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Web 4.0 – Dynamische Nutzerprofile in Echtzeit

Internet  |   |  , 12:46 Uhr  |  11 Kommentare

Auf Echtzeitanwendungen aufbauende Gimmicks wie sleepingtime.org gibt es wie Sand am Meer. Das Tool analysiert die Statusmeldungen eines Twitteraccounts und spuckt die Schlafperiode des dazugehörigen Nutzers aus. Da man Statusmeldungen auch nach anderen Dingen (Interessen, Hobbies usw.) durchsuchen kann, stellt sich mir die Frage, mit welcher Form des Internets wir es hier zu tun haben?

Das Web 1.0 bezeichnet die Periode, in welcher Inhalte lediglich zu Präsentationszwecken ins World Wide Web gestellt wurden. Mit dem 2004 von Tim O’Reilly geprägten Begriff Web 2.0 wird eine Periode des Internets beschrieben, in welcher immer neue Technologien es dem Nutzer ermöglichen, sich aktiv an der Gestaltung bzw. Generierung von Inhalten zu beteiligen.

Das Web 3.0 beschreibt eine Kombination aus 2.0 Anwendungen und Techniken des Semantic Web. Webbasierte Anwendungen sollen es zukünftig möglich machen, die von Nutzern generierten Inhalte derart miteinander zu verbinden, dass komplett neue Inhalte entstehen. Da das Web 3.0 in erster Linie beschreibt, wie aus bestehenden Inhalten neues Wissen generiert wird, haben wir es bei auf dem Echtzeitinternet aufbauenden Anwendungen meiner Meinung nach mit einer anderen Form des Internets zu tun.

Echtzeitanwendungen wie Twitter ermöglichen es uns bereits heute, andere Nutzer zu jeder Zeit und an jedem Ort über unsere Aktivitäten zu informieren. Bereits im Zuge der Definition des Web 2.0 stellen Echtzeitanwendungen eine Sonderform dar, da sie lediglich für den jeweiligen Nutzer spezifische Inhalte produzieren. Die Nutzer produzieren kein allgemeingültiges Wissen für andere, sondern hinterlassen einen Fluss mit Statusmeldungen über sich selbst.

Stellt man sich eine Webseite vor, die ähnlich wie sleepingtime.org die Statusmeldungen ihrer Nutzer durchforstet, aus deren Inhalt neue Informationen über die jeweiligen Personen generiert (Schlafperiode, Arbeitszeit, Bewegungsmuster usw.) und auf Echtzeitprofilen zusammenfasst, könnte man diese Form der Kombination aus Echtzeitinternet und Techniken des Semantic Web auch als Web 4.0 bezeichnen.

Sleepingtime.org produziert zu jedem eingegebenen Namen eine Unterseite und macht diese im Internet verfügbar.

Der Wunsch eines jeden Menschen, aufgrund in der Vergangenheit gemachter Angaben mehr über sich selbst zu erfahren, wird uns den Weg in eine Periode des Internets ebnen, in welcher sich die Nutzer dynamisch generierte Echtzeitprofile erstellen lassen, diese freiwillig veröffentlichen und erst später begreifen werden, nicht mehr Herrscher sondern Sklave ihrer eigenen Aktivitäten zu sein. Gute Nacht…

Gretus

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. MissingLinks Website sagt:

    Hallo, sehr interessanter Artikel. Kann jemand mal bitte ein Tool entwickeln, welches die entsprechenden Daten verschleiert?

    Ich möchte mir in diesem Zusammenhang erlauben auf meinen Artikel „Die Zukunft der Psychoanalse – Die Berechenbarkeit von Menschen“ hinzuweisen, welchen ich auf Grund dieses Artikels bei Gelegenheit mal aktualisieren sollte.

  2. Bernie Website sagt:

    Interessanter Bericht. Web 3.0 ist demnach also quasi ein Recycling des bisherigen Content. Und Web 4.0 halte ich für ziemlich bedenklich. Solche Seiten wie sleepingtime werden da leider wohl nur den Anfang bilden. Der Mensch und seine Aktivitäten werden mehr und mehr ausgeleuchtet. Was noch viel schlimmer ist, alle Daten sind öffentlich einsehbar. Frei verfügbar für die Werbebranche wie auch für potentielle Einbrecher und alle anderen. Danke für den Artikel!

  3. seb sagt:

    Nach Sleepingtime wärest du, Heiner, ja nun schon wach (1.00-7.00 sleep). Ich erwarte eine direkte Antwort 🙂

  4. frank Website sagt:

    Sachlich würde ich das ganze in der Nähe von Künstlicher Intelligenz einordnen und zusammen mit Roboter Technologie als Gegenstand von Zukunftsforschung und gesetztlicher Regulierung sehen. Tatsächlich ist es auch als Problem erkannt und Gegenstand von Diskussionen. Im Kontext Daten ist dann noch das Outernet mit Sensoren und die Mobile Telefonie mit Bewegungsmustern zu sehen. Dann gibt es noch das Problem, dass sich derartige Systeme irgendwann verselbständigen und auch selbständig weiter entwickeln können. Das alles ist tatsächlich nicht ohne.

    Kürzlich wurden doch auch Roboter vorstellt (im Rahmen von Kunst auf der transmediale), die ihre Energie aus lebenden Substanzen gewinnen, quasi durch verdauung. Da liegt in der Kombination ein modernes Jagd Szenario nicht fern und Gesprächsbedarf nahe.

  5. Gretus Website sagt:

    Hallo,

    entscheidend sich nicht die technischen Möglichkeiten, welche z.B. die Generierung von fortlaufend aktualisierten Onlineprofilen möglich machen, sondern der Wunsch des Menschen, sich denen irgendwann freiwillig unterzuordnen. Im konkreten Beispiel würde ich nicht mehr ins Bett gehen, weil ich müde bin, sondern die Aufzeichnung meiner Schlafgewohnheit im Internet für andere, z.B. meinen Chef, besser aussehen zu lassen…

    Grüße

    Gretus

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