.de gab es am Wochenende einen interessanten Beitrag zur adaptiven Suche […]

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