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Urteil gegen Google – Interview mit PsykoMaN

Google  |   |  , 10:51 Uhr  |  40 Kommentare

Kürzlich hat der Künstler Thomas Horn vor dem Landgericht in Hamburg eine Klage gegen den Suchmaschinenbetreiber Google gewonnen. Google ist es nicht länger gestattet, die Bilder des Künstlers in der Bildersuche aufzuführen. Das Urteil hat für viel Aufsehen gesorgt, könnte es doch das Ende für die Google Bildersuche bedeuten. Thomas Horn hat sich bereits erklärt, SEO-united.de ein Interview zu geben…

H. Hemken: Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich zu einem Interview bereit erklärt haben. Wer sind Sie und was machen Sie?

T.  Horn: Ich lebe seit 1969 in Hamburg und habe Einzelhandelskaufmann für Mode gelernt. Nach meiner Lehre habe ich 9 Jeansläden als Verkaufsleiter betreut und war Einkäufer und Personalchef bei Jean Pascale. Mit dem Inhaber zusammen, habe ich die Shops konzipiert und erfolgreich eingeführt.

Seit 1984 bin ich selbstständig und habe in Italien „Domani“ Kollektionen produziert. Seit 1992 kreiere ich hauptsächlich T-Shirt Kollektionen und arbeite mit anderen Künstlern zusammen. Seit 1994 mache ich zusammen mit einem Freund PsykoMaN. Von mir und meinem Freund Csabi stammen viele bekannte T-Shirt-, Spruch- und Funmotive, It`s cool Man, Pudel u.v.m. Das Pudel Motiv wird mittlerweile weltweit gefakt, sogar von Puma. So ist die Welt, überall Rechtsanwälte die mitreden und mit abkassieren wollen.

H. Hemken: Sie haben vor einigen Tagen vor dem Landgericht Hamburg einen Prozess gegen den Suchmaschinenbetreiber Google gewonnen. Gegen was haben Sie konkret geklagt?

T.  Horn: Google, Telekom, Freenet und AOL hatte ich aufgefordert, meine PsykoMaN Bilder aus der Bildersuche zu entfernen. Google + Co. haben dieses abgelehnt, lediglich Freenet hat später die Ergebnisse unter PsykoMaN komplett gelöscht. Klage habe ich schlussendlich eingereicht, weil die Anwälte der Multis nicht wahrhaben wollten, dass ich lebe und mir die  PsykoMaN Comicdarstellungen tatsächlich gehören.

H. Hemken: Für viele überraschend, haben Sie die Verhandlung gewonnen. Haben Sie selbst damit gerechnet, mit Ihrer Klage durchzukommen?

T.  Horn: Ja, denn das weltweit gültige Urheberrecht schützt uns Kreative. Google hat bereits 2003 einen Prozess in Hamburg verloren. Dieses ist den meisten aber unbekannt, da Google sich wohl seinerzeit heimlich mit dem Kläger geeinigt hat, zur Hauptsacheverhandlung ist es nämlich nie gekommen. Google Deutschland wurde danach im Handelsregister Hamburg abgemeldet und später erneut angemeldet, dieses Mal mit einem anderen Geschäftsfeld,  nur noch zur Werbeaquise für die Google Inc. USA. Somit konnte ich auch nicht gegen Google Deutschland, sondern nur gegen Google Inc. USA klagen.

Die Google Anwälte sind schon „tricky“ und „abgezockt“. Das Urheberrechtsgesetz gewährt den Urhebern Rechte zweierlei Art. Zum einen sind es Vermögensrechte, d.h.  die eigenen geschützten Werke auf verschiedene Art und Weise zu nutzen oder nutzen zu lassen. Üblicherweise gestattet der Urheber dieses dann nur gegen Zahlung eines entsprechenden Honorars, so dass er am Erlös aus sämtlichen einzelnen Nutzungsarten angemessen beteiligt ist. Darin liegt das materielle Interesse des Künstlers.

Zum anderen gibt es ideelle Rechte, die sicher stellen, selbst zu bestimmen, ob, wie, wann und in welcher Form z.B. eine PsykoMaN Darstellung an die Öffentlichkeit gelangt, sich vorzubehalten, ob und in welcher Form diese verändert werden darf, es unter eigenem Namen oder unter einem Pseudonym erscheinen zu lassen, sowie das Recht, sich gegebenenfalls von dem „Werk“ zu distanzieren, wenn es nicht mehr seiner Überzeugung entspricht. 

H. Hemken: Laut Urteil ist es Google nun nicht länger gestattet, Ihre Bilder in der Bildersuche anzuzeigen. Wurden die Bilder bereits entfernt?

T.  Horn: Nein. Google ignoriert die Gesetze und respektiert die Künstlerrechte nicht. Gleichzeitig hat bekanntlich auch noch der Fotograf  Michael Bernhard geklagt und ebenfalls gewonnen. Da kommt meines Erachtens noch mehr auf Google + Co. zu. Ich hoffe, dass die Comicverbände, Künstlerverbände, Buchautoren und weitere Künstler ihre Rechte endlich wahrnehmen und auch durchsetzen. Irgendwann läuft das Fass über. Allerdings wollen die meisten Künstler mit Juristen und Gerichten nichts zu tun haben. Die Feingeistigen empfinden die Wortklauber und Sinnverdreher eher als ein Geschwür und leben lieber in ihrer eigenen Welt.

H. Hemken: Entscheidend für das Urteil war die Verletzung Ihrer Urheberrechte. Hatten Sie auch konkrete Nachteile durch die Listung Ihrer Bilder?

T.  Horn: Konkrete Nachteile hatte ich definitiv. Ich war verwundert und konnte es nicht glauben, dass der Verkauf von z.B. Postern seit 2002 extrem zurückgegangen war. 2002 konnten wir für 30.000 Euro Poster verkaufen, 2004 waren es dann nur noch 2000 Euro. In diesem Jahr entdeckte ein Freund Anzeigen mit PsykoMaN- Handybildern in der Computer Bild sowie der TV Digital welche nicht von mir waren.

Im Internet über die Bildersuche von Google waren 52000 PsykoMaN Anbieter angegeben. In den USA, England, Frankreich, Japan u.v.m. wurden PsykoMaN Poster angeboten für die niemand eine Lizenz erhalten hatte. Da wusste ich was die Stunde geschlagen hatte und einiges wurde mir klar.

H. Hemken: Auf der anderen Seite gibt es mit Sicherheit auch Künstler, welche durch die Verbreitung Ihrer Werke im Internet profitieren. Sehen Sie da genauso?

T.  Horn: Mag sein, meine Erfahrung ist jedoch eine andere. Ich habe noch keinen Künstler kennen gelernt, der über das Internet wirklich Geld verdient hat. Ich weiß z.B. aus der Fashionszene, dass Designer alles dran setzen, Vorlagen für Motive vor der Veröffentlichung im Internet zu schützen.

Ein gutes Beispiel ist da die „Gorilla“ Kollektion aus Kopenhagen, diese basiert ausschließlich auf aus dem Internet geklauten Motiven. Der Inhaber von Gorilla hat sein Geschäft nach einem Jahr für 1 Millionen Euro verkauft und lebt jetzt in den USA. Da können Sie nichts machen.

Wenn man als Künstler sein Recht einklagen will, hat man schon in Europa große Probleme und kann selbst mit einem Koffer Geld nichts erreichen. Ich habe festgestellt, dass in dem Moment wo ein Motiv von mir im Internet steht, der Verkauf quasi tot ist. Nehmen Sie bekannte Marken wie Dolce&Gabbana, da muss man gar nicht mehr aus dem Haus, um die neuesten Motive und Ideen zu bekommen. Schauen Sie auch an was bei den Musikern passiert. Klasse finde ich es wie es AC/DC gemacht haben. 5 Jahre abgewartet, iTunes boykottiert und in 12 Minuten alle Konzertkarten verkauft.

H. Hemken: Es gibt bestimmte Methoden (robots.txt etc), mit welchen man die Inhalte einer Webseite vor der Indexierung durch Google sperren kann. Wie konnten Sie sich gegen dieses mit Sicherheit von Google angebrachte Argument zur Wehr setzen?

T.  Horn: Ich habe nie eines meiner Motive ins Internet gestellt und auch nie jemanden dafür die Erlaubnis erteilt. Meinen Lizenzpartnern habe ich verboten PsykoMaN Motive ins Internet zu stellen. Jetzt lese ich in verschiedenen Blogs, dass selbst wenn die robots.txt genutzt wird, der Inhalt der Seite trotzdem ins Internet gelangt. Rechtlich ist die robots.txt auch ein unverbindliches Angebot wie man mir sagte.

H. Hemken: In der Tat hat nie ein Webseitenbetreiber sein Einverständnis gegeben, dass Google dessen Inhalte indexieren darf. Sind Sie sich der möglichen Auswirkung Ihrer Klage bewusst? Sie könnten den Anstoß dazu gegeben haben, einem Milliardenunternehmen dessen Fundament, sprich unser aller Inhalte zu entreißen?

T.  Horn: Das glaube ich nicht. Google hat es selbst in der Hand und auch die Technik um „sauber“ zu arbeiten. Das Unternehmen könnte ohne weiteres die Künstler an der Vermarktung ihrer Werke beteiligen. snap.com und orange.co.uk z.B. nutzen heute schon technische Lösungen um einfaches Downloaden von Bildern zu verhindern.

Momantan gibt aber Google den Takt vor. Solange Google die Künstlerrechte nicht respektieren will, können die zur Zeit noch konkurrenzfähigen Bildersuchen von Yahoo und MSN auch nicht anders, da die Bestätigung des Urteils aus Hamburg, also die Klage bis zum Bundesgerichtshof noch fünf Jahre dauern kann. Danach kann theoretisch noch das Verfassungsgericht und der Europäische Gerichtshof bemüht werden.

Die Gerichtsbarkeit hechelt dem digitalen Zeitalter hinterher. In Hamburg haben es die Richter immer schwerer, weil der Justizminister Personal verweigert. Das weiß Google, darauf setzt Google.  Google hat ja auch ein Politikbeeinflussungskonto angelegt. Das „Schmieren“ geht heute mit Beraterverträgen und gut bezahlten Gutachten. Verlockend sind auch Sitze im Vorstand. Die Politiker machen die Gesetze, sehen zu dass Sie was vom „Kuchen“ abbekommen.

Es gibt einen Spruch: Ehrlich währt am Längsten und letztendlich wird Google den kürzeren ziehen, wenn sie so wie bisher weitermachen und aus allen Ländern der Welt den Inhalt von Rechteinhabern klauen und rechtswidrig vermarkten. Wer lässt schon diesen immensen volkswirtschaftlichen Schaden den Google ausübt auf dauerhaft auf sich sitzen? „Don` t be Evil“ war am Anfang. Mittlerweile strebt Google das weltweite Monopol an. Das was ich in diesem Moment schreibe steht später  weltweit im Netz und wird gespeichert. Big Brother is watching you.

H. Hemken: Sie klingen sehr überzeugt. Es könnte durchaus sein, dass Google auch in Ihrem Fall eine außergerichtliche Einigung anstrebt. Würden Sie sich darauf einlassen?

T.  Horn: Nein, Google und deren Anwälte haben extrem ehrverletzend und menschenverachtend gehandelt. Sicherlich hätte man sich vorgerichtlich mit meinem Freund und mir einigen können.

Die Welt besteht nicht nur aus Google. Meine Klage zeigt, dass in Deutschland das Rechtssystem noch funktioniert und die Gesetze greifen. David kann gegen Goliath bestehen. Die Politik sollte nicht fortwährend Richterstellen streichen und die Prozesskostenhilfe reduzieren. In Hamburg hat die Urheberrechtskammer große Probleme, sie hat einfach zu wenig Richter. Bei den anderen Kammern sieht es genauso aus, Verfahren dauern deshalb oft Jahre.  Die Staatsanwaltschaft in Hamburg hat für Wirtschaftsangelegenheiten 3,5 Planstellen für 2 Mio. Einwohner. Die Politik scheint zu wollen, dass Wirtschaftskriminalität nicht bekämpft wird.

Aber zurück zu Ihrer Frage. Wenn ein korrekter Unternehmer mir einer kreativen Programmierercrew sich bei mir melden würde kann man über alles reden. Ich bin überzeugt, dass Künstler sich nicht mehr verweigern, wenn diese über ein Beteiligungsmodell an den Einnahmen profitieren. Ein Modell wie die Gema für Musiker könnte es sein.

H. Hemken: Als Befürworter unseres Rechtssystems bin ich der Meinung, dass Klagen wie Ihre notwendig sind und Unternehmen wie Google ihr Handeln immer wieder vor Gericht rechtfertigen müssen. Ich wünsche Ihnen alles Gute und bedanke mich für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen.

T.  Horn: Ich danke Ihnen dafür, das Sie mir die Möglichkeit gegeben haben, mich hier äußern zu dürfen und würde mich freuen, wenn Ihre Leser mich zumindest teilweise verstehen. Bildersuchen stehen nicht vor dem Aus, sie werden besser davon bin ich überzeugt.
 

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Kommentare zu Urteil gegen Google – Interview mit PsykoMaN:

  1. Interview mit dem Kläger gegen Google: SuMa Blog sagt:

    […] Das komplette Interview bei Seo-United […]

  2. Ryo sagt:

    Lol, weckt mich jemand wenn der Typ im 21. Jahrhundert angekommen ist?

  3. Gilly Website sagt:

    Kinners, habt ihr schon mal von .htaccess gehört?!

  4. […] der letzten Ausgabe motivierte mich allerdings ob der hanebüchenen Darstellung der Causa PsykoMaN zu meinem ersten Leserbrief, und zwar als Reaktion auf diese Kolumne […]

  5. […] SEO-United gibt’s ein ausführliches und unbedingt lesenswertes Interview mit Künstler und […]

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