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Google auf Vinyl

Internet  |   |  , 19:20 Uhr  |  3 Kommentare

Dass das Internet die komplette Medienwelt auf den Kopf stellt ist nichts Neues. Vor allen Dingen überregionale Zeitungen dürften im Zuge der fortschreitenden Verbreitung des World Wide Webs früher oder später gänzlich von der Bildfläche verschwinden…

Sämtliche Verlagshäuser arbeiten längst mit Hochdruck daran, sich den unausweichlichen Gegebenheiten einer immer weiter vernetzten Gesellschaft anzupassen. Die Devise lautet, den mittlerweile vorrangig im WWW nach aktuellen Nachrichten suchenden Leser durch alternative bzw. ergänzende Angebote für sich zu gewinnen bzw. durch eigene Onlineangebote weiterhin zu halten.

Hierbei sehen sie sich die Verlagshäuser einer schier unmöglichen Aufgabe gegenüber. Zum einen möchten sie ihren Lesern auch weiterhin gut recherchiert und qualitativ hochwertige Informationen anbieten, zum anderen müssen sie sich den technischen Erneuerungen und den damit verbundenen Änderungen der Lesegewohnheit ihrer Leserschaft anpassen.

Der normale Internetnutzer ist kaum mehr in der Lage, unfangreiche und kompliziert aufbereiteten Informationen aufzunehmen. Im Zuge von Twitter und Co. möchte der Ottonormalnutzer mittlerweile viel lieber kurze und möglichst einfach aufbereitete Häppchen serviert bekommen.

Wo früher noch ein ganzes Team aus Redakteuren, Fotografen usw. an der Erstellung eines Artikels beteiligt war, beschäftigen mittlerweile längst auch seriöse Zeitungen unzählige mehr oder weniger begabte Schreiberlinge, welche rund um die Uhr ihre im Akkord geschriebenen Meldungen ins WWW pumpen.

Nicht zuletzt die Suchmaschine Google mit ihrem Nachrichtendienst Google News hat dafür gesorgt, dass das Hauptkriterium einer erfolgreichen Nachrichtenmeldung nicht mehr deren Inhalt, sondern deren Aktualität ist. Anstatt ausführlich zu recherchieren, wird eine Nachricht so schnell es irgend möglich ist geschrieben und anschließend sofort ins Internet gestellt. Ob diese formale oder inhaltliche Fehler enthält, spielt mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist nur, eine Nachricht möglichst zeitnah und möglichst noch vor der Konkurrenz online zu stellen.

Viele kleine aber auch einige große Verlagshäuser bleiben bei diesem Katz und Maus Spiel mit Google und Co. auf der Strecke. Um die Zahl der schwindenden Leser möglichst gering zu halten, wird alles erdenklich Mögliche unternommen. Technische Erneuerungen wie Weblogs oder Microbloggingdienste wie Twitter werden ohne lange zu überlegen übernommen und als zusätzliche Trafficquelle missbraucht.

Auf der Strecke bleiben diejenigen Leser, die weiterhin an qualitativ hochwertigen bzw. aufwendig recherchierten Informationen interessiert sind sowie engagierte Redakteure, deren Talent dem nimmersatten Schlund der Suchmaschinen zum Opfer fällt.

Gerade bekannte Verlagshäuser sollten sich vom schnelllebigen Internet nicht blenden lassen und ohne Wenn und Aber jeden Hype mitmachen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Dienste nicht von Dauer sind und viele der heute noch hoch frequentierten Anbieter bereits morgen wieder in der Versenkung verschwunden sind.

Medien bzw. Zeitungen haben die Pflicht, ihre Leser mit seriösen Informationen zu versorgen. Gerade in letzter Zeit beobachtet man jedoch selbst bei  bekannten Zeitungen die Tendenz, dieser Pflicht auf Kosten einer möglichst gleichbleibenden Leserzahl nicht mehr nachkommen zu wollen.

Verlagshäuser sollten nicht blindlings jeden Ratschlag ihrer betreuenden Marketingagentur folgen und ihre mühsam gewachsene Stammleserschaft auf Kosten einiger über Google und Co. generierter Leser aufs Spiel setzen.

Genau wie bei der Vinylschallplatte kann es sehr gut sein, dass sich bereits in naher Zukunft der Internetnutzer nach früher bewährten Medienformaten zurück sehnt. Es wäre schade, wenn zu diesem Zeitpunkt keiner mehr gewillt bzw. in der Lage ist, diese Sehsucht auch zu befriedigen ;-)

Gretus

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Kommentare zu Google auf Vinyl:

  1. datenschmutz.net says:

    Blogistan Panoptikum KW09 2009…

    Wer andern eine Grube hät, hat viel Arbeit, auch wenn er eine Schaufel hat – das weiß jeder Blackhat. Und worüber man nicht schweigen kann, darüber soll man bekanntlich schweigen. Dies und mehr im aktuellen Wochenrückblick!
    ……

  2. Gretus says:

    Hallo,

    natürlich muss man noch immer der Print- vom Onlinebereich unterscheiden. Bei Letzterem weiß ich jedoch, dass es hier immer mehr auf Masse statt Klasse ankommt. Freelancer schicken ihre Artikel an die Redaktion, dort werden die kurz überflogen und dann online gestellt. Oft kümmern sich dann SEOs um die Nachbereitung, also das weitere Aufbereiten für Suchmaschinen.

    Sämtliche deutsche Zeitungen schreiben ihre Artikel mittlerweile auch für Suchmaschinen. Man sieht es an der Wortwahl in den Titeln, an unzähligen Bindestrichen usw.

    Grüße

    Gretus

  3. Hanns says:

    Aktualität ist nicht das überragende Ranking-Kriterium bei Google News. Insofern sehe ich nicht den Konflikt der Verlage, sich zwischen Geschwindigkeit und Qualität entscheiden zu müssen. Es gibt erfolgreiche Techniken, wie man beide Ziele sehr gut bedient. Ein sehr wichtiges Ranking-Kriterium ist der Source Rank einer Nachrichtenquelle und dieser stellt einen Wert für die Qualität einer Nachrichtenquelle dar. Auch hier versucht Google also die Qualität des Contents zu belohnen. Von der Seite sehe ich keine großen Gefahren, dass die Qualität im Journalismus schlechter wird.

    Das Problem besteht darin, dass online deutlich weniger Werbeumsätze generiert werden als mit den gedruckten Zeitungen (bei der gleicher Anzahl von Lesern). Wenn immer mehr Menschen die Nachrichten online lesen, anstatt sich die Zeitungen zu kaufen, verdienen die Verlage schlicht und einfach weniger Geld. Auf Dauer müssen sie dann Personal in der Redaktion einsparen, was logischerweise irgendwann zu einer schlechterer Qualität der Nachrichten führen muss.

    Hier ist ausnahmsweise einmal nicht Google schuld ;-)

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