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Wie der Klout Score uns einen Bären aufbindet

Internet  |   |  , 09:59 Uhr  |  11 Kommentare

klout_scoreClarissa Sajbl hat in ihren kürzlich auf stateofsearch.com veröffentlichten Artikel `The Birth of Influence Engine Optimization?´ die These aufgestellt, dass die herkömmliche Such-maschinenoptimierung an einer weiteren Evolutionsstufe stehen könnte. Da der Mensch, vereinfacht gesagt, stets auch um seinen eigenen Vorteil (PDF) bemüht ist, könnte das immer mehr auf sozialen Signalen (Klout Score usw.) basierende Ranking von Inhalten in Suchmaschinen keine allgemeine Qualitätsverbesserung mit sich bringen, sondern womöglich eher sogar eine Verschlechterung…

If we were to believe Klout – the US teenage sensation Justin Bieber who has a score of 100 compared to Barack Obama’s 91 is more influential than the president of the United States of America. That can’t be true…. No, all Klout tells us is that Justin Bieber has the ability to move content through his online channels far quicker than Obama. (Quelle)

Um einmal zu veranschaulichen, was soziale Signale aus Sicht einer (Such-)maschine überhaupt be-deuten, hat Clarissa einen früheren Klout Score von Barack Obama bzw. Justin Bieber zur Diskussion gestellt. Justin Bieber hatte einmal einen Klout Score von 100, Barack Obama zur gleichen Zeit einen von 92. Hätte ein Marketing-Verantwortlicher einer x-beliebigen Firma vor der Entscheidung gestanden, wer seine Werbebotschaft am besten hätte verbreiten sollen, hätte er sich womöglich eher für Justin Bieber entschieden. Clarissa stellt sich an dieser Stelle nun die Frage, ob der Kout Score nicht lediglich bedeutet, dass Justin Bieber eine Nachricht zwar `schneller´, aber nicht `nachhaltiger´ als Barack Obama hätte verbreiten können.

Um das Ganze auf eine greifbare These herunterzubrechen, scheinen die derzeitigen, hauptsächlich auf die Anzahl der sozialen Kontakte x-Grades aufbauenden Dienste im Stile von Klout nicht auszureichen, um den wahren `Einfluss´ eines Menschen bzw. eines von ihm erstellten Webinhalts zu bewerten. Barack Obama hatte und hat als Präsident der Vereinigten Staaten am Ende dann doch womöglich etwas mehr `Inluence´ als ein seine Fans bespuckender Teenie-Star wie Justin Bieber gerade einer ist!?

Wie misst man aber nun den wahren `Einfluss´ eines Menschen und damit auch die suchmaschinen-spezifische Relevanz eines vom ihm erstellten Webinhalts? Ganz einfach, man `verleitet´ ihn dazu, immer mehr seiner vom ihm wo, wann und mit wem verbrachten Zeit preiszugeben. Man zwingt ihn, sich beim Schauen von irgendwelchen Videos einzuloggen, man gibt ihm ein Handy mit hauseigenem Betriebssystem inkl. Ortung an die Hand und drückt ihm eine App aufs Auge, mit der er Ratschläge (inkl. Wetter- und Staumeldungen) geliefert bekommt, welche ihn in seinen Handlungsspielräumen unbewusst immer weiter einschränken.

Wer den letzten Absatz aufmerksam gelesen hat, wird begriffen haben, dass wir an dieser Stelle des Artikels entweder bei der NSA oder bei Google angelangt sind. Lassen wir die derzeitige Diskussion um Edward Snowden den Schutz unserer Privatspähre einmal außen vor und konzentrieren uns auf die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen, sind wir urplötzlich bei Googles Author Rank ange-kommen.

One of the most important features of Google Plus is its authorship system. The idea is that an author can build rank and trust (called Author Rank) based on the content they write all over the web. Google already has a way to determine your expertise at those subjects and it is only getting smarter in how it ranks authors and their content. For instance, if your content is constantly +1′ed and shared, it will be a strong signal that the content you create is of high quality and offers plenty of value. (Quelle)

Wir SEOs sehen nach Meinung von Clarissa Sajbl an dieser Stelle hauptsächlich nur unseren eigenen Vorteil. Um unseren Author Rank bzw. den von uns angestrebten Einfluss zu erhöhen, weiten wir unsere sozialen Aktivitäten im Internet aus, posten emsig auf allen möglichen sozialen Netzwerken, kaufen uns Freunde bei Facebook und wetteifern um Retweets bei Twitter. Alles nur für unseren ganz persönlichen Erfolg im Web!?

Barack Obama macht das nicht, und auch Google hat die vergangenen Monaten immer wieder erklärt, dass die derzeitige `Qualität´ der von uns SEOs so heiß geliebten `Social Signals´ noch nicht dazu ausreicht, um die Qualität des Rankings in Suchmaschinen auch für den Otto-Normalverbraucher nachhaltig zu ver-bessern!

Auch die Betreiber von Google dürften längst erkannt haben, dass der `wahre´ Einfluss eines Menschen möglicherweise eher in seinen Offline-Aktivitäten (!) zu finden ist und ein nachweisliches Abendessen mit einer Hand voll bekannten Politikern mehr über seinen `potentiellen´ Einfluss aussagt als 500 Fans/Follower mehr oder weniger bei Facebook oder Twitter.

Der von Clarissa Sajbl angedeutete Evolutionssprung in der Suchmaschinenoptimierung könnte darin liegen, dass Klout und Co. uns mit ihrem lediglich auf unsere Webaktivitäten beschränkten Scoring einen Bären aufbinden und die schlauen Köpfe bei Google längst dazu übergegangen sind, sich vorwiegend auf unsere Aktivitäten abseits von unserem Tun und Handeln im Internet zu konzentrieren!

Google weiß, wo wir gerade sind, was wir essen, was wir demnächst im TV gucken und mit wem wir uns morgen möglicherweise treffen werden. Wenn jemand gerade in einer Bibliothek sitzt, sich vorwiegend fleischlos ernährt, hauptsächlich Tiersendungen schaut und einen Artikel über Greenpeace schreibt, wäre genau der es nicht wert, am Ende dann weit oben in Suchmaschinen gelistet zu werden?

Gretus
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Diskussion zu diesem Beitrag:

Kommentare zu diesem Beitrag:

  1. Alex Website sagt:

    Einer der interessantesten Beiträge die ich in letzter Zeit gelesen habe! Spart euch also die vielen Blabla Facebook Beiträge. Macht also immer schön euer GPS an, damit euch Google & Co. orten können.

    Ich geh nun täglich 3x im Bundestag aufs Klo, damit Google denkt ich arbeite dort. Auf dem Rückweg geh ich dann mal am Kanzleramt vorbei und check mal eben ein.

  2. Armin Website sagt:

    Guter Artikel, der es auf den Punkt bringt. Ich halte den Klout-Score aktuell auch für ziemlich überbewertet. Der im Artikel erwähnte Bibliotheksbesucher mit vegetarischer Ernährung und einer Vorliebe für Greenpeace ist mit einem guten Kloutscore genau in diesen Bereichen einflussreich, jedoch nicht, wenn es um Themen wie “Schweinefleisch”, “Trash-TV” oder “PS-Boliden” geht. Ein funktionierendes System müsste den Klout-Score an die Themen anpassen, was derzeit über die Möglichkeiten hinausgeht.

    Wenn ich bei Facebook und Instagram pro Tag 20 süße Katzenbilder poste, die auch eifrig geliked oder geteilt werden, steigt mein Klout-Score, bin ich deswegen einflussreicher? Ohne spezifische Anpassungen ist es eher ein Klo-, denn ein Klout-Score.

  3. Robert Website sagt:

    Das Thema wäre so an mir fast vorbeigegangen. Danke also für den Hinweis. Ich finde den verwendeten Vergleich der beiden Personen sehr gut. Was mir bei der Verminderung der Wertigkeit sozialer Signale oft etwas untergeht, ist der Fakt, dass auch beim linkbasierten Ranking ähnliche Probleme existieren.

  4. Aufklärung über den Ranking- und Social-Network Quatsch › Nicht spurlos Website sagt:

    [...] Mit einem Vergleich zwischen Barack Obama und Justin Bieber macht seo-united.de deutlich was der Klout Score eigentlich tatsächlich aussagt [...]

  5. Malte Landwehr Website sagt:

    hauptsächlich auf die Anzahl der sozialen Kontakte x-Grades aufbauenden Dienste im Stile von Klout nicht auszureichen

    Sorry Gretus, aber das ist Bullshit. Klout basiert nicht primär auf den “sozialen Kontakten x-Grades” sondern auf Reaktionen auf deine Aktivitäten.

    Als ich mein 3k Follower Account gegen meinen >10k Follower Account getauscht habe, hatte das Null sichtbare Wirkung auf meinen Klout-Score. Andere Faktoren machen hingegen SEHR deutliche Knicke in der Kurve, wenn ich sie an-/abstelle.

  6. Roger Kiener sagt:

    Der Versuch, vergleichbare Leistungen zu bewerten, ist nicht gerade neu. Beispiel Zensuren: Spiegeln sie wirklich absolute Intelligenz oder Leistungsfähigkeit eines Menschen? Wohl eher nicht … Genau so ist auch der Klout-Score nur im richtigen Kontext hilfreich.

  7. Alexander Website sagt:

    Klout Rank und Google Author Rank sprechen uns narzisstische Web-Egomanen besonders stark an. Wir freuen uns tierisch über die Möglichkeit endlich unsere sozialen Kraft messen und darstellen zu können – egal wie falsch die Auswertungen auch sein mögen. Um möglichst genau verarscht zu werden, geben wir den Anbietern auch noch all unsere Daten…

    Das allein ist schon super dämlich. Den Score mit sich herumzutragen, ihn zu “optimieren” und sich sonstwie zum Influencer zu pimpen, gleicht dem stolzen Tragen eines “kick me!”-Zettels – auf der Brust.

    Meine Gedanken zu Klout hatte ich mal hier zusammengeschrieben.

  8. Klaus Website sagt:

    Sehe ich genauso. Man darf nicht vergessen, dass Google und alle anderen Social-Media-Plattformen ohne User auch keine Millarden mehr wert sind. Gebt den Leuten einen Benchmark und der Wettbewerb geht los. Kann man die Herde besser beisammen halten?

    Man sollte auch sehen, dass eine erfolgreiche Adwords-Kampagne stark von den gesammelten Userdaten profitiert.

    Ich versuche immer zu sagen was ich denke und ich finde es immer dann interessant, je mehr Leute anderer Meinung sind als ich. Mit mit anderen Worten: Likes sind auch langweilig. Das gute an Social Media ist doch, dass man etwas SAGEN kann, dass auch noch genau an der richtigen Stelle. Und ich finde so einen verbalen Tritt in die … oder besser … wenn man öfter mal sagt was man denkt und nicht einfach immer nur die vorgelegten Optionen benutzt, ändert sich auch was.

    Wenn erstmal “Google-Heads” aufn Markt ist es zu spät. :-)

  9. Sebastian2K13 sagt:

    Google weiß, wo wir gerade sind, was wir essen, was wir demnächst im TV gucken und mit wem wir uns morgen möglicherweise treffen werden.

    Genau das ist das Problem! Alle regen sich über Spionage auf aber jeder Hinz und Kunz teilt ALLES im Netz auf sozialen Netzwerken.Der größte Teil, der im Netz gepostet wird ist doch eh Müll. Was ja auch ganz logisch ist, schließlich ist das ganze ein Freizeitvertreib und man möchte seine Freunde an lustigen Dingen teilhaben lassen, statt an politischen News.

    Google könnte also nur die Signale aus bestimmten Bevölkerungsgruppen zum Ranking benutzen.

    Wenn nun alternativ aber das Offline-Leben herangezogen wird, stehe ich dem ganzen sehr kritisch gegenüber, bin aber der Meinung: DA SIND WIR SELBST DRAN SCHULD! Schließlich steht hinter mir kein Google-Mitarbeiter und schaut, was ich gerade mache (außer ein Street-View-Auto kommt gerade vorbei ^^ ). Sowas findet man nur heraus, wenn derjenige pausenlos irgendwo eingeloggt ist und genau dies kann jeder frei entscheiden.

    Ich denke unsere Gesellschaft ist damit einfach überfordert. Viele Menschen wissen garnicht, was mit den infos passiert, die sie da mit aller Welt teilen bwusst, wie auch unbewusst. Man müsste daher schon in der Schule beginnen darüber aufzuklären! Dann erst wären die sozialen Signale ggf. qualitativ hochwertiger und könnten für Google auch nützlich sein.

    • Safferthal Website sagt:

      “Ich denke unsere Gesellschaft ist damit einfach überfordert. Viele Menschen wissen garnicht, was mit den infos passiert, die sie da mit aller Welt teilen bwusst, wie auch unbewusst. Man müsste daher schon in der Schule beginnen darüber aufzuklären! Dann erst wären die sozialen Signale ggf. qualitativ hochwertiger und könnten für Google auch nützlich sein.”

      Achso … wir sollen also jetzt alle für den Gockel bessere Überwachungssignale liefern, damit die für die Aktionäre ihren Gewinn steigern können? Die NSA, BRD GmbH und Isreal haben vermutlich weniger Daten über einen als Google, Facebook, Amazon und Co. Die meisten Daten sind doch für Geheimdienste unwichtig, aber nicht für die Werbeindustrie.

      Gibt es für den KlauScore eigentlich etwas zum Einbauen in die Website? Ich habe den noch nirgends gesehen. Naja, für mich ist das mehr ein Schw…vergleich 2.0. Kann ich kein Geld damit verdienen; also brauche ich ihn nicht.

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  • Alex: Gibt schon eine Stellungnahme von denen, siehe dem Tweet von Stefan Niggemeier:...
  • Maxim: Ah ich glaube da habe ich deinen ersten Post wohl falsch interpretiert –...
  • Andreas: Eine sehr mächtige Zusammenfassung was bei mir auch einige andere Ideen...
  • Roland: Hallo Maxim, möglicherweise bewegen wir uns gedanklich auch in anderen...
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