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Jeff Jarvis kritisiert das Leistungsschutzrecht

Internet  |   |  , 07:34 Uhr  |  13 Kommentare

In einem kürzlich auf Google+ gemachten Interview hat sich der US-amerikanische Internetexperte Jeff Jarvis unter anderem auch zu dem in Deutschland geplanten Leistungsschutzrecht für Presseverleger ge-äußert. Jeff Jarvis behauptet, dass das LSR auf ein grundlegend falsches Verständnis für den Aufbau des Internets hindeutet und erklärt, warum selbst Aggregatoren wie Google News einen Mehrwert für das Internet darstellen und nicht für die sinkenden Einnahmen von Verlagen verantwortlich gemacht werden können…

Da es Jeff Jarvis mit seinen Ausführungen über das Leistungsschutzrecht unserer Meinung nach wirklich auf den Punkt bringt, haben wir uns im Folgenden einmal die Mühe gemacht, den entsprechenden Teil des Interviews frei für Euch ins Deutsche zu übersetzen:

Das Leistungsschutzrecht ist eine Idee der Medienunternehmen, welche nun von der deutschen Regierung beschlossen werden soll und einigen Internetexperten wirklich Angst macht.

Das Leistungsschutzrecht besagt, dass Aggregatoren wie z. B. Google News Presseverleger dafür bezahlen sollen, Snippets anzeigen zu dürfen. Snippets sind das, was Google in den Ergebnissen anzeigt, also die Überschrift und einige Worte eines Artikels…

Die Medienunternehmen behaupten, Google würden ihnen durch Anzeige der Snippets eines gewissen Wertes berauben und müsse dafür auch etwas bezahlen. Sie argumenieren vereinfacht gesagt, Google sei unfair, würde mit ihrem Eigentum viel Geld verdienen und sie selbst gingen dabei leer aus.

Meiner Meinung nach deutet das Leistungsschutzrecht auf ein grundlegend falsches Verständnis für den Aufbau des Internets bzw. der Bedeutung neuer Medien hin. Im Internet gibt es zwei Formen der Schaffung von Werten: Einmal die Erstellung von Inhalten, welche zweifelsohne auch einen Wert darstellen. Darüber hinaus gibt es aber noch einen zweiten Wert, und zwar die Her- bzw. Bereistellung einer Leserschaft für diese Inhalte! Letzteres ist eine Leistung, die viele noch nicht richtig wertzuschätzen wissen.

Google News versorgt die Presseverleger mit Millionen von Lesern. Es ist Aufgabe der Verleger selbst, sich um diese Leser zu kümmern, eine Beziehung zu ihnen herzustellen, diese Beziehung auszubauen und daraus einen Profit zu erzielen. Dieses ist nicht die Aufgabe von Google.

Im Zuge der Diskussion um das geplante Leistungsschutzrecht ist es einfach wichtig zu begreifen, dass Suchmaschinen und Aggregatoren nicht einfach nur Inhalte klauen um damit Geld zu verdienen, sondern sie durch die kostenlose Aufnahme, Verarbeitung und zielgerichtete Aus-lieferung dieser Inhalte auch eine Leistung erbringen, für die sie am Ende nicht auch noch bestraft werden sollten!

Eure SEO-united.de Blogger
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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Peter Website sagt:

    Nun ja, die Verlage müssen ja auch ihre Gehälter bezahlen. Wenn Google News das nicht bezahlen will, dann braucht ja Google News den Inhalt der Verlage einfach nicht mehr zu bringen und gut ist. Google News braucht nichts zu bezahlen und die Verlage bekommen weniger Besucher, wodurch zwangsläufig die Einnahmen durch Werbung aus dem Online-Geschäft zurückgehen. Somit haben alle verloren.

  2. Gretus Website sagt:

    Hallo Peter,

    wieso sollte Google die Gehälter der Verlage bezahlen? Dafür sind die Verlage schon selbst verantwortlich…

    Grüße

    Gretus

  3. Bernd sagt:

    …dass Suchmaschinen und Aggregatoren nicht einfach nur Inhalte klauen um damit Geld zu verdienen, sondern…

    Nein – Sie machen das aus reiner Nächstenliebe und nicht, weil sie damit Geld verdienen wollen…

    • Gretus Website sagt:

      Hallo Bernd,

      natürlich verdienen die Betreiber von Suchmaschinen auch Geld (wie sonst sollten sie den Service leisten können?), sie bieten aber eben auch einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert. Suchmaschinen liefern Webseitenbetreibern nach wie vor die gezielteste Form von Traffic. Ohne Google Co. wäre die Hälfte der Webshops am Ende, weil sie anders gar nicht diese Qualität von Besuchern generieren könnten…

      Grüße

      Gretus

  4. Monika Website sagt:

    Peter, Google News bringt Millionen Besucher. Kostenfrei, wenn man mal drin ist.

    Nach Deiner Argumentation mit den Gehältern müsste jede SEO Agentur die Gehälter des Kunden zahlen, weil sie ihm Kunden bringen…

    😉

  5. Melinda sagt:

    Google sollte mal für einen Monat von besagten Medienunternehmen keine Snippets anzeigen, dann würden diese schon den kostenlosen Traffic wieder zu schätzen wissen! Wenn diese den Traffic nicht in Einnahmen umsetzen können, dann sollten die nicht bei Google versuchen das Geld herein zu bekommen, sondern das eigene Vorgehen nochmals überdenken…

  6. Christian Kunz Website sagt:

    Der Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Und es ist noch nicht zu spät, die Online-Petition gegen das Leistungsschutzrecht zu unterzeichnen! Siehe hier…

    Gruß,
    Christian

  7. Falsches Verständnis › Netzexil sagt:

    […] Ist es nicht ein bisschen überraschend, dass ein Mann wie Jeff Jarvis sich veranlasst sieht, in dieser Form Stellung zu den Plänen in Deutschland zu nehmen? […]

  8. Roland Giersig Website sagt:

    Die Verlage kennen natürlich alle längst robots.txt. Und setzen es nicht ein, um Google von ihren Inhalten auszuschließen. So dumm sind sie nicht. Nein, sie wollen das beste aus beiden Welten: von Google die Suchenden weiter geleitet bekommen UND dafür Geld kassieren.

    Google ist gut daran beraten, mal den einen oder anderen Verlag aus ihrem Index zu löschen. Und sich dann vom Verlag auf Wiederaufnahme klagen zu lassen…

  9. Hannes Schleeh Website sagt:

    Sowohl die Belgier als auch Rupert Murdoch haben es bereits versucht und sind kläglich gescheitert. Ich frage mich wie es die deutschen Verlage schaffen wollen. Google wird ihnen einfach die Verlinkung verweigern. Damit werden Sie weder Geld von Google noch mehr Leser und Einnahmen generieren. Die Verleger sollten sich lieber auf neue und Zukunftsträchtige Konzepte konzentrieren, als ihren schwindenden Status Quo zu verteidigen.

    Jeff Jarvis hat das Thema auch in Leo Laporte’s Twit TV angesprochen. Ich fand seine Aussprache so klasse, das ich dieses Video dazu gemacht habe.

    Ach so, unterzeichnet die Online-Petition. Nicht um gegen die Verleger vorzugehen, sondern um uns Deutsche nicht lächerlich zu machen.

  10. Stefanie sagt:

    Unbedingt lesen: http://saschalobo.com/leistungsschutzrecht. Lässt einiges im anderen Licht erscheinen!

  11. […] Jeff Jarvis kritisiert das Leistungsschutzrecht […]

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