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Robert Basic – Hey, das bin ich

Bloggen  |   |  , 08:51 Uhr  |  24 Kommentare

Mit wahrscheinlich einem der am meisten kommentierten Beiträge überhaupt (300 Kommentare) hat Robert Basic, einer der bekanntesten Blogger im deutschsprachigen Raum, den Verkauf seines Weblogs angekündigt. Wir von SEO-united.de hatten die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen…

H. Hemken: Zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast. Ich gehe davon aus, dass die meisten unserer Leser Dich kennen. Wie würdest Du Dich den wenigen, welche noch nie von Robert Basic gehört haben, mit drei Sätzen vorstellen?

R. Basic: Ein ganz normaler Mensch, zweifacher Papa und im Web ein Blogger. Darf ich es bei einem Satz damit belassen, reicht doch.

H. Hemken: Bevor wir auf den geplanten Verkauf Deines Weblogs zu sprechen kommen, würde mich interessieren, wie der Alltag eines Robert Basic aussieht bzw. ausgesehen hat. Wie viel Zeit hast Du täglich mit dem Bloggen verbracht, wie viele Anschläge tippst Du in der Minute?

R. Basic: Öhm, Anschläge pro … für mich viel, für andere wenig 😀 Die Zeit mit der Bloggerei ist schwankend. Mal sind es mehrere Stunden, dann wieder fast null. Gerade am Wochenende geht das dramatisch runter.

H. Hemken: Basic Thinking ist der bekannteste Weblog Deutschlands. Wie viele Besucher hat Dein Blog, kann man mit Bloggen sein Geld verdienen?

R. Basic: Laut Statcounter.com waren es letzten Monat 185.000 Unique Visitors und 254.000 Page Impressions. Auf Jahresebene 2008 waren es knapp unter 2,5 Mio UVs und 3,6 Mio PIs.

Verdienst? Meine nicht kommagenauen Schätzungen gehen – sitze nämlich gerade an Umsatzsteuererklärung fürs Jahr – in Richtung 37.000 Euro. Davon gehen rund 7.000 Euro für Linkverkäufe über Linklift und Teliad ab. Der „Rest“ sind Werbeumsätze über Direktbannerkunden. Die Linkverkäufe betone ich deswegen so explizit, da sie Mutter Google nicht gefallen haben, so dass die Domain annahmegemäß an Pagerank verlieren durfte (von 6 auf 4?). Hatte aber die Linkverkäufe nie unterbunden, trotz Strafmaßnahme, da ich Googles Haltung dahingehend nicht leiden kann. Wir Blogger verlinken wie doof, die kassieren auch auf Basis unserer Arbeit. So läuft das nicht 😉

H. Hemken: Gestern hast Du Dich völlig überraschend für den Verkauf Deines Weblogs entschieden. Wie lange spielst Du schon mit dem Gedanken, Deinen Blog zu verkaufen bzw. etwas Neues anzufangen?

R. Basic: Eigentlich trage ich mich schon eine Weile damit herum. Es hat wohl mehrere Gründe. Der Hauptgrund dürfte das schleichende Gefühl sein, in einen Trott verfallen zu sein. So eine merkwürdige Art aus Zusammenspiel zwischen mir, dem Blog und den Lesern. Und Schicht um Schicht kumulieren sich die Blog-Tage zu einem Brei aus wohliger Routine.

Sowas wäre ein Fall für Manager, die von ihrem Naturell her ein Projekt noch weiter nach vorne peitschen, das Letzte an Perfektion herausholen wollen. Das ist aber nix für mich. Ich mag weder Perfektion noch Maximieren. In der Wirtschaft nennt man das wohl Kaizen. Das schrittweise Verbessern von jedem noch so kleinem Schräubchen. Wenn ich aber das Gefühl habe, da kommt nix mehr grundsätzlich Neues, ist eben Sense mit dem wohlig-kuscheligen Dasein. Neues Abenteuer, was Neues bauen. Irgendwo im Niemandsland.

H. Hemken: Basic Thinking hat sehr viele Stammleser. Wie würdest Du einem echten `Fan´ Deine Entscheidung den Blog zu verkaufen begründen?

R. Basic: Come on, Stammleser wissen, dass es sowas wie Fans nicht gibt bei mir. Ich bin weder oben noch unten, bin weder Pseudovip noch Vorbild. Ich denke, also liege ich falsch, manchmal auch nicht, ich menschel, also bin ich ein Mensch, mal ein Besserer, mal ein Schlechterer. Ganz einfach.

H. Hemken: Einige Experten sind der Ansicht, dass das klassische Bloggen gegenüber Microblogging via Twitter etc. immer mehr an Bedeutung verliert. Bist Du der gleichen Ansicht, rührt der Verkauf vielleicht daher?

R. Basic: Ich finde beide Kommunikationswerkzeuge ideal geeignet, um sich ausdrücken zu können. Jedes auf seine Art eben. Und je nach Naturell des Menschen wird das eine oder andere Werkzeug intensiver genutzt.

Vieles spricht dafür, dass Twitter mehr der natürlichen Ausdrucks- und Verarbeitungsbereitschaft von Eindrücken entgegenkommt, wenn es um das Minimieren von physischen Zuckerverbräuchen geht 😉 140 Zeichen sind nun einmal energiesparend.

Vieles spricht aber auch dafür, dass Blogs der Neigung zur ausführlicheren und komplexeren Beschäftigung mit unserer Umwelt entgegenkommen. Hammer, Schraubenzieher oder Bohrer? Man kommt nicht ohne die drei Werkzeuge aus. Manchmal brauchst Du unbedingt den Hammer, manchmal eher den Bohrer oder Schraubenzieher. Warum sollte es im übertragenen Sinne mit Foren, Microblogging und Blogging anders sein?

Wir werden lernen, die richtigen Werkzeuge zu nutzen. Je nach Lage. Verlieren wird sich damit eher eine Überbewertung von Werkzeugen zu Lasten anderer Werkzeuge. Wo die Blogs die letzten rund fünf Jahre den Ruhm ernten durften, darf auch mal ruhig ein neues Werkzeug aufs Podest. Langfristig pendelt sich das je nach kulturell bestimmten Habitus ein.

H. Hemken: Was würdest Du einem genau jetzt startenden Blogger mit auf dem Weg geben, was macht den Erfolg eines Weblogs aus?

R. Basic: Sich für ein Thema begeistern zu können und wie ein Terrier festbeißen. Und loslassen, wenns verkrampft 😉

H. Hemken: Wir kommen gleich noch auf Deine Zukunftspläne zu sprechen. Wie wirst Du in fünft Jahren auf die jetzt bald endende Zeit als `Deutschlands Blogger Nr. 1´ zurückblicken?

R. Basic: Ich werde meinen Enkeln davon in 20 Jahren berichten können, dass Opa mal so ein oller Blogger am einem ollen PC war, der locker 5 Kilo wog. Und riesengroß war. Die Enkel werden mich mit großen Augen anschauen und sich scheppich lachen, „Opa, erzähl uns mehr von diesen Monsterkisten“. Und Opa wird ihnen die Zukunft erzählen 😀

Hey, das bin ich. Solange ich mich nicht zu alt fühle, schaue ich nach dem, was vorne um die Ecke kommt. Was hinten liegt, ist vergangen. Auch wenns ein Teil von mir bleiben wird.

H. Hemken: Der Verkauf eines Weblogs gestaltet sich nicht unbedingt einfach. Wird der Blog genauso wie er jetzt ist verkauft?

R. Basic: Ja, mit wenigen Ausnahmen. Speakers Corner-Beiträge (Gastbeiträge) und BBTV (ähnlich gelagert) werden entfernt. Die Kommentare werden soweit bereinigt, dass die hinterlegten Mailadressen gelöscht sind.

H. Hemken: Man darf gespannt sein, wer den Blog letztendlich kaufen wird. Wenn Du ihn selbst in Geld aufwiegen müsstest, was wäre er Dir wert?

R. Basic: *Hält sich den kleinen Finger an die Lippen* ONE MILLION DOLLAR

H. Hemken: Wie, wo und wann wirst Du Basic Thinking zum Verkauf anbieten?

R. Basic: Auf eBay, wohl heute, wenn der Verkaufstext steht. Habe damit bisher keine Erfahrungen. Werde daher heute noch auf dem Blog den Text vorlegen, obs da irgendwelche Klopper gibt.

H. Hemken: Wenn man Robert Basic kennt, weiß man, dass Du Dich nicht auf Dein Altenteil zurück ziehen wirst. Was planst Du als nächstes, wann bekomme ich als Fan wieder etwas von Dir lesen?

R. Basic: Oh weh, das wird natürlich nervig, aber aus einem Blog werden nun zwei. Mein Privatblog robertbasic.de wird sozusagen meine Abladezone des Weballs. Da kommt der ganze Klumpatsch auf meinen Webreisen rein. Auf Buzzriders.com wird es thematisch fokussierter zugehen, wie der Name schon sagt, wird es um Buzz-Themen gehen. Die morgen die Welt verändern werden, hehe. Na ja, eben Techiezeugs, wie ich zu sagen pflege. Mobilität sollte ein großes Thema werden, allerdings muss ich mich dort zunächst reinfuchsen.

H. Hemken: Als SEO habe ich immer sehr interessiert Deine kleinen `Auseinandersetzungen´ mit der Suchmaschine Google verfolgt. Was bedeutet Google für Dich?

Google ist Mutter, Vater und Gott zugleich. Genau das passt mir aber nicht 😉 Es ist ein Unternehmen, das exzellent geführt wurde und ein überragendes Kernprodukt anbietet. Jedoch macht mir die Vorstellung Sorge, dass ein Unternehmen wie Google eine zu große Informationshoheit aufbaut.

In einer zunehmend digitaler werdenden Welt ist Information der denkbar begehrteste Rohstoff. Wer den Rohstoff kontrolliert, entscheidet. Will ich, dass Unternehmen über mich final entscheiden können, ob direkt oder indirekt? Der Maßstab von Google ist nicht dieser bullshit wie „dont be evil“ oder gar der Mensch letztlich, sondern ganz einfach Geld. Was ist das aber für ein Maßstab? Das wäre mir egal, wenn Google nicht zu diesem Infodealer mutiert wäre, dessen Rolle in Zukunft weiter zunehmen wird.

Womöglich wird diese Mutation ein natürliches Ende finden, wenn die Rolle von Suchmaschinen vergilben wird. Ansätze davon sehen wir schon heute, vielmehr, man spürt es nur leicht. Greifbar ist das nicht, was und wie sich Techniken weiterentwickeln, wie Informationen zum Menschen kommen.

H. Hemken: Stell Dir vor, Google meldet sich und möchte Deinen Blog kaufen. Was würdest Du denen sagen?

R. Basic: Fiese Frage. Gemeine Frage. Aber halt, das ginge ja nicht, weil ich doch Links verkaufe. Google kann sich doch nicht untreu werden 😉

H. Hemken: Ich muss sagen, die Meldung über den Verkauf Deines Blogs hat mich wirklich überrascht. Ich hoffe, auch Dein neues Projekt wird wieder für einige Überraschungen sorgen. Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.

R. Basic: Ich lass mich auch gerne selbst überraschen. Danke und Euch ein gutes Jahr 2009!!

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Kommentare zu Robert Basic – Hey, das bin ich:

  1. […] des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag einmal ins rechte Licht zu rücken, haben wir uns die Blogger-Ikone Robert Basic beiseite geholt und ihm einige Fragen dazu […]

  2. SantaCruze sagt:

    Leider muss man sagen, das sein neues Konzept Buzzriders nicht so wirklich gut anläuft und lange auf sich warten lässt. Robert hätte eher BasicThinking behalten sollen.

  3. […] ich bereits einige Interviews mit Robert Basic führen durfte, nun sogar die Bildzeitung über den Verkauf seines Twitteraccounts […]

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