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Als auch Google sich das Recht auf Vergessen nahm!

Google  |   |  , 08:58 Uhr  |  5 Kommentare

Google LogoNachdem wir in unserem Artikel „Google demnächst komplett ohne Klatsch und Tratsch?“ bereits vor einigen Wochen darüber berichtet haben, dass es aus Sicht einer Suchmaschine gar nicht so einfach ist, bestimmte Ergebnisse mal eben so zu vergessen, zeigen Googles erste diesbezügliche Bemühungen, dass es nahezu unmöglich ist, die zu Tausenden bei Google eingereichten Anträge auf Entfernung von Ergebnissen gemäß dem europäischem Datenschutzrecht ohne größere Kollateralschäden in vollem Umfang zu berücksichtigen…

Wie Thomas Kaiser in seinem gestern auf forecheck.com veröffentlichten Artikel „Google’s problematic Right to be forgotten algorithm“ erklärt, gibt es bereits jetzt zahlreiche „Fehler“ bei der Entfernung bestimmter Ergebnisse durch Google. Da die Namen bestimmter Personen sehr oft gleich bzw. ähnlich sind, zeigt Google bei diversen Suchanfragen bereits jetzt einen Hinweis auf „möglicherweise“ hier entfernte Ergebnisse an, obwohl dieses mit ziemlicher Sicherheit gar nicht so der Fall ist.

Thomas Kaiser nennt diverse Beispiele der „fehlerhaften“ Entfernung bestimmter Ergebnisse, unter anderem die zahlreicher Politiker des Europäischen Parlaments. Sucht man beispielsweise nach der aus Großbritannien stammenden Politikerin Margot Parker, zeigt Google, ob zu Recht oder nicht ist schwierig zu beantworten, einen Hinweis auf bezüglich dieser konkreten Suchanfrage möglicherweise bereits entfernte Ergebnisse an. Sucht man weiter nun nach Margit Parker, Margot Park, Maggie Parker oder unzähligen anderen „ähnlichen Versionen des Namens Margot Parker„, zeigt Google diesen Hinweis, obwohl dieses natürlich auch komplett andere (!) Namen sind, immer noch an:

Maggie Parker

Wie Thomas Kaiser in seinem Artikel berichtet, habe ihm ein Mitarbeiter von Google erklärt, dass es aus Sicht einer Suchmaschine überhaupt keinen Sinn machen würde, für bestimmte Namen irgendwelche Ergebnisse bzw. Inhalte immer wieder neu zu entfernen. Namen seien einfach sehr oft ähnlich, man könne nicht immer haargenau zwischen den Vor- und Nachnamen einzelner Personen unterscheiden und auch sonst würde die Entfernung bestimmter Ergebnisse in vielen Fällen eher einen befremdlichen Eindruck auf den Suchenden machen:

Matt Cutts, the noted head of the Google web spam team, told me: „Note that we show the notice for queries that look like names in Europe.“ This sounds as if a name is similar to one in which there had been a request for removal, then this statement will appear at the bottom of the list. However, it still looks strange. (Quelle)

Da es aus technischer Sicht wahrscheinlich bald bei nahezu jedem Namen bzw. womöglich sogar jedem Begriff einen entsprechenden Hinweis auf irgendwie bezüglich dieser Anfrage irgendwo gelöschter Ergebnisse in Suchmaschinen geben wird, stellt sich einmal mehr die Frage, ob man aus Sicht des Europäischen Gerichtshofs damit richtig gelegen hat, die Betreiber bekannter Suchmaschinen gerichtlich dazu zu zwingen, nicht einfach nur mehr Informationen zu „verwalten“ sondern diese fortan auch zu „vergessen“ bzw. damit ja irgendwie auch zu „verändern„?

Larry Page, einer der beiden Gründer der Suchmaschine Google, hat sich bezüglich dieser Frage kürzlich in einem Interview mit der New York Times geäußert. Auf die Frage nach dem „Recht auf Vergessen aus Sicht einer Suchmaschine“ antwortete er:

„Right to be forgotten.“ You can’t forget, but you can be forgotten. I think in general the issues about how you might be represented online when people search for you is an important issue. To date, we’ve said we’ll try our best to represent the things that are out there on the Internet about you. It’s worked for 15-plus years. It makes a lot of sense. We’re a search engine. It seems like we should represent what’s in the world.

So it was a pretty surprising ruling – it’s a different statement. You guys are now in charge of editing what’s out there in the world. In the past that’s not a responsibility we felt we had. I think given that’s the ruling, we’ve obviously said we’re going to start complying with that. We’re going to start removing some stuff pretty quickly – I think in the next week. We’re obviously going to try to do the best job we can. (Quelle)

Google vs. EuGH

Wem die Spitzfindigkeit der Aussagen von Larry Page ein wenig vertraut sind, der wird aus seinen Worten erahnen, was die Entfernung von bestimmten Suchergebnissen nicht durch Google selbst sondern letztlich durch ein Gericht für Folgen für die europäische Suche von Google mit sich bringen könnte:

Wenn Google Tausende Ergebnisse anderer Webseiten aufgrund eines Urteils des EuGHs entfernen muss, wird man Google zukünftig nicht mehr gerichtlich dafür belangen können, wenn der Konzern eigene Webseiten bzw. Dienste in seinen Ergebnissen der europäischen Suche priorisiert darstellt bzw. sogar bevorzugt. Wenn man etwas auf Druck von anderen „vergessen“ muss, dann sollte man sich selbst nicht auch noch „dämlich“ hinten anstellen müssen deswegen! Das ist doch wohl logisch oder etwa nicht?

Eure SEO-united.de Blogger
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Kommentare zu Als auch Google sich das Recht auf Vergessen nahm!:

  1. […] Weitere interessante Informationen zu dem Thema erhält man auf seo-united.de. […]

  2. Justin sagt:

    Verrückt, dass Google sich dagegen nicht mehr wehrt, es scheint wohl rechts aussichtslos zu sein, sich gegen dieses europäische Urteil zu wehren.
    Wie dem auch sei, ich bin gespannt wie die Änderungen im Endeffekt aussehen und wie sich das ganze einpendeln wird.

  3. Dominik Hofrichter Website sagt:

    Ich finde, das Urteil ist eine Ohrfeige für Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit und Pressefreiheit. Dass Google als „Verlag“ interpretiert wird, zeugt nur einmal mehr davon, dass Richter und andere internet-fremde Personen keine Ahnung von der Materie haben und / oder schlecht beraten wurden. Allerdings hätte ich von Google auch ein wenig mehr Gegenwind erwartet…

  4. Gretus Website sagt:

    Hi Thomas,

    diesen unter http://www.google.de/policies/faq/ so lapidar dahingesagten Satz „Wir zeigen diesen Hinweis in Europa bei der Suche nach den meisten Namen an und nicht nur bei Seiten, die von einer Entfernung betroffen sind.“ wollte ich eigentlich auch noch irgendwie im Artikel mit unterbringen #lol

    Das Ganze ist tatsächlich hochbrisant. Der Artikel sollte tatsächlich zunächst auch „Wollen Adam und Eva wirklich vergessen werden?“ heißen. Wenn zum Beispiel Adam Sandler oder auch Eva Herzigová demnächst hier Ihre Ergebnisse selektieren, müsste Google da gehörig aufpassen. Was passiert mit Leuten die genauso heißen wie bereits verstorbene Personen, was mit denen die gleich unter mehreren Namen bekannt sind bzw. gesucht werden, und, und, und?

    Mit dem EuGH Urteil haben wir keine objektiven Suchmaschinen mehr hierzulande, denn jeder mit etwas Ahnung kann wie wild an den Ergebnissen und damit auch dem Recht nach Informationsfreiheit rumdrehen. Kein Wunder, dass Google jetzt auch am Rad dreht und an anderen Stellen vornehmlich nur noch in die eigene Tasche wirtschaftet. Was sollen die sonst auch machen, für sowas am Ende auch noch draufzahlen?

    Grüße

    Gretus

  5. Thomas Kaiser sagt:

    Update: Google hat offiziell in seinen FAQ erklärt, dass Google bei allen Namen diesen Hinweis einblenden will, siehe http://www.google.de/policies/faq/

    Wir zeigen diesen Hinweis in Europa bei der Suche nach den meisten Namen an und nicht nur bei Seiten, die von einer Entfernung betroffen sind.

    Ziel ist es, es möglichst zu erschweren, herauszufinden, was nun konkret gelöscht wurde. Danny Sullivan erklärt es in seinem Beitrag hier detailliert.

    Dennoch muss man den Vorwurf machen, warum Google nicht erst die Namensdatenbank erstellt hat, und dann diesen Hinweis einblendet. Derzeit kann dieses Einblenden gerade für die, die einen ungewöhnlichen Namen haben, zum Problem werden.

    Rand Fishkin sagte zu mir, dass seine Frau Geraldine Deruiter, bei der ja zumindest bei der Suche in der EU der Hinweis kommt, bei einer Jobsuche in der EU die Frage gestellt bekäme, warum bei Ihr „möglicherweise“ Ergebnisse entfernt wurden.

    Jeder Arbeitgeber recherchiert doch nach Bewerbern im Netz. Selbst wenn man erklären kann, dass der Hinweis bei vielen Namen derzeit eingeblendet wird, hinterlässt es einen „Beigeschmack“.

    Ich glaube nicht, dass den Leuten bei Google bewusst war, welchen Nebeneffekt diese Vorgehensweise hat. Wenn so etwas aber in das Leben von Menschen eingreift, ist das nicht in Ordnung. Ich kann Google verstehen, dass die diesen Hinweis unbedingt wollten. Der wäre ja nicht nötig gewesen und die ganze Diskussion wäre überflüssig, wenn Google diesen Hinweise nicht eingebaut hätte. Aber es ist klar, dass Google darauf besteht, um genau diese Diskussion zu entfachen. Es ist klar, dass wir hier erst am Anfang stehen und Google fürchtet, dass hier ein Fass ohne Boden geöffnet wird.

    Vielleicht klagt demnächst ein Unternehmen gegen ungewollte Suchergebnisse. Letztlich muss Google jeden Einzelfall sorgfältig prüfen (was für ein Aufwand) und dann die richtige Entscheidung treffen. Da die Publisher auch informiert werden, siehe dazu hier, besteht die Gefahr, dass diese sich gegen eine Entfernung wehren. Denn jeder einzelne Fall kann eine Gratwanderung sein. Das ist bereits jetzt ein Faß ohne Boden für Google.

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