Da ich kürzlich auf einer Nachrichtenseite vor lauter Werbung gar nicht mehr wusste, wo oben und unten ist, habe ich mir heute einmal die Mühe gemacht und mir die Werbung auf den Onlineablegern bekannter deutschen Zeitungen bzw. Zeitschriften etwas genauer angeschaut…
Um zu verdeutlichen, wie stark Nachrichtenseiten mittlerweile mit Werbung zugepflastert sind, habe ich bei drei Artikeln von stern.de, spiegel.de und focus.de sämtliche Werbeflächen rot markiert. Hätte ich zusätzlich noch diejenigen Flächen markiert, auf denen für eigene Angebote geworben wird, wäre außer roter Farbe wahrscheinlich nicht mehr viel zu erkennen gewesen.
Neben der Anzahl der Werbeflächen habe ich auch geschaut, wofür in den Anzeigen geworben wird. Hat man in den Printausgaben genannter Zeitschriften zumindest hin und wieder noch das Gefühl hatte, durch eine gut gemachte Anzeige direkt angesprochen zu werden, setzen die Onlineausgaben auf den totalen Ausverkauf ihrer Werbeplätze. Mit einem Drittel wird versucht, dem Leser einen Kredit oder eine Versicherung aufzuschwatzen, mit einem Drittel ein pharmazeutisches Produkt und mit dem letzen Drittel der Beitritt in irgendeine Singlebörse.
Wenn man bedenkt, dass derartige Webseiten von Google tatsächlich noch verlangen, für jeden weitergeleiteten Besucher bezahlt zu werden oder die hinter den Angeboten stehenden Verlagshäuser glauben, dass ich mir so was noch im Abo kaufe, kann man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Weniger realitätsfremd wäre die Forderung, mich zukünftig für jeden Besuch dieser Seiten zu bezahlen ![]()
Gretus































Man muss aber auch sagen, dass spiegel.de “above the fold” nicht wirklich viel Werbung hat. Da könnte man mehr und teurer verkaufen.
Ich surfe schon seit einer gefühlten Ewigkeit mit ABP und bin immer wieder erschüttert, wenn ich mal auf ein Internetcafe zurückgreifen muss, wo kein Adblocker installiert ist.
Es ist klar, das mit den Webseiten Geld verdient werden muss, die Entwicklung ist aber wirklich erschreckend!
Schön, dass das mal jemand sagt. Es sind ja immer die SEOs die auf die Mütze kriegen, weil sie mit ihren “spammigen” Seiten Geld verdienen wollen. Aber wenn ich mal ehrlich bin, dann ist mir eine Seite mit ordentlichen Informationen und einem Haufen Affiliate Links deutlich lieber, als das gespamme von Stern, Welt und Co. Man ist ja nur noch dabei die Popups wegzuklicken und dann sind Bildergalerien auch noch so aufgebaut, dass man jedes Bild auf einer eigenen Seite laden muss (für PI Maximierung). Das wird sich auf Dauer noch rächen.
Die dummen Displaymarketer sterben ja nicht aus und cofinanzieren so zum Glück die großen Verlage. Letzten Endes zeigt es wie Johannes schon sagt aber nur, dass nicht nur die kleinen Webmaster, sondern auch die großen Verlage ihre Seiten als MfA (Made for Ads) ins Netz stellen. Immerhin bewahrt die Displayvermarktung die Verlage davor zu lernen, dass sie mit zielgerichteten Lead/Sales-Pages mehr erwirtschaften könnten. Hat ja auch sein gutes…
Ich bin kein Werbeaussteuerungs-Profi. Aber ich würde sagen, in der SEO-Szene gibt es davon eine ganze Reihe. Vermutlich sitzen hier doch die Leute, die am besten wissen, wie man auch Usern Geld macht. Oder?
Und ich könnte mir vorstellen, dass 32 Werbeformen auf einer einzigen Seite nicht die optimale Lösung ist, wenn man mit der Seite Geld verdienen kann.
Ich würde mich also sehr, sehr freuen, wenn einer der Werbeaussteuerungs-Profis dies in einem fachlich kompetenten Artikel zusammen fassen könnte. Dieser Artikel bekommt von mir einen fetten Link und ich schicke ihn an alle unsere Kunden…
Jedenfalls danke für diesen Beitrag hier!
eric
Firefox-Plugin Readability einsetzen, sehr hilfreich
Sehr guter Artikel, der wirklich das ausspricht, was seit Jahren die Realität ist.
In der Regel habe ich ja auch nichts gegen Werbung. Aber ist es wirklich notwendig, nicht-relevante Werbungen, die mit ihrem Themengebiet nichts zu tun haben, zwischen zuschalten? Ich denke, dass zielgerichtete Lead/Sales-Pages, wie schon gesagt wurde, die wirklich bessere Lösung sind, um die Leser nicht abzuschrecken. Dadurch profitieren automatisch beide Seiten.
Es spricht ja nichts dagegen auf seiner Seite Werbung einzusetzen, aber manchmal ist weniger eben mehr.
Vor allem ist die Kennzeichnung immer schlechter geworden, mir ist schon öfter passiert, das ich zu einem Thema, einen Link geklickt habe der aber nur Werbung war.
Muss man das nicht sichbar kennzeichnen so wie in einer Zeitung oder haben wir dafür noch kein Gesetzt?
Oh Mann, nervt mich so ein Artikel. Ich betreibe eine private Webseite und bin auch in einem Verlag, der Webseiten publiziert.
Natürlich vermarkten wir alle unsere Seiten auch mit Display-Ads. Na und? Klar, wenn man das Rot einfärbt sieht es drastisch aus, aber macht den Gegentest: Färbt alles redaktionelle Rot ein. Sieht auch fies aus, was? Am Ende bleibt vermutlich derselbe Mix, wie bei Magazinen: 60 zu 40 bis 50 zu 50. Am liebsten sind mir die Adblocker-Typen: Alles mitnehmen und nicht mal ein paar Display-Ads bezahlen. Super!
Mal eine Frage: Welche anderen Erlösmodelle schlagt Ihr den vor? Kachingle? Wer von Euch muss übrigens vollständig von Einnahmen im Internet leben?
Hallo Stephan,
das Ding ist wie gesagt nicht die Werbung, sondern die Tatsache, sowas noch als Abo verkaufen zu wollen…
Grüße
Gretus
Hey Stephan,
ich denke, das eigentliche Problem ist nicht, dass man sich durch viel Werbung gestört fühlt (das muss jeder für sich entscheiden, meine Frau z.B. liebt die kostenlosen Werbeblätter im Briefkasten, ich kann die nicht leiden). Die Frage hier weiter oben war doch, ob das eben bei den Einnahmen Sinn macht. Ich bezweifle nämlich, dass es eine finanziell sinnvolle Strategie ist, möglichst viele Anzeigen zu zeigen. Besser zwei/drei, die wirklich Umsatz machen…
Ich lebe übrigens komplett vom Internet
eric
[...] Angeregt durch den Post von SEO-united.de, will ich hier eine Alternative zu den bestehenden Werbeformen zeigen [...]
[...] Rote Karte für Verlagsseiten [...]
Hi Eric,
Freut mich
) Mein ich ernst. Ich glaube auch, dass man als Einzelkämpfer oder kleines Team gut davon leben kann – eher noch als als Verlag.
Aber Du hast zum Beispiel Spiegel-Online gezeigt. Ich glaube, dass die schon recht genau wissen, wo sie was aussteuern und was ihnen Geld bringt. Und ich halte es auch für legitim. Denn gerade Spiegel bringt meist eine gute, solide Berichterstattung und gute Bilder dazu (Reuters, DPA = Geld). Dafür nimmt man die Werbung doch in Kauf.
An die Adblocker-Fraktion: Für mich ist das Betrug! Ein Anbieter stellt seine Seite so zur Verfügung – mit Werbung, auch um damit Geld zu verdienen. Ihr nehmt den Inhalt einerseits mit, und gönnt dem Publisher nicht mal die Adimpression. Wovon lebt Ihr denn?
@Gretus: Ich glaube nicht, dass das ein ernsthaftes Modell ist. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass man damit mal klar machen möchte, dass für Leistungen auch mal wieder was bezahlt werden sollte. Das ist der Kleinkrieg zwischen Google und den Verlagen. Für mich übrigens eine gute Diskussion. Google macht mit Adsense richtig Asche auf Inhalte, die es nicht selbst produziert. Google wird mir allgemein zu unkritisch gesehen…
Viele Grüße
Stephan
Hallo Stephan,
keine falsche Lorbeeren für mich: Der Artikel ist von Gretus. Und wenn du das so schreibst, fühle ich mich plötzlich wie ein Betrüger. Weil ich immer in der Werbepause meiner Lieblingsserien aufs Klo gehe und nicht während der Handlung
eric
@eric Nun ja, im TV wird aber auch keine Adimpression gemessen, die Du so verhinderst. Findest Du als Publisher Adblocker fair? Den Inhalt gibt es ja schon gratis für die Leser – und das ist gut so.
Na ja, wenn jemand darauf spekuliert, dass AdImpressions angezeigt und abgerechnet aber nicht angeschaut werden (analog zum Beispiel mit der Werbepause) dann wäre das doch wohl auch Betrug. Oder?
Aber ob ich AdBlocker fair finde? Weiß nicht. Muss wohl sagen “nein”. Aber ich gehöre auch zu den Usern, die sich eine Menge Inhalte per Buch, E-Book, App, Anmeldung u.s.w. kaufen und ich schaue auch kein kino.to weil mir kostenlose Inhalte zu umständlich sind. Ich habe auch nicht den billigsten DSL-Anschluss, weil der eh immer wieder spinnt und ich telefoniere lieber mit T-Mobile als mit O2 weil ich da bessere Netzversorgung habe. Deshalb, befürchte ich, bin ich nicht gerade der typische Schnäppchenjäger…
eric
@eric: Deine Haltung entspricht meiner. Ich kaufe auch faire Milch, weil ich einfach mal durchgerechnet habe, was eine Kuh pro Tag an Milch gibt, was dabei beim Bauern hängenbleibt, was der dafür zahlen muss und wie ein erfolgreicher Bauer seine Kühe halten muss. Seitdem kaufe ich Milch gerne für über einen Euro.
Eine ähnliche Haltung wünsche ich mir im Internet seitens der Leser. Ich habe nicht das Gefühl, dass die derzeitige Bezahlung im Web fair ist. Gedankenspiel: Wenn ich tausend Besucher auf meiner Seite mit jeweils drei PVs habe, und ich verdiene mit Adsense – sagen wir – 10 Euro am Tag. Und Google verdient im gleichen Augenblick damit genausoviel, ist das dann noch ok? Oder haben wir uns nur einfach daran gewöhnt?
@stephan: Ich versuche mir gerade, abzugewöhnen über gerecht und ungerecht zu entscheiden. In deinem Beispiel kommen doch möglicherweise – sagen wir – 3/4 der Leser über Google. Da finde ich es gar nicht mal soooo ungerecht, wenn die Suchmaschine ihren Anteil bekommt. Und es bleibt ja jedem selbst überlassen, ob er schlappe AdSense Anzeigen einbaut oder pfiffige Affilate-Banner… Und auch dann kommt der Traffic häufig meist von Google…
Ich finde, wenn jemand einzig auf das Anzeigenmodell setzt und sagt, jetzt sollen aber mal bitte gefälligst alle die Banner anschauen, dann ist das noch auch ein bisschen wie Geiselhaft für User. “Ihr bekommt die Inhalte kostenlos, aber quält euch gefälligst auch mit den Anzeigen”, ist einfach nicht sexy. Gefällt mir irgendwie auch nicht.
Na ja, wie gesagt, bin nicht besonders gut in solchen Gerechtigkeitsdebatten
eric
@stephan Wenn Google für seinen 50%-Anteil nichts tun würde, wäre der sicher unfair. Aber für diesen Anteil besorgt es mir als Publisher Anzeigenkunden, die ich mit meinen kleinen und mittleren Projekten sonst nie bekommen könnte, kümmert sich um die ordentliche technische Umsetzung und macht auch noch das Billing. Das Einzige, was wirklich stört: die Marktmacht, die Google sich hier allein mit seiner Reichweite aufgebaut hat. Alternative Vermarkter haben hier wenig Chancen (und bringen mangels passender Werbekunden im Endeffekt oft geringere Einnahmen für Publisher).
@xaam: Ich stimme völlig mit Dir überein. Google erbringt hier eine Leistung. Seitdem sie halbwegs offengelegt haben, was sie nehmen (50%) kann ich gut damit leben. Auch wenn es nicht so ist, dass sie Anzeigen Kunden akquirieren. Die kommen ja von selbst zu Adwords. Ja, Traffic kommt über Google. Ich wünschte Bing würde sich entwickeln, nur damit einfach zwei Stützen da sind (zum Brüllen, ich hoffe auf Microsoft, damit sie ein Monopol brechen).
@eric: Weißt Du, was ich sexy finde? Geld für Leistung. Und ich zwinge ja niemanden die Banner anzusehen oder zu lesen. Thema: Bannerblindness. Wir blenden das doch eh schon aus. Sie aber zu blocken und dem Publisher so nicht mal die Adimpression zu gönnen? Ich bleibe dabei: Das ist mies! Solche Leute würde ich dann gerne auch blocken können (geht das?).
Ups, Korrektur: Google schüttet ja sogar 68 Prozent aus, sagen sie…
[...] weniger Werbung manchmal auch mehr sein kann. Schaut man sich die mittlerweile fast schon einer Bannerwüste ähnelnden Onlineausgaben deutscher Zeitungen an, kann man deren Betreibern immer wieder nur [...]
[...] Gretus hat bei SEO United eine interessante Analyse mit dem Titel Rote Karte für Verlagsseiten veröffentlicht [...]