Wenn sich Astronomen darüber unterhalten, ob es genügend Wasser auf benachbarten Planeten gibt, um dort Leben anzusiedeln, dann unterhalten sich Suchmaschinenbetreiber darüber, ob das Internet genügend Links hergibt, um einen Algorithmus am Leben zu halten. Denn ohne genügend Links läuft dieser allzu oft in die Sackgasse und verhungert elend.
Wo sich der Mensch durchgesetzt hat und über dutzende Generationen erfolgreich alles vernichtet hat, was annähernd der Verbreitung der menschlichen Rasse im Wege stand, hatten die Suchmaschinen lange Zeit kein Feindbild. Backlinks standen im ausreichenden Maße zur Verfügung und niemand anderes hatte Verwendung für diese Bausteine des Word Wide Webs.
Seit einigen Monaten jedoch verbreitet sich ein neuartiges Konstrukt namens Twitter was durchaus die Rolle eines Feindbilds übernehmen könnte. Denn Twitter frisst Links, inzwischen sogar gefährlich viele Links. Grundsätzlich gibt es hierbei zwei Probleme. Zum einen erlaubt der Microbloggingdienst lediglich die Nutzung von 140 Zeichen innerhalb eines Tweets. Da für sprechende Urls, wie SEOs und Suchmaschinen sie nun einmal gerne mögen, innerhalb von 140 Zeichen natürlich wenig Platz ist, werden die eigentlichen Urls über Anbieter wie tinyurl.com verkürzt. Die schnelle Verbreitung dieser Dienste lodert inzwischen auch schon im herkömmlichen Web, so dass immer mehr klassische Links durch Short-Url-Links ersetzt werden.
Das zweite und folgenreichere Problem ist die grundsätzliche Empfehlung über Twitter. Möchte man seinen Followern etwas empfehlen – was grundsätzlich für Qualität spricht, da es eben Bekannte sind – tut man dieses immer öfter nicht mehr auf der eigenen Website, sondern über Twitter. Hier kommt allerdings das Nofollow-Tag zum Einsatz und so nimmt die Anzahl der verwertbaren Links durch die Suchmaschinen derzeit stark ab. Und so sind Suchmaschinenbetreiber momentan wohl tatsächlich mit der Frage beschäftigt, ob der Suchmaschine tatsächlich das Lebenselexier genommen wird und der Algorithmus in der derzeitigen Form noch lange überleben kann…
Das kürzliche Ende von rivva.de und die Misere um die deutschen Blogcharts zeigen derzeit eindrucksvoll wie aktuell das Problem um die Links ist. Lösungsansätze für dieses Problem sehe ich derzeit nicht. Die Short-Urls in ihrem Konstrukt und Zusammenhang auszuwerten ist für Google schier unmöglich und die Anzahl klassisch gesetzter Links nimmt weiter ab. Die derzeitige Entwicklung stellt Google und die gesamte Suchmaschinenwelt also vor ein extrem großes Problem. Das aktuelle PageRank-Update und die damit verbundene Herabsetzung des PRs vieler Twitterprofile haben gezeigt, dass Google das Problem mit den Oberarmen und nicht der Birne lösen möchte. Da Google derzeit allerdings abhängiger von Twitter ist als andersherum – was nebenbei ein völliges Novum darstellt – scheint dieses Verhalten nicht sonderlich schlau…
Constantin





















Google hat auf der SMX 2009 in München gesagt, dass Bewertungen (wie etwa von Qype – Anm. d. Indianers) in Zukunft das Ranking beeinflussen könnten. Vergleicht man die Suchergebnisse in Qype mit denen in Google findet man bereits Übereinstimmungen.
Links werden weniger wichtig. Reputation rockt
Hallo,
diese Entwicklung wäre nicht zu begrüßen. Heute haben wir eine gute Mischung innerhalb der Serps, die verloren geht, wenn die Reputation größeren Einfluss findet. Dadurch gewinnt nahezu immer der größte Brand einer Szene.
Das wäre wiedermal eine Entwicklung mit der Folge, dass SEO-Budget steigt und sich nur noch wenige leisten können den Index zu manipilieren. Da gibt es viele Parallelen zur Lobbyarbeit…
Liebe Grüße,
Constantin
Nur ein kleiner, klugscheißerischer Hinweis: Astrologen kümmern sich nicht um Wasser auf Planeten, sondern um Horoskope. Das, was Du eingangs meinst, sind Astronomen – und die würden Dich als Strafe für diese Verwechslung sicher gerne auf so einen wasserlosen Planeten schicken
Wow, krasser Fehler! Das habe ich natürlich sofort geändert
Liebe Grüße,
Constantin
“Die Short-Urls in ihrem Konstrukt und Zusammenhang auszuwerten ist für Google schier unmöglich und die Anzahl klassisch gesetzter Links nimmt weiter ab.”
Korrekt – aber wie sieht es denn mit Verkürzerdiensten aus, die per 301 weiterleiten? Gibt es dadurch nicht einen “Restlink”, der weiter verwertbar ist?
“Das aktuelle PageRank-Update und die damit verbundene Herabsetzung des PRs vieler Twitterprofile haben gezeigt, dass Google das Problem mit den Oberarmen und nicht der Birne lösen möchte.”
Hmmm, mal für Doofies – was soll denn das eigentlich bringen, wenn Google die Profile abwertet? Ich meine, es ist doch so oder so ein “Seoblackhole”. Von außen werden die Profile angelinkt, es strömt Juice rein – aber raus kommt eben nix mehr (externe Links nofollow und auch noch häufig verkürzt per Redirect). Also päppeln sich nur intern die Profile gegenseitig hoch. Soviel dazu – warum sollte das Google stören? Nehmen die Profile am Ranking teil? (check – ja, tun sie) – ist das eine Gefahr für Google? Und wenn es eine Gefahr für G ist, und man sich damit behilft, dass man den PR absenkt, dann würde das ja heißen, PR ist wichtig fürs Ranking
Hallo Manuel,
sicherlich könnte man die Short-Urls wieder zurück in normale Urls umwandeln. Das ist sogar relativ einfach. Das ist allerdings lediglich der quantitative Teil dieser Auswertung. Um den quantitativen Teil zu erfüllen bräuchte es eine Art Trust auf den Userprofilen. Bei den derzeit verhärteten Fronten denke ich nicht damit, dass Twitter dies zulassen würde. Ich denke das erklärt auch deine zweite Frage.
Liebe Grüße,
Constantin