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Jeff Jarvis über deutschen Datenschutz

Internet - Gretus am 12. Februar 2010 - 19:00  |  20 Kommentare »

Jeff JarvisUS-Medienforscher Jeff Jarvis hat sich kürzlich in seinem Artikel ` The German privacy paradox´ über kulturelle Unterschiede in der Diskussion rund um das Thema Datenschutz am Beispiel von Deutschland und den USA geäußert. Abgesehen von der Erkenntnis, dass unterschiedliche Kulturen auch hier durchaus voneinander lernen können, bricht er die Diskussion auf die Frage herunter, was wir bei der Veröffentlichung bestimmter Informationen denn überhaupt konkret zu befürchten hätten?

Die Behauptung beispielsweise, im Zuge immer neuer Internetanwendungen (Twitter, Facebook usw.) würde man schneller dazu verleitet werden, für andere brisante Informationen preiszugeben, hält Jarvis für unbegründet. Wo man z.B. auch im realen Leben zum Schutze seines Ehepartners nicht über gemeinsame Intimitäten berichtet, wird man es im Internet auch nicht tun.

Ebenfalls eigentlich unbegründet hält Jarvis den Vorbehalt vieler Menschen, konkrete Angaben zu ihrer beruflichen Tätigkeit (Einkommen usw.) zu veröffentlichen. Abgesehen von der Tatsache, dass das ungefähre Einkommen bei vielen Berufen ohnehin längst bekannt ist, stellt er auch hier die Frage, welche konkreten Nachteile man denn bei bekannt werden derartiger Informationen hätte?

My life is an open blog. So I prefer to turn the question around now and look at the benefits of publicness that we lose when we make something unnecessarily private.

Allgemein versucht Jeff Jarvis anhand der Beispiels zwei in einigen Bereichen doch sehr unterschiedlicher Kulturen anschaulich klar zu machen, dass die Angst über die Veröffentlichung privater Informationen oft gar nicht richtig definiert bzw. begründet werden kann.

Anhand einiger Beispiele zeigt der Medienforscher darüber hinaus, dass die öffentliche Diskussion auch persönlicher Details auch einen Vorteil bringen kann und stellt abschließend die These auf, dass die Angst über die Veröffentlichung privater Informationen in vielen Fällen völlig unbegründet und diesbezügliche Vorbehalte oft einfach nur gesellschaftlich bedingt sind.

Da ich persönlich diese These sehr interessant finde, möchte ich gerne einmal Euch fragen, was konkret Ihr bei der Veröffentlichung welcher Daten für Befürchtungen habt, wie genau diese Informationen zu Eurem Nachteil verwendet werden könnten? Welches konkrete Szenerio also, könnte in Anbetracht der Veröffentlichung welcher privater Informationen von Euch passieren?

Gretus

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Tweets zu diesem Beitrag:

 
  1. Henk the Knife sagt:

    “Abgesehen von der Tatsache, dass das ungefähre Einkommen bei vielen Berufen ohnehin längst bekannt ist, stellt er auch hier die Frage, welche konkreten Nachteile man denn bei bekannt werden derartiger Informationen hätte?”

    Im Prinzip richtig, aber jeder Mensch weiß ja auch wie das mit den “Bienen und den Blumen” funktioniert. Warum sollte man das nicht auch öffentlich zeigen? Zumindest wenn es nach Mr. Jarvis Worten geht, würde das ja bedeuten: Kennt ja jeder, weiß ja jeder wie das so im Bett funktioniert. Oder wie?

    “stellt abschließend die These auf, dass die Angst über die Veröffentlichung privater Informationen in vielen Fällen völlig unbegründet und diesbezügliche Vorbehalte oft einfach nur gesellschaftlich bedingt sind.”

    Ja nee, ist klar: Zeigt her was ihr habt. Ist alles garnicht so schlimm. Von welchem Konzern wurde der Typ gekauft?

    #FAIL Mr. Jarvis

  2. SEO-untied.de Gretus sagt:

    Hallo Henk,

    ich glaube, deratige Äußerungen meint Jarvis. Es kommt eine unbegründete `Panik´ zum Vorschein, irgendwelche Aussagen werden mit anderen versucht zu relativieren und meine eigentliche Frage wurde im Zuge der Rage über die Thematik generell einfach übersehen ;-)

    Grüße

    Gretus

  3. eric Website sagt:

    Na ja, man darf wohl nicht nur so ganz einfach drauf schauen, sondern muss auch den Prozess betrachten:

    1. Was ich heute veröffentliche, will ich morgen vielleicht schon nicht mehr wahr haben. “Lisa ist die schönste Frau in Dingenskirchen” ist im Überschwang schnell geschrieben. Wenn ich zwei/drei Jahre aber mit Gabi verheiratet bin, ist das schon etwas peinlich, wenn sie das liest.

    2. Wo kommuniziere ich etwas – und wer liest das irgendwann? Die Plaudereien über eine coole Grillparty an der Isar mit den Kumpels sind witzig. Aber wer nicht grad in einer SEO-Bude arbeitet, möchte evtl. nicht, dass das sein Chef das liest.

    3. Die Masse der Details. Ich selber bin ja eher freizügig mit meinem Netz-Geplapper. Wenn mit aber jemand darauf anspricht, dass ich doch mal irgendwann irgendwo irgendwas geschrieben habe, komme ich mir irgendwie immer ertappt vor.

    Geht euch das nicht so? Natürlich schreibt man die Sachen nicht, die man zu verbergen hat. Aber wenn jeder immer genau abwägen würde, was irgendwann irgendwer davon denken könnte, wäre das Web 2.0 halb leer… (Was vermutlich auch niemand merken würde *grins*

    Der einzige “Schutz” den wir haben, ist die große Masse der Belanglosigkeiten, in der unsere Belanglosigkeiten unter gehen. Aber, ist das wirklich ein Schutz?

    Jeff Jarvis trägt die von dir oben genannte Haltung ein wenig arg vor sich her. Hat hier jemand “Was würde Google tun?” gelesen. Also, da steht eine Menge Wahrheit drin. Aber, hüstel, das ist schon eine sehr vereinfachte Weltsicht…

    findet
    eric

  4. Marco Rick sagt:

    Hallo Gretus,

    ich habe mir die Mühe nicht gemacht das Video anzusehen, dass muß ich zugeben. Als nebenberuflichen Datenschützer regt mich sowas immer zu sehr auf.

    Also Herr Jarvis veröffentlicht sein Gehalt: 80.000 Dollar z.B. Egal, wie immer ist eine Information allein nix wert. Aber im Zusammenhang mit dem amerikanischen Durchschnittslohn wird er ggf. einige Neider auf den Plan rufen, die ihn vorher gar nicht kannten: Ergebnis 1: Gratis Feinde geschaffen

    Und nun veröffentlich er z.B. das er 25 Dollar für Haiti gespendet hat. Ergebnis 2: Öffentliche Anprangerung weil das in keinem Verhältnis zu dem Gehalt steht.

    Und nun schreibt er, dass er sich einen 100 Zoll Flachbildfernseher ins WoZi gehängt hat und ab Sonntag für 3 Wochen nach Peru fliegt. Ich wüßte, wenn ich so einen Fernseher brauche, wo ich ab Sonntag einen suchen muß. Und bei dem Gehalt hätte ich gar kein schlechtes Gewissen.

    Wie sagte Henk oben: “von wem wurde der Typ gekauft?” Keine Ahnung, dass wird uns der mitteilungsfreundige Herr Jarvis wohl leider nicht sagen…

    In dem Sinne schönes Wochenende!

    Marco

  5. SEO-untied.de Gretus sagt:

    Hallo,

    ich finde hier wird generell ein zu großer Unterschied zwischen dem realen Leben und dem Internet gemacht. Auch im realen Leben z.B. haben gemachte Äußerungen Konsequenzen, bleiben also wie im Internet `ewig´ existent.

    Von der Vorstellung, im Internet sind alle gleich, muss man sich verabschieden. Kaufe ich mir einen 80-Zoll-Fernseher, habe ich Neider. Das ist so, auch im Internet…

    Grüße

    Gretus

  6. Mike Website sagt:

    Im Hinblick auf die wachsende Gefahr durch Phishing und Social Engineering frage ich, wie man da so sorglos mit seinen Daten umgehen kann, wie es der Typ fordert. Ich sehe es schon kommen, maßgeschneiderte Phishing Emails die durch das öffentliche Facebook optimiert wurden.

    Ein weiteres Problem: Bei manchen Sachen die man so im Laufe seines Lebens gemacht hat, ist man vielleicht froh, wenn sie in Vergessenheit geraten, nur das Netz vergisst nie.

  7. Martina S. Website sagt:

    Habe letztes Jahr ein sehr interessantes ebook über Datenschutz gelesen. In dem Buch wurde beschrieben, wie leicht man Daten klauen kann, was man an der neuen Steuersünder-CD sehen kann.

  8. wortundwelt.de Website sagt:

    Ich finde die Diskussion als Publizierender natürlich auch eher am Thema vorbei, aus verschiedenen Gründen:

    1. Eine Information an sich ist grundsätzlich wertlos. Solange also keiner sich die Mühe macht, die über jemanden aufzufindenden Informationen zu “aggregieren” und in einen (ggf. auch konstruierten) Zusammenhang zu stellen, ist es irrelevant wie viele Informationen über jemanden kursieren.

    2. Die laufende Weiterentwicklung in der Stochastik durch das Internet (z.B. Google) erlaubt in zunehmendem Maße, völlig ohne eine Zuordnung zu einer konkreten Person, also unabhängig von dieser Person, eine richtige, genaue Vorhersage über ihr Verhalten zu treffen. (Mehr dazu gerne auf Nachfrage) Das heisst, eine Telecom kann z.B. ohne DIch zu meinen oder zu kennen, sagen was DU für einen Tarif haben möchtest – bevor Du selber das weißt!

    3. Der Aufwand der Verarbeitung von Daten steigt mind. linear, wenn nicht logarythmisch mit der Menge der verfügbaren Daten an. Im Umkehrschluss heißt das nichts anderes, als das derjenige, der mehr Informationen über sich verbreitet, sicherer ist – weil der Aufwand, eine Aussage auf Datenlage zu treffen, schwieriger wird!

    4. “DIE” wissen doch ohnehin alles: Ich selber z.B. muss als Freiberufler alle meine Kontoauszüge monatlich dem Finanzamt vorlegen, meine Telco sammelt 6 Monate lang meine Telfoninformationen “auf Vorrat”, ditto mein Internetprovider meine extensiven Netzweltstreifzüge. Meine Kreditkartenanbieter wissen, wann ich wo bin, und mein Versorger weiß, wie oft ich dusche – was gäbe es denn jetzt noch zu verheimlichen? Dass ich gerne Romane der Weltliteratur lese? Geht eindeutig aus meiner Amazon-Historie hervor. Dass ich alle beiden Arten von Musik liebe, also Soul UND Funk? Das wissen zumindest Apple und Last.fm.

    FAZIT:

    Es ist wie im “wirklichen” Leben – offene Menschen verraten mehr über sich selber, als verschlossene, erreichen aber auch vielfach mehr, da Offenheit auch Vertrauen schafft. Anstand und eine gewisse Selbstzucht verhindern Peinlichkeiten. Und ein bewusstes Handeln, ein klarer Wertekanon garantieren, dass keiner Unsinn mit Webinformationen treiben kann, denn wer weiß, was er tut, muss nicht fürchten, damit konfrontiert zu werden.

    PS: Und was ich am allerwenigsten verstehe, warum alle Welt immer so viel Angst hat, dass Werber seine Vorlieben kennen könnten? Ich hasse Werbung, aber wenn ich schon beworben werden muss anscheinend in dieser Marketingwelt, dann bitte auch mit Produkten, die mich zumindest interessieren!

  9. SEO-untied.de Gretus sagt:

    Hallo,

    gutes Statement, Bill Gates hätte es nicht anders geschrieben ;-)

    Grüße

    Gretus

  10. Anonymous sagt:

    Um mal die Frage nach dem Gehalt aufzugreifen: Es kann sehr wohl von Nachteil sein, wenn bekannt wird, was ich verdiene. Beispielsweise wenn ich einen neuen Job suche und mit meinem potentiellen Arbeitgeber in Gehaltsverhandlungen stehe. Da kann es – gerade bei den höheren Jobs – schon mal passieren, dass man 10K € im Jahr weniger geboten bekommt, weil man ja derzeit auch nicht ganz so viel verdient. Übrigens keine graue Theorie, sondern praktische Erfahrung.

    Natürlich kann eine gewisse Offenheit einen auch weiterbringen. Problematisch ist aber der Punkt, dass sich insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem Leben noch stark ändern, die Spuren ihrer Vergangenheit oftmals gerne auswischen möchten – es aber gerade diese Personengruppen sind, die ihr Leben besonders öffentlich ausbreiten.

    Wer mit 30 oder 40 Jahren über sein Leben plaudert, weiß in der Regel, was er da tut und welche Konsequenzen das hat. 15- oder 20jährige wissen das noch nicht unbedingt, deshalb kann es nur von Vorteil sein, wenn hier von Vornherein eine gewisse Vorsicht gelehrt wird.

  11. [...] Jeff Jarvis über deutschen Datenschutz [...]

  12. marketing-search Website sagt:

    Interessant finde ich allerdings auch, wie Herr Jarvis sich bei seinen Ausführungen auf einen Unterschied der Kulturen beruft. Die furchtlosen Amerikaner vs. die ängstlichen Deutschen. Ausser, wenn es um die Sauna geht ;-) Auf jeden Fall ein super lesenswerter und interessanter Artikel!

  13. Mißfeldt Website sagt:

    Der Link zu dem Artikel ist leider tot. Wurde vermutlich von Gott gelöscht :D

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