So wie der Vor- und Zuname bei uns Menschen ein wichtiges Erkennungs- und Identifikationsmerkmal ist, so ist es der Domainname bei Internetprojekten. Ohne Domains wären Internetprojekte nur über Nummer-abfolgen, also die IP-Adresse, zu erreichen und weitaus anonymer.
Somit darf man es schon fast als Glück bezeichnen, dass das World Wide Web diese technische Eselsbrücke erlaubt und Internetprojekten so auf gewisse Weise eine Persönlichkeit gewährt. Auch im Hinblick auf die Suchmaschinenoptimierung sind Domains ein wichtiger Faktor, da insbesondere auf Links bezogene Rankingfaktoren sich oft auf Domainebene beziehen.
Möchte man nun den genauen Wert einer Domain bestimmen, ist es folglich wichtig, beide Teilbereiche hinreichend zu betrachten. Teilbereich eins betrachtet den ideellen Wert einer Domain, also Faktoren wie die Einprägsamkeit, Type-Ins, Klang, Marktbezug, Branding usw. Teilbereich zwei betrachtet die reinen SEO-Faktoren, also Faktoren wie Trust, Backlinks und Historie.
Der genaue Wert einer Domain lässt sich in der Praxis allerdings kaum kalkulieren, da sich ein Großteil der wertbildenden Faktoren nicht in Euros umrechnen lässt. So gibt es keine pauschale Definition dafür, was etwa ein PageRank von 5 oder ein hohes Vertrauen bei Suchmaschinen exakt wert ist. Möchte man eine Domain verkaufen, so entscheidet letztendlich die Intensität der Nachfrage, wie hoch der Verkaufspreis ausfallen wird.
Praxis mit expired Domains
Dennoch, oder gerade deswegen, herrscht ein extrem großes Mysterium um den Handel mit Domains. Insbesondere Tweets im Stile von „Gerade wieder eine feine Domain gegrabbt, viele Unibacklinks…“ schüren den Neid in der Szene und so scheint es gängige Praxis, dass man als SEO heutzutage Domains grabbt. Völliger Quatsch.
Sicherlich gibt es einige SEOs, die erfolgreich mit Domains arbeiten, der weitaus größere Teil aber dürfte über das Ansammeln eines quasi wertlosen Domainportfolios nicht hinauskommen. Ursache dieser Problematik ist die Komplexität des Vorgangs. Da zum Beispiel expired Domains ein begehrtes Gut sind, ist ein extrem schneller und automatischer Prozess notwendig, um diese erfolgreich zu registrieren. Einen solchen Work-Flow aufzusetzen erfordert viel spezielles Know-How und eine Menge Erfahrung, womit das Domain-Grabbing als Disziplin mit einem sehr hohen Investitionsaufwand gelten dürfte. Dennoch gilt: Die wirklich wertvollen Domains gelangen gar nicht in den freien Markt zurück. Diese werden von den Registraren gehalten und entsprechend veräußert.
Nutzung von expired Domains
Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Verwendung von expired Domains. Möchte man diese verkaufen, sollte man schnell sein, da ein täglicher Wertverlust garantiert ist. Möchte man die Domain selbst nutzen, gibt es entweder den Weg der Projektierung oder aber der 301-Weiterleitung. Viele glauben hierbei, dass Power und Trust der Domain dann zu 90% übertragen werden. Diese Faustregel lässt sich aber nur auf tatsächliche Domainumzüge anwenden. Handelt es sich um ein neues Projekt oder eine 301-Weiterleitung auf ein bestehendes Projekt, gibt es zwar einen kurzfristigen Boost, der Effekt schwächt aber schnell ab und nähert sich dem Nullpunkt stetig an.
Fazit
Insgesamt lässt sich festhalten, dass man expired Domains sehr wohl als Hebel nutzen kann, der Aufwand diese zu bekommen allerdings über und der Nutzen unter dem allgemeinen Glauben liegt.
Constantin




























Das sehe ich sehr ähnlich. Mal sollte sich auch nicht verrückt machen und in jedem Gebiet mitspielen wollen.
Sicher gibt es Perlen unter den Expired Domains, aber eine ernsthafte Chance zu haben so eine zu bekommen, benötigt sicher eine enorme Vorabinvestition.
Gerade das 301sen auf bestehende Projekte ist (heute) ziemlicher Unfug, als würde Google sowas nicht merken.
Nach meiner Meinung bekommst du nur 1 von 10 Expireds wirklich zum Laufen und das auch nur, weil man behutsam im gleichen Thema bleibt und langsam umschwänkt. Aber auch dann ist es keine Garantie. Diese Arbeit kann man sinnvoller in eine “neue” Domain stecken. Da weiss man auch um die History, was man bei vielen expireds nicht sauber verfolgen kann. Wer da nicht schon direkt an der Quelle sitzt sollte die Finger davon lassen.
Richtig. Ich frage mich aber trotzdem, auch wenn alles dagegen spricht für mich, wie ich an eine gute Domain komme. Eine mit einen PR 6 wäre schon fein. Was das jedoch kostet. Naja.
Man müsste Glück haben, wie mit dem Auto vom Nachbarn das 10 Jahre in der Garage stand. Gibt es, aber nicht einfach.
Wenn man diese Seite dann wirkungsvoll einsetzt kann diese ein Vermögen wert sein, fraglich nur wie lange das läuft. Tante Google stellt gerne solche Aktionen in Frage und zieht Konsequenzen daraus.
Exakt, danke für Dein gutes Statement Marco!
Liebe Grüße,
Constantin
Hallo,
bedenken muss man auch, dass man sich mit jeder Expired Domain auch Arbeit aufhalst. Ich würde mein Domainportfolio daher möglichst klein und exquisit halten…
Grüße
Gretus
Domainer benutzen expired Domains imho überwiegend des Domain-Parkings bzw. des Verkaufs wegen.
Bei SEOs steht meist die 301 Weiterleitung und die Projektierung im Vordergrund. Wobei bei letzterem dann wiederum Linkverkauf oder die Verwendung als Satelliten-Domain im Fokus steht.
Will man eine expDom für ein längerfristiges Projekt nutzen, würde in jedem Fall emfehlen, erst mal so viel wie möglich Seiten “stehen” zu lassen oder nach der Wayback recherchiert “nachzubauen”. Wenn nämlich zu einem Eigentümerwechsel (Registrar) -wenn G. ja mitbekommt- noch ein stärkerer Topicwechsel kommt, kann die Domain schnell abschmieren bzw. muss neu aufgebaut werden. Inhaltliche Änderungen sollte man nach meiner Erfahrung also nicht zu heftig und gleichzeitig beim Erwerb machen.
Die Sache mit der Content-History könnte man auch lösen, indem man die alte Seite kopiert. Stichpunkt “Archive.org”.
Halte ich aber persönlich für eine recht umstrittene Methode mit hoher Abmahnungs-Gefahr. Ansonsten stimmt das denke ich schon, dass man sich lieber von 0 auf um ein Projekt mit neuer Domain kümmern sollte.
Danke für den Artikel. Ich dachte schon, ich wäre der einzige, der nicht wild durch die Gegend grabbt…
Ich sehe es genau wie Gretus und Seonaut: Lieber einige, aber dafür gute, dauerhaft solide Projekte aufbauen. Nach ein bis zwei Jahren sind das gute Seiten, wenn man ein paar Wochen Arbeit reinsteckt. Aber die Zeit wollen sich viele vermutlich sparen…
Aber ich gebe zu: ich staune auch immer, was der böseSeo und mediadonis da für Schnäppchen zischen
Gruß, Martin
Hallo Martin,
über dich staunt auch regelmäßig die komplette SEO-Szene. Nachmachen kann es deswegen trotzdem keiner.
Ich glaube eh, dass dies ein fortlaufender Trend ist. Wer sich nicht auf bestimmte Gebiete spezialisiert, wird es in Zukunft schwer haben.
Liebe Grüße,
Constantin
@hansmalkow: Klar, kann man das nicht 1:1 aufsetzen. Es ging ja um die Contenttopics und die Site-Architektur. Kommt nat. auch darauf an, was mit der Domain vorher passiert ist bzw. warum sie zurück gegeben wurde
SEO-Domaining (wie ich es mal nenne) ist ein eigener Teilbereich innerhalb der gesamten möglichen SEO-Tätigkeiten. Um ihn erfolgreich auszuüben, braucht es eine Menge spezialisiertes Knowhow sowie Technik. Dazu ist es nur dann sinnvoll, wenn man mit den expired domains ein gutes Geschäftsmodell umsetzen kann.
Durch die Möglichkeit, ein vor wenigen Tagen stillgelegtes kleines Projekt sehr preiswert zu kaufen, bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Mein ursprünglicher Ansatz war, die Domain einfach via 301 auf eine andere Domain (anderes Projekt, anderer Content) weiterleiten zu lassen und somit Domainpopularität/-trust zu vererben.
Was mich beschäftigt ist die Frage a) ob dies auch negativ (im Sinne einer “bösen” Suchmaschinenoptimierung) seitens der Suchmaschinen bewertet werden kann und b) wie lange dieser Boost Effekt wohl anhalten mag. Das zu kaufende Projekt hat aktuell 163 BL, und einen PR von 4.
Was wären Eure Empfehlungen, würdet Ihr überhaupt kaufen und wenn ja zu welchem Preis.
Hallo Martin,
wie in meinem Artikel schon angedeutet, fällt eben diese Preisberechnung schwierig. Es gibt zu viele Parameter und zu viele Unbekannte.
An deiner Stelle würde ich das Projekt gar nicht kaufen, da das Vorgehen seitens Googel extrem schnell enttarnt wird. Einen negativen Effekt kann die ganuze Aktion dann haben, wenn dein aktuelles Projekt zu schwach ist, um die zusätzliche Power aufzunehmen und in die Sandbox bzw. einen Filter rutscht.
Bei deinen Bedingungen, also einem ganz anderen Content und einem Inhaberwechsel, hält der Boost – sollte es überhaupt einen geben – wohl nur sehr kurz an. Hinzu kommt: Was machen wohl die Linkquellen wenn sie merken, dass es eine Umleitung gibt?
Liebe Grüße,
Constantin
Guten Tag Constantin,
genau diese Antwort habe ich nach Studium deines Artikels auch befürchtet/erwartet. Dennoch ist es verlockend, dieses Projekt zu erwerben.
Wie würdest Du/Ihr die Stärke des Projektes messen? Welche Kriterien sind von besonderer Bedeutung? (Vor dem Hintergrund die “Power” doch vertragen zu können…) Ab welchem Verhältnis der Seiten zueinander würdest Du/Ihr einen Filter vermuten?
In mir wächst die Überlegung, das Projekt in seinem derzeitigen Entwicklungsstand online zu lassen und als Linkgebende Seite zu behalten. Bzgl. der Linkquellen mache ich mir nicht so große Sorgen, natürlich rechne ich mit einem Linkschwund vermute bzw. schätze aber, das dieser bei etwa 10-20% liegen wird.
Eine weitere Überlegung ist, ggf. ein Experiment zu wagen um Filter oder andere Effekte nebst deren Dauer zu untersuchen. Hmm…
Sehr schöner Artikel Consi und auf den Punkt gebracht. Ich denke, die Mischung machts – wobei expired Domains nicht unbedingt im Focus stehen, sondern eher als nettes “give away” betrachtet werden sollten. Es gibt noch sehr viele schön und frische Domain-Perlen wie Marco schon richtig sagt, man muß nur die Augen offen halten. Und im Zweifel gibt es noch eine dritte Alternative: Der gezielte Ankauf von themenrelevaten Projekten. Da weiß man, was man bekommt.
[...] Expired Domains für SEO nutzen [...]
Hmm. Interessanter Artikel, insbesondere im Hinblick auf die sehr “wertvollen” Domains muss ich dir Recht geben Constantin, dennoch lohnt sich meiner Erfahrung Domain Grabbing, besonders für Satelliten Seiten doch sehr. Erfahrungsgemäßg behalten ca. 50% der gegrabbten Domains ihren PR/Trust. Damit lässt sich dann durchaus Geld verdienen.
[...] von SEO-United hat vor einiger Zeit beschrieben, wie man … “Expired Domains für SEO nutzen” kann [...]
[...] Ich werde jetzt nicht zu viel ausschweifen und über Expired Domains reden [...]
Ich kaufe auch gelegentlich expired Domains, da ich sie aber nicht als Satelliten einsetze sondern anhand Type-In oder Keyword auswähle und zu eigenen Projekten ausbaue, ist mir Alter, Backlink-Anzahl und PR völlig schwuppe. Die Domain muss gut sein und Potential haben, den darauf zu präsentierenden Inhalt angemessen und zielgerichtet anzuteasern. Und manchmal ist hier eine neue Domain besser, als die 10 Jahre alte Trashdomain mit 2 Webkatalog-Einträgen und null Trust, weil Themenunrelevant.
Ich habe mal aus Neugierde vor ca. ein zwei Wochen drei solcher expired domains jeweils bis zu 5h nach dem Expire mal registriert (mit jeweils PR5 – nicht gefakt). Hab die Seiten dann mit nem WordPress aufgesetzt und mit Inhalt gefüllt (3-5 Seiten). Egal ob der Inhalt thematisch passend oder unpassend war, alle PRs sind heute weg! Klappe zu, Affe tot. Alles wieder zurück aufs Los. Also alle Mühe umsonst.
Aber ich verstehe nicht, warum der PR einer Domain weggenommen wird. Was genau löst das aus? Was soll google dagegen haben, dass der Besitzer wechselt? Wenn das Thema relevant bleibt und die Linkpopulariät bleibt, ist das doch ein Algo der das ganze berechnet. Wieso verschwindet der PR? Ich sehe darin kein Verstoß. Ist der Trust an den Besitzer gebunden? Will mir nicht in den Kopf!