Es vergeht kein Tag, an welchem sich Journalisten nicht mit erneuten Hetztiraden gegen Google und den mit dem Internet verbundenen Veränderungen zu Wehr zu setzen versuchen. Den meiner Meinung nach zwar schon etwas älteren aber immer noch passenden Artikel `The survival of journalism: 10 simple facts´ als Grundlage genommen, im Folgenden einige unausweichliche Entwicklungen, mit welchen Journalisten bzw. Autoren in Zukunft leben müssen…
- Verlagshäuser müssen sich damit abfinden, dass der Verkauf von Zeitungen immer weiter zurück gehen wird. Zukünftige Generationen werden ihre Nachrichten über das Internet beziehen, diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten.
- Blogger und andere Schreiber werden guten Journalisten nie das Wasser reichen können. Qualitativer Journalismus wird weiterhin gebraucht, um Missstände aufzudecken und die Gesellschaft mit Informationen zu versorgen.
- Nahezu sämtliche Inhalte des WWW stehen kostenlos zur Verfügung. Auch Zeitungen sollten ihre Inhalte den Lesern bzw. Multiplikatoren wie Google ohne Entgelt zur Verfügung stellen.
- Internetnutzer beziehen ihre Nachrichten aus den unterschiedlichsten Quellen und möchten nicht nur eine Meinung. Bezahlmodelle für Inhalte einer einzigen Nachrichtenquelle werden nicht funktionieren.
- Die Herstellung bzw. Verbreitung von Zeitungen ist mit erheblichen Kosten verbunden und belastet unsere Umwelt. Technische Neuerungen werden diese Kosten minimieren und unsere Umwelt entlasten.
- Es ist Aufgabe der Journalisten, den sich durch das Internet verändernden Lese- bzw. Konsumgewohnheiten der Gesellschaft entgegenzuwirken. Journalisten sollten ihre Arbeit daher nur bedingt den Entwicklungen des Internets anpassen.
- Journalistische Tätigkeit wird auch zukünftig in irgendeiner Form vergütet werden. Nach einer Übergangsphase wird es neue Vergütungsmodelle geben, von denen zumindest gute Journalisten sogar noch profitieren werden.
Zusammengefasst müssen sich Journalisten, Autoren und Verlagshäuser mit den durch das Internet verbundenen Veränderungen abfinden und ihre journalistische Pflicht nicht zugunsten von unausweichlichen Entwicklungen vernachlässigen…
Gretus





























Schöner Artikel und in meinen Augen trifft (fast) alles zu! da muss man nichts hinzufügen!
Hallo,
auch wenn wir erst in einigen Jahren wissen werden, wie sich der Journalismus tatsächlich entwickelt hat, so scheint mir die Prognose doch sehr treffend. Schöner Artikel! Das aktuelle Modell nach dem viele Journalisten arbeiten ist definitiv ein schmilzender Eisberg und allein die Nachfrage wird die zukünftige Entwicklung steuern.
Das diese Nachfrage künstlich manipulierbar ist, ist in meinen Augen die Chance cleverer Journalisten.
Liebe Grüße,
Constantin
Tatsächlich ist es schon immer so, dass Zeitungen sich nicht über den Verkauf ihrer Printprodukte finanzieren, sondern über Anzeigen. Wenn ich eine Zeitung abonniere, dann zahle ich dafür, dass sie gedruckt und zu mir nach Hause geliefert wird, nicht für die Inhalte. Genauso sollten Inhalte online über Anzeigen finanziert werden. Von daher verstehe ich die ganze Aufregung der Zeitungsverleger nicht. Sicher sterben zur Zeit viele Zeitungen, aber die Gründe liegen nicht hauptsächlich beim Internet. Und ich stimme dir zu, dass professioneller Journalismus weiter gebraucht wird und nicht durch Blogger o.ä. ersetzt werden kann. Letzte Woche habe ich zum Thema “kostenpflichtige Inhalte online” einen Artikel in meinem Blog geschrieben…
Hm, ein paar Server mehr, da jeder seine Zeitung und Infos online liest und schon haben wir wieder ein Umweltproblem wegen zu hoher Energiekosten usw. Meiner Meinung nach ist das nur eine Verlagerung der Umweltbelastung.
Hallo,
ich denke schon, dass die Umwelt über kurz oder lang entlastet wird. Der neue Kindle mit Solarzellen, Server am Nordpol und so weiter und sofort
Grüße
Gretus
Ob die Energiebilanz nun bei Print- oder Onlinemedien besser ist, wird keinen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung haben. Vielmehr spielen Faktoren wie Aktualität, Meinungsbildung und die Bequemlichkeit eines Mediums einen Entscheidende Rolle.
Die Bild zeigt mit ihrer Onlineausgabe derzeit ganz deutlich, welchen Weg der Journalismus gehen wird. Man vernetzt sich, tauscht Informationen aus, vermarktet Werbung und bleibt dennoch meinungsbildend und für viele unverzichtbare Lektüre.
Liebe Grüße,
Constantin
Hallo,
ich denke, dass auch Dienste wie Twitter für einen qualitativen Journalismus entscheidend werden. Schließlich ist gerade die Aktualität mit einer der wichtigsten Faktoren im Nachrichtenbereich. Es reichen kurze Hinweise, welche auf eine Quelle verlinken.
Gruß Christoph
Hallo Christoph,
bedeutet qualitativer Journalismus nicht die Quelle zu sein, auf die verlinkt wird?!
Liebe Grüße,
Constantin
Hallo Constantin,
selbstverständlich! Ich spreche auch nicht davon, dass Journalismus ausschließlich über Twitter betrieben wird und alles Bisherige ersetzt. Es ist in meinen Augen jedoch eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Angeboten. War etwas undeutlich ausgedrückt, gebe ich zu.
Gruß Christoph
Hallo,
Twitter eignet sich z.B. dafür, einen direkten Kanal zu den Lesern aufzubauen, sich also eine neue Abonnentenschaft aufzubauen. Als Betreiber einer seriösen Zeitung würde ich nicht unbedingt Nachrichten twittern…
Grüße
Gretus
Passend zur Diskussion?!
Tim
“Genauso sollten Inhalte online über Anzeigen finanziert werden.”
Klingt erst mal logisch, funktioniert aber nicht. Das Problem ist, dass online nicht annähernd die Preise wie für Print erzielt werden können – die Journalisten aber noch genauso viel kosten.
Wenn mich jemand fragen würde dann sollten alle Journalisten die jetzt für Zeitungen arbeiten, einen eigenen Blog öffnen und dort ihre Reportagen preis geben. Bzw. die Zeitungen sollten nur noch in Blogs ihre Journalisten zu wort kommen lassen und sie dort bezahlen. Eine Zeitung auf Papier ist einfach alt, es kostet Papier und ist immer langsamer als das Internet.
Hallo Katrin,
Onlinewerbung kann dafür z.B. zielgerichteter ausgeliefert werden. Ich bin der Meinung, dass das ganze Fiasko um Google und Co. früher oder später guten Journalisten auch finanziell zuspielen wird.
Zeitungen haben lange Zeit sehr viel Geld verdient. Lange Zeit haben sie sich auch gegen neue Entwicklungen gesträubt, haben weiter untereinander `rumgeklüngelt´ und sich kaum dem Internet geöffnet.
Im Moment werden die Karten neu gemischt. Wie ich schon geschrieben habe, gilt es da in erster Linie Ruhe zu bewahren und jeden Schritt genau zu überlegen. Was sich innerhalb vor Jahren festgefahren hat, lässt sich nicht mit 140 Zeichen via Twitter wieder gut machen
Grüße
Gretus