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Widget Wirrwarr

Internet | | 18.09.2009, 11:44 | 5 Kommentare

Wer einen neuen Service an den Start bringt, kommt schon lange nicht mehr darum herum, Schnittstellen wie RSS-Feeds oder Webservices zur Verfügung zu stellen. Der möglichst einfache Datenaustausch mit anderen Diensten, beispielsweise über Widgets, steht bei vielen aktuell ganz oben auf der Agenda…

Andere Anbieter greifen diese Daten auf, um ihren Service aufzuwerten und den Besuchern mehr Informationen zu bieten. Dieses war zwar auch schon vor fünf Jahren möglich, allerdings war das notwendige Know-How zur Einbindung deutlich größer. Heute lassen sich Widgets mit einem Mausklick einbinden oder man installiert gleich ein Scraping-Plugin für WordPress dazu

So hat Bild.de gestern ein einem Feldversuch nach eigenen Angaben erstmals aktuelle Nachrichten mit einem ungefilterten Twitterstream verbunden. Jeder Leser konnte in Echtzeit mitverfolgen, was z.B. die Twitterwelt über den Amoklauf in Ansbach zu berichten hatte.

Hier bietet Bild.de zwar etwas, was aus eigener Kraft nicht zu schaffen ist, aber genau hier lauert auch eine große Gefahr. Ich möchte gar nicht auf die Gefahr für den Leser an sich eingehen, welcher z.B. durch Falschmeldungen total überfordert wird, sondern vielmehr auf die Gefahr für das Internet im Allgemeinen. In meinen Augen lassen sich journalistische Artikel nicht mit einem Twitterstream verbinden. Zum Einen ist dem Verfasser eines Tweets mitunter gar nicht klar, dass er dort oder wo auch immer gelistet wird, und zum anderen kann er den Stream gar nicht umgehen, sofern er das gestreamte Hashtag benutzen möchte. Eine zweite Gefahr lauert in dem System selbst. Es fehlt an einem Algorithmus, der Leser des Streams ist viel zu schnell von ähnlichen Meldungen und sich retweetenden Usern gelangweilt.

Das Beispiel von Bild.de ist aber nur eines von vielen. Es zeigt allerdings recht eindrucksvoll, wie schwierig die Einbindung von externen, insbesondere usergenerierten Informationen ist. Redaktionelle Seiten binden jedoch immer öfter diese Informationen ein. Dieses führt dazu, dass man an vielen Stellen gar nicht mehr weiß, woher die Informationen stammen und ob diese vertrauenswürdig sind. Ein Vertrauensverlust der publizierenden Seite selbst ist nur eine mögliche Folgen.

Das Internet entwickelt sich von lediglich durch Links verbundenen Websites hin zu einem Mischmasch an Informationen, welches schon bald niemand mehr durchblicken wird. Auch Suchmaschinen wie Google haben hiermit ihre Probleme. Beobachtet man einmal die SERPs, so wird das Durcheinander schnell deutlich.

Wohin führt das Ganze? Für Google gibt es hier nur den Ausweg in Richtung Trust und Supplemental Index. So ranken einige Seiten unter fast allen Begriffen und identifizierte Scrapingseiten zu fast gar nichts mehr. Zusätzlich werden Anbieter, die externe Informationen einbinden, Kontrollsysteme um Missbrauch einzudämmen fordern. In meinen Augen wird die Qualität des Internets derzeit durch den hohen Nutzungsgrad von Widgets und Co. eher verschlechtert als verbessert. Jeder sollte es sich wirklich zweimal überlegen, ob und wie man externe Dienste einbindet…

Constantin

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Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Mißfeldt Website sagt:

    Sehr guter Beitrag, finde ich. Ich habe mich auch schon so manches mal gewundert, wenn meine Tweets plötzlich in Blog-Sidebars oder neuerdings sogar als Kommentare auftauchen. Das war tatsächlich nicht intendiert. Im Grunde wird da doch nur Content abgesaugt. Twitter wird damit quasi zu einem journalistischen (aber wie du zurecht sagst: ungefilterten) Medium.

    Bin sehr gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Und ob Twitter sich den Stiefel anzieht…

    Gruß, Martin

  2. Constantin sagt:

    Hallo Martin,

    Twitter wird wohl weiter Infastruktur bleiben und sich aus der “politischen” Diskussion raushalten. Man muss nur eben die Möglichkeit schaffen, dass Tweets nicht für externe über eine Schnittstelle abzusaugen sind, bzw. dass man eine Kontrolle hat.

    Rechtlich wird es schwierig. Ich würde schätzen, dass die 140 Zeichen unters Zitatrecht nach §51 UrhG fallen und somit nicht urheberrechtlich geschützt sind. Juristen oder Sistrix hier?

    Liebe Grüße,
    Constantin

  3. Max Website sagt:

    Gibt es nicht schon jetzt die Möglichkeit Tweets nur für Follower (die man vorher akzeptiert hat) sichtbar zu machen? Damit kann man Twitter auch als privates Kommunikationsmittel nutzen (für mich persönlich erfüllt dies Skype). Wer etwas twittert ruft es ins Internet hinaus und sollte sich dem auch bewusst sein. Etwas weniger privaten Quatsch twittern, etwas mehr wirklich interessante Dinge und Anzahl von RT als Qualitätsmerkmal, sehe ich in der Twitterzukunft, Retweeten Quasi also Voting.

    Ich finde den Versuch auf BILD.de ungefiltert in Echtzeit die Tweets einlaufen zu lassen sehr mutig und innovativ und den Twitternutzern hat es ja auch offenbar großen Spass gemacht mal ihren Namen auf BILD.de zu lesen.

  4. SEOLabor Website sagt:

    @Mißfeldt Kann mich nur dir anschließen. Genau das ist das Problem. Man muss bei Twitter differenzieren bei den Tweets. Manche sind sehr relevant und informativ und andere twittern aufem’ Klo irgendein Müll zusammen. Twitter muss sich hier noch erheblich weiterentwickeln.

    Jonas

  5. Gretus sagt:

    Hallo,

    Twitter wird definitiv überschätzt. Leider ist das Leben der meisten gar nicht so interessant wie sie meinen ;-)

    Grüße

    Gretus

  • Stefan: Dann bin ich mal gespannt…
  • Axel Sam: Aus langer sich Nein, aber für eine kürzere Zeit ist das natürlich möglich...
  • Olga: Der Pagerank hat mich auch irritiert. Bei den Suchergebnissen stehen oft die...
  • Frank: Wenn der Pagerank für Google nicht so wichtig wäre, würde sich Google nicht so...
  • Stefan Wienströer: Bin von 4 auf 5 gekommen, ist mir aber eigentlich egal^^
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