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Wenn die Lobby kommt

Internet | | 10.12.2008, 12:15 | 6 Kommentare

Gestern lief im ZDF ein Bericht bei Frontal21, welcher recht deutlich aufgezeigt hat, wie Pharmakonzerne auch fragwürdige Medikamente im Markt platzieren. Zwar ist es in Deutschland so, dass für verschreibungspflichtige Medikamente keine Werbung gemacht werden darf, allerdings behelfen sich die Konzerne mit gekauften redaktionellen Berichten. Hier werden entsprechende Studien oder Aussagen von Experten präsentiert, die betroffene Kunden anregen sollen, das Medikament zu kaufen bzw. sich darüber zu informieren.

Ein Blick auf die Trends zeigt, dass viele User gezielt die Suchmaschine Google benutzen, um sich über etweilige Risiken bzw. Nebenwirkungen zu informieren.

In der Folge entscheiden die ersten Googlepositionen darüber, ob ein Medikament als gefährdend eingeschätzt wird oder etwa nicht. Diese Tatsache macht deutlich, welche Macht ein gutes Listing in so einem Bereich bedeuten kann. Werden entsprechende Nebenwirkungen auf den angezeigten Seiten verschwiegen, kann dies über millionenschwere Umsätze entscheiden.

Dieses Phänomen hat die Pharmalobby längst für sich erkannt und versteht es zu nutzen. Ich will nicht pauschal sagen, dass gut positionierte Websiten zu diesem Thema einer Manipulation unterstehen, wer aber einfach mal danach sucht, wird die entsprechenden Unterschiede schnell erkennen.

Ich möchte mich mit diesem Bericht gar nicht in die Machenschaften der Pharmalobby einmischen, sondern an Euer Gewissen appellieren. Meine Erfahrung zeigt, dass sich viele der Macht ihrer Positionierungen gar nicht bewusst sind. Für viele misst sich der Wert einer Positionierung lediglich durch die dadurch generierten Einnahmen. Welche Information man damit verbreitet, bzw. welches Meinungsbild man eventuell sogar prägt, bleibt sehr oft unbeachtet.

Darüber hinaus wird z.B. beim Linktausch oftmals blind auf andere Webseiten verlinkt. Erhält man einen Link mit seinem gewünschten Linktext, wird ohne weiter zu hinterfragen auf den anderen gelinkt. Ob man damit teilweise fragwürdige Inhalte unterstützt, wird leider auch selten nur hinterfragt.

Und so schließt sich dieser Kreislauf und zeigt beispielhaft auf, wie das Internet die Gesellschaft nicht demokratisiert, sondern es der Lobby vielfach noch viel einfacher macht, ihre Interessen durchzusetzen. Schaut auch mal öfter über den Tellerrand und hinterfragt Euer Handeln in gewissen Bereichen. Dies gilt natürlich nicht nur für den Pharmabereich, sondern auch für viele andere sensible Bereiche.

Constantin

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Peter Schneider Website sagt:

    Hallo Constantin ( ;-) ),

    weisst Du, wieviele Domains auf Servern der Novartis und Roche in der Schweiz gehostet werden? Ich hoffe, das hier ist erschreckend genug!

    Auf der anderen Seite könnte man auch eine Website zum Thema “Nebenwirkungen” machen und diese promoten. Ich denke, das könnte bei entsprechender Verlinkung seitens von z.B. NGOs durchaus einige Publicity bringen.

    Greenpace will z.B. hierzulande dass Giftmülldeponien saniert werden. Auch diese Forderungen sind besonders im Internet laut!

    Stimmt aber: Der Internetnutzer findet meistens keine publizistischen, neutralen Inhalte sondern entweder “Schleichwerbung” oder “Propaganda”. Wobei sich das immer mehr auch in die klassischen Medien ausbreitet…

  2. Constantin sagt:

    Hallo Peter,

    vielen Dank für die weiterführenden Informationen! Allerdings hat nicht Gretus diesen Beitrag veröffentlicht, sondern ich: Constantin.

    Dieses Verhalten breitet sich nicht in die klassischen Medien aus, es kommt aus den klassischen Medien. Oftmals kann man als normaler Leser gar nicht unterscheiden, ob es sich hier nun um einen gekauften redaktionellen Beitrag handelt, oder eben nicht. Man muss der Redaktion vertrauen. Und so is es eben auch bei einer Internetseite, nur fehlt hier oft das entsprechende Branding der Redaktion.

    Klar, ein User erkennt sehr wohl, wenn ein Artikel ein Medikament lobt und wird sich nach einer anderen Website umschauen. Wenn aber eine Website unter dem Deckmantel einer Selbsthilfegruppe geführt wird und lediglich bestimmte Nebenwirkungen ausklammert, dann wird es schon deutlich schwieriger die Information als “falsch” einzustufen.

    Das Google eines der wohl manipulierbarsten Informationsmedien ist, sollte uns alles klar sein.

    Constantin

  3. Markus sagt:

    @Peter Schneider: Mit Roche ist auch ein zweiter Pharmakonzern unter den Top Domain-Hostern.

  4. Gretus sagt:

    Hallo,

    viel Wahres dran. Bad Neighborhood wird in den meisten Fällen mit `das könnte meiner Seite schaden´, nicht mit `das könnte den Leser schaden´ interpretiert…

    Grüße

    Gretus

  5. Peter Schneider Website sagt:

    @Constantin: Sorry!

    Und ich gebe Dir recht, was die Medien und Pharmasponsoring allgemein angeht, siehe hier…

    Ich wollte lediglich eine Dimension angeben. Bei Pharma gibt es aber durchaus Abstufungen. Das reicht von Lobby-Arbeit hin zu Web-Engagement bis zum Sponsoring von Fussballmanschaften.

    Auch inhaltlich hast Du von “Image-bildenden” Aussagen (für “Pharmafoschung”) bis hin zur konkreten Falschaussage das ganze Spektrum an Möglichkeiten. 15% des Umsatzes wird übrigens in die Forschung gesteckt, 30% in Werbung.

    Ich würde aber noch nicht davon ausgehen, dass die grossen Pharmariesen das ganze Potential des Webs bereits ausschöpfen. Da könnte insofern noch bedeutend mehr kommen.

  6. Constantin sagt:

    Hallo Peter,

    wiedermal tolle Quellen!

    Ich würde sogar sagen, dass das Potenzial noch sehr “mangelhaft” ausgenutzt wird. Wenn ich mir vorstelle, wie gering die Anstrengungen sein dürften um eine entsprechende Position innerhalb der Suchergebnisse zu erreichen, wird mir teilweise schon schaurig.

    Ich bin gespannt, wann die Lobby kommt ;)

    Constantin

  • azella: Also für die meisten Ergebnisse der Studie reicht auch gesunder...
  • Diet: Ich hab noch nie von einem konkreten Fall gehört in dem das eingetreten ist....
  • Stefan: Dann bin ich mal gespannt…
  • Axel Sam: Aus langer sich Nein, aber für eine kürzere Zeit ist das natürlich möglich...
  • Olga: Der Pagerank hat mich auch irritiert. Bei den Suchergebnissen stehen oft die...
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