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Spiegel, Spiegel an der Wand

Internet | | 03.08.2010, 12:46 | 23 Kommentare

Im Zuge unseres Artikels `Rote Karte für Verlagsseiten´, hatten wir erst kürzlich darüber berichtet, welchen Anteil reine Werbung auf bekannten Newsseiten mittlerweile eingenommen hat. Wo man sich als Leser der Printausgaben von Spiegel Online und Co. notgedrungen an das eine Drittel Werbung gewöhnt hat, hat man Leser der Onlineausgaben mittlerweile fast mit zwei Dritteln Werbebannern zu kämpfen. Hier noch einmal zur Erinnerung:


Werbung auf focus.de
 
Werbung auf spiegel.de
 
Werbung auf stern.de

Wir Leser werden uns wahrscheinlich auch die zwei Drittel Werbung gewöhnen, schließlich bekommen wir auf anderen Newsseiten das gleiche Verhältnis von Inhalt zu Werbung eingetrichtert, woran ich zumindest mich jedoch nur schwer gewöhnen kann, sind die Methoden, mit welchen die Betreiber bekannter Nachrichtenseiten noch versuchen, meine Zugriffe auf ihre Seite in die Höhe zu treiben.

Schaut man sich zum Beispiel einen ganz normalen Artikel auf SPIEGEL ONLINE an, bekanntlich ja einem der Spitzenreiter in Sachen Seitenzugriffe, ist dieser mittlerweile in unzählige Abschnitte auf einzelnen Unterseiten unterteilt.

Artikelmenue  

Natürlich ist es sinnvoll, einen allein schon aufgrund seiner Länge für den an 140 Zeichen gewöhnten Internetnutzer von heute erschlagend wirkenden Artikel in zwei oder drei sinnvolle Abschnitte zu gliedern, die Verteilung auf manchmal zehn oder mehr Unterseiten jedoch, hat nach meinem Empfinden ausschließlich den Sinn, möglichst viele für das Schalten von Werbung wichtige Impressions zu generieren. Ich befürchte sogar, dass ganz bewusst in Kauf genommen wird, dass viele Leser einen Artikel gar nicht bis zum Ende lesen, sondern sich lediglich einige Male durch die Seiten klicken.

Nichts anderes dürfte bei den mittlerweile fast an jeden Artikel angehängten Fotostrecken der Fall sein. Auf den ersten Blick scheint die Darstellung der Fotos durchaus nutzerfreundlich, was meiner Meinung nach jedoch definitiv fehlt und wahrscheinlich auch wieder bewusst weggelassen wurde, ist eine kleine Vorschau sämtlicher anderer Bilder unter dem gerade gezeigten Bild.

Fotostrecke

Genau wie beim Lesen eines Artikels, möchte ich auch als Betrachter einer Fotostrecke im Vorfeld wissen, auf was ich mich da einlasse. Bei einen Artikel möchte ich die Möglichkeit haben, im Zuge des Verlaufs dann noch nicht verstandene Passagen noch einmal schnell überfliegen zu können und bei einer Fotostrecke möchte ich mir nur diejenigen Bilder anschauen, die mich auch wirklich interessieren.

Ich habe die Befürchtung, dieses wird nicht mein letzter Beitrag über die offensichtlich nur noch auf Masse und Kommerz ausgerichteten Methoden bekannten Nachrichtenseiten sein. Dass man mit derartigen Maßnahmen den Karren schnell auch mal gegen die Wand fährt, brauch ich an dieser Stelle nicht zu erwähnen ;-)

Gretus

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Domi Website sagt:

    Absolut meine Meinung, ist mir auch schon oft negativ aufgefallen. Vor allem die Sache mit den Bildern ist für Leute mit lahmem Internet teils eine Zumutung. Aber solange die Firmen damit genug Profit machen, wird sich das nicht groß ändern. Es sei denn, Google bewertet neben Verhältnis Code/Text nun auch Verhältnis Werbung/Text ;)

  2. Wildner Website sagt:

    Werbung ist doch legitim! Wer einen Artikel bei spiegel.de in einem Zug ohne Werbung lesen möchte, der klicke auf den Link mit der Bezeichnung Drucken. Druckvorgang abbrechen und lesen!

  3. Constantin sagt:

    Hallo,

    zumindest in den letzen Monaten ist die Problematik eher schlimmer geworden. Ich habe darauf vor genau einem Jahr aufmerksam gemacht und man muss feststellen, dass auch in Zukunft keine Besserung in Sicht ist, so lange Kunden Werbung auf Basis von “gefälschten” Impressionen kaufen.

    Liebe Grüße,
    Constantin

  4. Markus Website sagt:

    Bei mir schlagen da zwei Herzen in einer Brust.

    Einerseits: Ein Nachrichtenportal wie spiegel.de zu betreiben, ist schlichtweg teuer, eine Querfinanzierung durch die schwächelnden Print-Produkte kaufmännisch unklug (Wer kauft sich denn den Spiegel am Kiosk? Es werden nachweislich nicht mehr…) Also muss die Website, um weiterhin kostenfrei (siehe NY-Times-Versuch) zu sein, mit Werbung arbeiten…

    Andererseits: Auch ich stelle fest, dass die Methoden, schlicht “Klicks” zu erzeugen, doch schon sehr dreist geworden sind (Bilderstrecke fällt mir da auch schon länger auf.). Ich persönlich glaube, dass kontraproduktiv werden kann. Aber spiegel.de hat da sicher andere Erfahrungen, sonst würden sie es nicht machen.

  5. Rasier Tommy Website sagt:

    Man beachte auch die Facebook Fans von Stern.de auf dem Scrennshot ;)

  6. sl Website sagt:

    Servus Heiner,

    Ich befürchte sogar, dass ganz bewusst in Kauf genommen wird, dass viele Leser einen Artikel gar nicht bis zum Ende lesen, sondern sich lediglich einige Male durch die Seiten klicken.

    Ich befürchte mit Dir, wobei ich mein, dass “Befürchtung” = mit “Gehe defintiv der Annahme”. Nun denn, aber der Werbemarkt ist ja auch nicht mehr dass, was er einmal war, also im Grunde kann ich das iwie nachvollziehen und kürzlich gab´s ja auch noch ne Umfrage (ich meine die Tage), in der es hiess “Die meisten Leser akzeptieren Werbung auf Webseiten, nach dem Motto “Lieber Werbung sehen als Paywall und nichts sehen”.

    Gruß
    Seba

  • Mark: Erstaunliches Ergebnis, damit hätte ich nicht gerechnet!
  • Harald Tschuggnall: Bei uns hat sich nicht viel getan einige nach oben einige nach...
  • azella: Also für die meisten Ergebnisse der Studie reicht auch gesunder...
  • Diet: Ich hab noch nie von einem konkreten Fall gehört in dem das eingetreten ist....
  • Stefan: Dann bin ich mal gespannt…
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