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Interview mit Peter Norvig

Google  |   |  , 14:27 Uhr  |  4 Kommentare

Peter Norvig, angeblich per Fernstudium zum heutigen Direktor der Forschungabteilung bei Google avanciert, hat dieser Tage ein Interview  für Technology Review (TR) gegeben. Da einige Passagen sehr interessant, haben wir das Interview einmal für Euch ins Deutsche übersetzt:

Technology Review: Google hat viele innovative Produkte, aber die Art und Weise der Google Suche hat sich in den letzten 10 Jahren kaum geändert. Warum?

Peter Norvig: Wir haben mit der Google Suche genau das, was der Nutzer möchte. Und wir waren nicht die ersten, denken Sie an Excite und den Suchmaschinen davor. Sie haben ein Eingabefeld und erhalten eine Liste mit 10 Ergebnissen, ein paar kurze Informationen dazu, fertig. Diese Simplizität ist uns Erfolg.

TR: Was hat sich in den Jahren generell geändert?

PN: Das Ausmaß, es gibt wahrscheinlich tausend Mal mehr Informationen wie zu unseren Anfängen. Damals bestand das WWW fast nur aus Webseiten, heute sind es Videos, Bilder, Blogs und zahlreiche andere Arten von Medien und Formaten. Auch die Erwartung unser Nutzer hat sich geändert. Als ich angefangen habe, haben wir den Index nur einmal im Monat aktualisiert. Wir dachten damals eher an eine Art Bibliothek, eine langfristige Sache. Jetzt begreifen wir unsere Suche eher als Momentaufnahme. Unsere Nutzer möchten aktuelle Nachrichten schon nach wenigen Minuten abrufen können, nicht erst nach Tagen oder Wochen.

TR: Sie behaupten, die Qualität der Suchergebnisse von Google ist sehr gut. Woher nehmen Sie diese Erkenntnisse und was machen Sie, um die Ergebnisse noch besser zu machen?

PN: Wir testen es in vielfältiger Form. Zum einen verfolgen wir auf was die Suchenden klicken. Wenn Sie auf die Webseite auf Position 1 klicken und danach nicht weiter suchen, bedeutet dieses wahrscheinlich, dass sie gefunden haben was sie wollten. Wenn unsere Nutzer nach unten scrollen, weiterblättern oder die Suchanfrage neu formulieren, entsprechen die Ergebnisse nicht ihren Erwartungen. Darüber hinaus engagieren wir Menschen, die uns für definierte Suchanfragen die Ergebnisse bewerten. Es sind verschiedene Firmen, welche wir beauftragen. Wir schulen diese, damit sie Spamseiten und andere schlechte Ergebnisse erkennen können. Diese Ergebnisse lassen wir dann als eine Art `Qualitätssiegel´ mit in unsere Bewertung einfließen, was uns natürlich nicht bei allen Seiten möglich ist. Auch führen wir Versuche durch, beobachten z.B. Nutzer bei uns oder zuhause, analysieren wie und was sie genau suchen.

TR: Unternehmen wie Ask und Powerset prophezeien, dass die Suche immer sprachorientierter wird und Menschen zukünftig eher mit ganzen Sätzen als mit nur einigen Keywords suchen werden. Wie geht Google damit um?

PN: Uns ist es wichtig, zunächst einmal daran zu arbeiten, dass jedes einzelne Wort genau die Ergebnisse liefert, die sich der Nutzer wünscht. Wir glauben nicht wirklich, dass es ein großer Fortschritt ist, einen Satz in eine Suchmaschine eingeben zu können. Wenn Sie beispielsweise die Frage `Was ist die Hauptstadt von Frankreich?´ eingeben, werden Sie keine besseren Ergebnisse erhalten wie bei der Eingabe `Hauptstadt Frankreich´. Einzelne Begriffe richtig zuordnen zu können ist viel wichtiger. `New York´ ist z.B. anders als `York´, `Vegas´ aber im Prinzip das Gleiche wie `Las Vegas´ und `Jersey´ kann, muss aber nicht das Gleiche sein wie `New Jersey.´ Das ist der Schwerpunkt unserer Arbeit. Wir arbeiten fokusiert an der richtigen Zuordnung von Begriffen bzw. Phrasen, nicht an der von ganzen Sätzen. Wir sind der Meinung, es ist in erster Linie wichtig, die Qualität der Ergebnisse zu verbessern, nicht die Eingabemethoden…

TR: Inwieweit wird sich die personalisierte Suche durchsetzen?

PN:Wie versuchen diese auf unterschiedliche Art und Weise zu integrieren. Ein gutes Beispiel ist die Zuordnung von ortsspezifischen  Nachrichten. Hier funktioniert die Zuordnung sehr gut. Außerdem speichern wir die Suchen der einzelnen Nutzer und vergleichen sie miteinander. Wir sind auf einem guten Weg, die personalisierte Suche auf das gesamte Web zu übertragen ist jedoch nicht leicht…
 
TR: Wo sehen Sie die Google Suche in 2 bis 5 Jahren?

PN: Man wird überall auf der Welt zu jeder Zeit nach vielen verschiedenen Inhalten suchen können. Wir arbeiten natürlich weiter an sprachbasierten Neuerungen oder der Verknüpfung mit dem Handy. Wir möchten unseren Nutzern zu viel Arbeit abnehmen wie nur möglich. Er soll nicht länger entscheiden müssen, ob er nun nach Texten, Bildern oder z.B. Videos suchen möchte. Deswegen arbeiten wir schon jetzt daran, die große Vielfalt der Medien den Bedürfnissen unserer Nutzer entsprechend zu ordnen und zu selektieren…

Gretus

Sie befinden sind hier: Interview mit Peter Norvig

Kommentare zu Interview mit Peter Norvig:

  1. Constantin says:

    Der Originalbeitrag ist oben im Beitrag bereits verlinkt. Allerdings wird erstmal eine Werbeseite eingeblendet, die man überspringen muss.

  2. Saladin says:

    wo kann ich den original Beitrag lesen auf englisch? Würde mich stark interessieren

    LG aus Hamburg

  3. Paul says:

    Sehr interessanter Inhalt, aber sollte der Satz in der letzten Antwort nicht so heißen: „Man wird uns überall auf der Welt zu jeder Zeit immer finden, egal wo, vielleicht auch bei Ihrer Frau im Bett!“

    Mfg

  4. Interview mit Peter Norvig auf Deutsch » Beitrag » Freeware-Blog says:

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