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Ossi Urchs – Happy End für Google?

Internet  |   |  , 10:18 Uhr  |  11 Kommentare

Wenn es um das Thema Internet geht, kommt man an Ossi Urchs nicht vorbei. Der studierte Philosoph ist gern gesehener Gast bei Diskussionsrunden, schreibt Kolumnen für bekannte Zeitschriften und lehrt an zahlreichen Universitäten. Wir von SEO-united.de hatten Gelegenheit, uns mit dem `Minister for Tomorrow´ über die Suchmaschine Google zu unterhalten…

H. Hemken: Zunächst vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview mit uns bereit erklärt hast. Dein Name dürfte jedem unserer Leser ein Begriff sein. Stell Dich aber bitte trotzdem noch einmal kurz vor. Wer bist Du, was machst Du?

O. Urchs: Die schwerste Frage also gleich zum Auftakt. Die Antwort hängt natürlich davon ab, von welchem „Du“ bzw. „ich“ hier die Rede sein soll. Aber wenn wir diese philosophische Dimension mal weglassen, dann bin ich ein gelernter Medien-Produzent, Autor und Regisseur, den das Internet schon sehr früh, Ende der 80er Jahre, interessiert hat. Anlass des Interesses: Die für ein Massenmedium neue Dimension der Interaktivität. Später habe ich dann meine Erfahrungen mit dem neuen Medium anderen zur Verfügung gestellt: Durch Vorträge und Seminare, Artikel und als Berater.

H. Hemken: Nicht selten wirst Du als `Internetguru´ bezeichnet. Stört Dich diese Titulierung und wie kommt man dazu?

O. Urchs: Durch eine kluge Marketing-Frau. Der „Titel“ stört mich eigentlich nicht, denn anders als man den Begriff hier zu Lande verstehen mag, bedeutet „Guru“ auf Sanskrit, also in der klassischen indischen Sprache nichts anderes als „Lehrer“. Und wenn ich den Internet-Nutzern und meinen Kunden, etwas über das Internet beibringen kann, dann freut mich das sogar.

H. Hemken: Ich hatte Dir gesagt, wir wollen über das Thema `Suchen im Internet´ sprechen. Da mir bei diesem Thema sofort die Suchmaschine Google einfällt, lass uns doch etwas über Google reden. Ist meine Assoziation mit Google übereilt?

O. Urchs: Keineswegs. Suche im Internet und „Google“ sind ja fast schon Synonyme geworden. Wenn  man schon „googlen“ sagt, wenn man „suchen“ meint, dann ist Google eben nicht mehr nur eine, sondern DIE Suchmaschine. Und was bei Google nicht vorkommt, ist im Web quasi nicht existent. Insofern ist Deine „Assoziation“ eher eine Untertreibung: Wer über „Suchen im Internet“ sprechen will, muss zunächst über Google sprechen – das ist der Maßstab an dem alle anderen sich messen lassen müssen.

H. Hemken: Wie sucht Ossi Urchs, wenn er im Internet unterwegs ist?

O. Urchs: Das kommt natürlich darauf an, was ich suche. Aber am Anfang steht immer eine Google-Suche. Von dort aus mag die Reise mal zu Wikipedia gehen, zu einer Bilder- oder auch einer Musikplattform, aber auch in diesen Fällen suche ich die entsprechenden Medien oft zuerst mit Google. Und auch mobil, mit dem Internet unterwegs, wird die Google-Suche, insbesondere in Verbindung mit Goole-Maps immer wichtiger. Plötzlich muss sich also die Pizzeria gegenüber und der Blumenladen an der Ecke, Gedanken machen, wie er in Google erscheint.

H. Hemken: Google hat sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einer der bekanntesten Marken überhaupt entwickelt. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg, sehnt sich der Internetnutzer vielleicht insgeheim nach solchen Global Playern?

O. Urchs: Sicher nicht nach „Global Playern“, aber er sehnt sich sicher nach allgemeinen und funktionierenden Standards. Auf denen, nebenbei, ja auch das ganze Internet selbst beruht. Einen solchen Standard für die Internet-Suche hat Google inzwischen etabliert und ist damit so etwas wie ein Synonym für eben diese Suche geworden – man „googelt“. Wenn eine Marke es erst mal geschafft hat, zum Synonym für eine bestimmte Tätigkeit zu werden, dann tut das nicht nur der Marken-Bekanntheit gut, sondern steigert auch den Wert der Marke ganz erheblich. Das belegen auch alle einschlägigen Untersuchungen, die den Wert der Marke „Google“ in einer Größenordnung mit Marken-Champions wie Coca-Cola sehen.

H. Hemken. Die Firmenphilosophie von Google lautet bekanntlich `Don´t be evil´. Du hast selbst Philosophie studiert, tut Google Böses?

O. Urchs: Dazu müsste man sich, da Du nach der philosophischen Dimension gefragt hast, erst mal darüber verständigen, was „gut“ und was „böse“ ist – und zwar jenseits subjektiver Moralvorstellungen und Glaubenssysteme. Kant hat das mit seinem „kategorischen Imperativ“ versucht: „Handle immer so, dass die Grundlage Deines Handelns zur allgemeinen Grundlage jedes Handelns werden kann.“ Das passt eigentlich sehr gut zu Googles Firmenmotto. Ob Google sich selbst immer daran hält, ja daran halten kann, muss man natürlich in jedem einzelnen Fall an diesem Maßstab messen und untersuchen.

H. Hemken: Wie würdest Du die Qualität der Suchergebnisse von Google bewerten, sind diese noch objektiv?

O. Urchs: Das sind in meinen Augen zwei ganz unterschiedliche Aspekte. „Objektiv“ kann eine algorithmische Suche, die nach bestimmten Regeln funktioniert, etwa den Grad der Verlinkung zur Kategorie für die „Wichtigkeit“ einer Website bzw. auch für deren „Autorität“ macht, gar nicht sein. Solche Regeln müssen ja vom Entwickler subjektiv definiert und gesetzt werden. Über deren Qualität entscheidet dann die „Praxis“, also in diesem Fall die Suche, bzw. die Qualität der Ergebnisse. Und genau diese Qualität der Suchergebnisse war ja der entscheidende Vorteil von Google im Vergleich zu den anfangs durchaus vorhandenen Wettbewerbern, wie z. B. „Altavista“ und anderen. Und diese Qualität ist auch heute noch, unter den Bedingungen eines exponentiell gewachsenen Webs, zumindest noch hinreichend. Verbesserungen sind natürlich heute mehr denn je denkbar, aber daran arbeiten ja viele, nicht zuletzt die Google-Entwickler.

H. Hemken: Wir SEOs versuchen Webseitenbetreibern dabei zu helfen, ihre Seiten bei Google und Co. nach oben zu bringen. Hältst Du diese Arbeit für legitim?

O. Urchs: Das kommt natürlich ganz auf die dabei verwendeten Methoden an. Wenn ich Code und Inhalt einer Seite derart optimiere, dass der Google-Spyder damit bessere Ergebnisse, also richtigere Ergebnisse liefert, und „offsite“ relevante Verlinkungen etabliere, dann ist dagegen zunächst mal sicher nichts einzuwenden. Wenn ich allerdings „Keywords“ und andere Elemente manipuliere, die Seite also falsch auszeichne, oder wenn ich gar Links kaufe und federiere, halte ich das, auch im Sinne der Irreführung der Internet-Nutzer, für absolut nicht legitim. Insofern finde ich auch die eindeutigen Regeln, die Google in diesem Zusammenhang aufgestellt hat, für absolut in Ordnung.

H. Hemken: Kommen wir kurz auf das geplante Thema zu sprechen. Wir wird sich die Suche im Internet Deiner Meinung nach entwickeln, welche technischen Erneuerungen werden die Suchlandschaft verändern?

O. Urchs: Ich denke, dass insbesondere aus der Ecke, in der sich auch Tim Berners-Lee, der Erfinder des Webs, gerade tummelt, also vom „Semantischen Web“, gerade in Hinblick auf die Suche und deren Qualität, noch sehr viel kommen wird. Wenn eine Suchmaschine erst mal „versteht“ ob ich mit dem Begriff „Golf“ gerade den Sport oder das Auto meine, dann werden die Ergebnisse gleich sehr viel genauer und relevanter. Aber auch von der „Mustererkennung“, in Bildern und Videos, wie auch im Audio-Bereich, erwarte ich mir entscheidende Verbesserungen bei der Suche nach Medien. Das wird, je „multimedialer“ das Web wird, Stichwort: „Online-Video“, um nur das populärste Beispiel zu wählen, auch immer wichtiger.

H. Hemken: Wie sucht Ossi Urchs demzufolge, wenn er in zehn Jahren im Internet unterwegs ist?

O. Urchs: Leider habe ich meine Glaskugel im Moment nicht zur Hand. Aber ich vermute mal, dass er in 10 Jahren nicht nur einfach eine Frage in sein mobiles Endgerät sprechen wird, und nach einer eventuellen Rückfrage der Suchmaschine um Ziel und Zusammenhang zu präzisieren die Antwort vorgelesen bekommt, sondern dass er auch ganz selbstverständlich Bilder und Keyframes aus einem Video in die Suchmaske „droppen“ kann. Insgesamt wird die Suche wohl, wie schon heute die sozialen Netzwerke des Web 2.0, sehr viel interaktiver und kommunikativer, also zu einem Teil der weltweiten „Konversation namens Internet“ (Cluetrain Manifesto) werden.

H. Hemken: Wird es im Zuge der gerade von Dir angesprochenen Entwicklungen jemals eine Suchmaschine schaffen, Google vom Thron zu stoßen? Was müsste diese anders bzw. besser machen?

O. Urchs: Wer auch immer die beschriebenen Herausforderungen besser versteht und löst als Google, könnte auch deren Thronfolger werden. Allerdings sehe ich da nur sehr geringe Chancen. Auch Google versteht und bearbeitet diese Fragen. Und wer so groß wie Google ist, hat dafür auch die notwendigen Ressourcen. Aber das Thema könnte sich verlagern. So wie heute die Relevanz des Betriebssystems eines PC geringer ist als vor 10 Jahren. Heute ist der Browser, so zu sagen als „Fenster“ zu den online verarbeiteten Aufgaben, viel wichtiger. Ähnlich könnte in 10 Jahren eine zentrale Suchmaschine gar nicht mehr das Thema sein, ersetzt durch dezentrale, also persönliche Spider, die das Web entsprechend meinem persönlichen Profil durchsuchen. Und wer die zur Verfügung stellt wird der Google-Killer.

H. Hemken: Zum Ende eine ungewöhnliche Frage. Du bist auch Theaterwissenschaftler. Angenommen, Du solltest Google als Theaterstück auf die Bühne bringen, gäbe es ein Happy End?

O. Urchs: Im Film und auf der Bühne empfinden wir ein Happy End eigentlich immer als ebenso trivial wie banal. Im persönlichen Leben ist das allerdings etwas anderes. Insofern dürfte es auf der Bühne für Google keine Happy End geben. Während ich dem Unternehmen, oder besser den Menschen, die das Unternehmen zu dem gemacht haben, was es heute ist, durchaus ein Happy End wünsche.

H. Hemken: Ich bedanke mich für das interessante Gespräch. Vielleicht wird man diese Webseite noch in 20 Jahren finden können. Welche `Message´ willst Du hinterlassen, welchen Link empfehlen?

O. Urchs: „The link is the message

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Arthur Website sagt:

    Sehr interessantes Interview mit Herrn Urchs. Vorallem die Antwort auf die drittletzte Frage, sollte nicht zuletzt für SEOs inspirierend und interessant sein.

  2. Gretus Website sagt:

    Hallo,

    die Antwort fand ich auch sehr spannend. Die `eigene Suchmaschine´, auf jeden Fall ein interessanter Ansatz…

    Grüße

    Gretus

  3. polki sagt:

    Ich habe in den letzten Tagen viel über google gelesen, dieses Interview finde ich super! Ich frage mich aber, warum er die persönliche Suchmaschine in den Vordergrund stellt und nicht die Karte…

  4. […] habe ich bei SEO-United.de den Artikel vom Mittwoch Vormittag gelesen, in dem Ossi Urchs leider viel zu wenig über das WWW […]

  5. SEO-United-Interview mit Internetguru Ossi Urchs Website sagt:

    […] SEO-United Interview mit Ossi Urchs […]

  6. XP Website sagt:

    Tolles Interview. Ich finde Herr Urchs hat so einige wichtige Punkte angesprochen und einige anregungen gegeben wie es in der Zukunft im Internet aussehen könnte. Lässt sich nur noch abwarten ob es wirklich so passiert 😉

  7. Ossi Urchs, Christoph Berger und der Scanner sagt:

    […] Internet-Guru, hat sich bereitwillig von Heiner Hemken auf SEO-United.de interviewen lassen. Sehr interessant und […]

  8. Michael Dunker Website sagt:

    Sicher ist die signifikant verbesserte semantische Suche das nächste Etappenziel, auf das es sich von beiden Seite aus lohnt hinzuarbeiten. Sowohl Google als auch die Seitenbetreiber sollten sicher sowohl die Vielfalt der Sprache als auch die Informationstiefe besser nutzen und auswerten (lernen). Die Erkennung „interessanter“ oder nutzwertiger Inhalte in Videos und Fotos ist ein weiterer spannender Punkt. Hier ist Flickr sogar schon den ersten Schritt gegangen (explore, Interestingness).

  9. Steffen Website sagt:

    Kann mich den Vorrednern nur anschließen – sehr interessantes Interview.

  10. Raimund Website sagt:

    10 Jahre sind ja keine Zeit. Wir hoffen, dass sich die kommunikative Welt verbessern wird, doch gleichzeitig stehen und sehen wir dem wachsenden Monopol gegenüber.
    Was mir zu schaffen macht ist eher die Sorge, dass Google alle meine Handlungen mitbekommt.
    Sei es über die Toolbar oder über die Suche oder andere Vorgänge (gmail..hab ich nicht)
    Da wartet man ja nur auf den Google Super Gau wie bei der Bahn.
    gruß
    Raimund

  11. Blogistan Panoptikum KW05 2009…

    Google patzte kurzfristig und sperrte präventiv mal gleich das ganze Internet – Blackhats und Affiliate Marketer lassen sich davon aber nicht abhalten. Das und mehr im aktuellen Blogistan-Wochenrückblick auf datenschmutz.
    ……

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