Aktuell trifft sich die Torusimusbranche auf der „Weltleitmesse des Tourismus“ in Berlin. Ich war gestern selbst auf der ITB, um dort für eine Hotelkette Internet-Trends zu ermitteln und Kontakte herzustellen.
Auch wenn das Internet in vielen Unternehmen, die ihre Brötchen im Tourismus verdienen, eine wichtige Rolle spielt, gab es auf der Messe erstaunlich wenig Innovatives zu sehen. Schaut man sich den Anteil an Internetbuchungen im Vergleich zur Anzahl der Gesamtbuchungen an, steigt dieser in den meisten Unternehmen stetig. Allerdings wird dieser Anteil meist von Buchungsplattformen erwirtschaftet und nicht über direkte bzw. eigene Angebote generiert. Als Provision wandern dann zehn Prozent und mehr in die Taschen der Buchungsplattformen.
Jeden Tag eröffnen unzählige neue Communitys, Foren und Blogs ihre Pforten. Dem reiseaffinen Internetuser wird einiges geboten und auf den ersten Blick scheint die Welt in Ordnung. Hat man jedoch die Möglichkeit, ein wenig hinter die Kulissen zu blicken, bekommt man schnell den Eindruck, dass sich die klassischen Tourismusunternehmen immer mehr die Kontrolle abnehmen lassen und sich damit zunehmend zu Marionetten entwickeln.
Es gibt wenige Unternehmen, die ihr Angebot erfolgreich direkt im Internet vermarkten. Dadurch ergibt sich eine Abhängigkeit von Buchungsplattformen sowie Bewertungsportalen, welche zunehmend gefährlicher wird. Schon jetzt ist zu erkennen, dass die entsprechenden Portale die Spielregeln zu ihren eigenen Vorteilen selbst festlegen und insbesondere kleine Hotels dieser Spirale kaum noch entkommen können.
Wer diesem Spiel nicht länger aufsitzen möchte und sein Angebot selbst vermarkten will, kommt an Suchmaschinenoptimierung nicht mehr vorbei. Als unabhängiger Berater habe ich schon in mehreren Gesprächen gesessen, wo so genannte SEOs ihre Dienstleistung vorgestellt haben.
In der Regel konnte man die Meisten von ihnen schon mit leichten Fragen an die Wand treiben. Bei der Frage nach Referenzen zeigt sich schnell, wo der Hund begraben liegt. Der durchschnittliche Kunde betreibt ein Hotel mit 200 Betten, schreibt lieber Fax als E-Mail und benutzt das Internet höchstens um Fußballergebnisse zu überprüfen.
Die logische Konsequenz ist, dass es gerade für Agenturen ein Leichtes ist, Kunden zu betreuen bzw. zu gewinnen. Das Landhotel in Hintertupfingen ist schnell auf die vorderen Plätze in der Region optimiert. Später wird dann nur noch für die Beibehaltung der Platzierungen kassiert.
Umso mehr hat es mich erstaunt, dass es quasi kein Unternehmen auf der Messe gab, welches diese Barrieren durchbrechen wollte. In diesem Sektor scheinen Angebot und Nachfrage noch überhaupt nicht zusammen zu passen und es lauert ein gewaltiges Potenzial für seriös arbeitende SEO Agenturen…
Constantin





























Das wundert mich jetzt etwas, dass in der Tourismusbranche das Thema SEO noch nicht an erster Stelle steht. Aber wie du schon erwähnt hast, denke auch ich, dass SEO dort in den nächsten Jahren gefragt ist.
Hallo Andy,
angekommen ist diese Dienstleistung zwar schon, allerdings bei den falschen. Inzwischen haben sich die Dienstleister entsprechend positioniert um den Markt fest in der Hand zu haben. In einigen Bereichen ist dieser Vorsprung bereits heute kaum aufzuholen…
Liebe Grüße,
Constantin
Wir sind Betreiber eines offenen Forums für Reisebüros / Touristiker und Hersteller einer Reisebürosoftware – also einer Auftragsbearbeitung für Reisebüros.
Wir beobachten, dass quasi kein Interesse seitens der Reisebüros besteht zu Themen wie eigener Content, (SEO) optimierte Seiten, Reputation im Web, Social Networking usw. Einige wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.
Trotzdem sind wir überzeugt, dass die Reisebüros dieses Thema noch anpacken werden bzw. müssen. Ich selbst bin durch Vertrieb und Hotline unserer Reisebürosoftware viel in Kontakt mit Reisebüroinhabern. Angeführte Bedenken gegen alles Mögliche, keine Zeit, machen wir irgendwann, ich werde mit meinem eigenen Namen doch gefunden usw.. sind die gängisten Aussagen.
Bis wann SEO überhaupt ein Thema bei den Reisebüros wird, kann ich derzeit nicht absehen. Kurzfristig wird sich hier aber sicher nichts tun – die Chancen werden von den Reisebüros nicht einmal im Ansatz erkannt.
Reisebüros die den Sinn und Zweck erkennen und hier aktiv werden, hätten ein leichtes Spiel alle Mitbewerber in der näheren Umgebung in Google in die Bedeutungslosigkeit zu katapultieren. Und die Mitbewerber würden dies noch nicht einmal bemerken. Ein Eldorado – selbst für SEOs mit geringster Erfahrung.
Einziges Problem: Kein Reisebüro fängt an…
Wir tragen in unserem Forum reisebueroforum.de viele Informationen zusammen um den Reisebüros im Online-Bereich Entscheidungsgrundlagen und Anreize zu bieten. Diese Infos haben im Grunde nichts mit unserem eigentlichen Geschäft zu tun, alles ist kostenlos und völlig offen. Trotzdem geht der Rücklauf an Fragen, Lob und Tadel gegen Null.
Gruß W.Zirn – MSE-IT.de
Hallo,
es gibt kaum ein Bereich, bei dem sich SEO so sehr lohnt wie im Tourismusbereich. Gerade kleine Hotels, Ferienhäuser usw. können oft mit relativ wenig aufwand zumindest unter regional bezogenen Keywords sehr gut gelistet werden…
Grüße
Gretus
Hallo Walter,
vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Wie Gretus schon sagt, sind es inbesondere die Urlaubsdestinationen selbst, die durch wenig Arbeit schon viel erreichen können. Es reicht doch vollkommen aus, unter seiner Region gut gelistet zu sein. Und neben SEO gibt es ja auch zahlreiche weitere Methoden, die einem die Bude sprichwörtlich voll schaufeln.
Mit dem Internet hätten Hotels, Ferienhäuser usw – also die tatsächlichen Inhaber der vermarkteten Betten – die Chance gehabt, sich aus der “Klammer” der Reisebüros zu befreien und wirkliche Alleinstellungsmerkmale zu bilden. Erkannt haben dies nur wenige…
Constantin
Ich arbeite im Bereich Touristik / SEO / SEM für TUI Österreich, mache allerdings für mein Portal auch selbst die Hotelverträge mit ausgesuchten Partnern.
Das Problem ist dass die meisten Hotels wirklich Klein / Mittel / Familienbetriebe sind, zumindest in Österreich. Horrende Summen wie SEO´s sie oft verlangen rentieren sich nicht wirklich, ist doch der typische Gast des Hotels ohnehin Stammkunde. Eine Seite mit Buchungsstrecke, Schnittstelle zum Reservierungssystem + SEO / SEM ist einfach oft nicht rentabel – sprich bleibt auf der Strecke. Schade, Potential wäre hier.
Kleiner Zusatz: Klammer des Reisebüros klingt ja fast schon kriminell. Das Reisebüro verdient an der variablen Kommission und übernimmt dafür on und offline wichtige Marketingaufgaben.
Das kleine Hotel braucht sich überhaupt nicht mit Schnittstellen oder dergleichen beschäftigen, eine Telefonnummer prominent auf der Website inkl. Faxnummer und E-Mail-Adresse reicht vollkommen aus. Allerdings liegt hier auch ein weiteres Problem: Viele Agenturen denken in den falschen Dimensionen und wollen gleich die komplette Seite umkrempeln.
Liebe Grüße,
Constantin
Hallo Christoph,
sogesehen ist es auch noch nicht kriminell. Kriminell wird es dann, wenn die Reisebüros eigene Vorteile aus den daraus resultierenden Abhängigkeiten ziehen. Momentan entwickelt sich diese Abhängigkeit in noch viel größerem Maße im Onlinebereich. Und wenn die Destinationen dies erkennen, ist es zu spät…
Constantin
Hallo Constantin,
bei den Reisebüros dreht es sich nur am Rande um Ferienhäuser und Hotels.
Der Löwenanteil sind Pauschalreisen, (Business-)Flüge und mehr oder weniger viele Eigenveranstaltungen – also selbst zusammengestellte Pauschalreisen.
Relativ komplexe und beratungsintensive Produkte! Deshalb haben die ganzen Online-Pauschal-Buchungsmaschinen Probleme sich gegen die Reisebüros durchzusetzen. Ich kann mich noch gut daran erinnern als vor 10 Jahren die Internet-Blase aufgestiegen ist. Die Reisebüros hatten alle Angst, dass ab sofort jeder online bucht und keiner mehr ins Reisebüro geht. Das Gegenteil ist der Fall! Bis heute haben die großen Buchungsportale zusammen unter 20% Marktanteil bei den Pauschalreisen – und das nach 10 Jahren Interneterfahrung!
Lediglich einfachere Produkte wie Flüge, Bahnfahrkarten oder Mietwagen werden zu einem höherenAnteil gebucht – weil nicht beratungsintensiv.
Aus unserer Sicht ist das gut so und es wird auch noch eine ganze Weile dauern bis “jeder” online seine Pauschalreise bucht – wenn überhaupt.
Die Reisebüros könnten mit deren Spezialwissen, dem persönlichen Kontakt, eigenem (unique) Content und einpaar anderen Dingen locker gegen die großen Online-Vertriebe punkten. SEO ist dabei aber nur ein Baustein.
Wie oben schon erwähnt – diese Erkenntnisse werden bei den Reisebüros noch kommen. Wir versuchen in unserem Forum einen Teil dazu beizutragen.
Der einzige Hintergedanke bei uns ist “Wenn es den Reisebüros gut geht, geht es uns als Reisebürosoftware-Hersteller auch gut”. Wir von MSE-iT sind keine SEO-Agentur sondern vertreten die Interessen der Reisebüros in strategischen Bereichen.
Walter Zirn – http://www.MSE-IT.de
Der Artikel ist sehr wahr. Genau wie das Internet im Allgemeinen ist auch SEO in den Köpfen der Hoteliers noch nicht angekommen. Obwohl bereits 60% aller touristischen Aktivitäten online gebucht werden, werden immer noch fröhlich Flyer, Kataloge und ähnliches gedruckt.
Nur wenige haben bisher die Wichtigkeit von SEO in der Hotelbranche erkannt und umgesetzt.
Hallo Tine,
freut mich, dass mein Artikel so großen Anklang findet! Hoffentlich erkennen zukünftig mehr Hoteliers, wie wichtig SEO ist und lassen sich anschließend nicht über den Tisch ziehen.
Liebe Grüße,
Constantin
Daran arbeite ich