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Robert Basic – WikiLeaks, JMStV und gute Vorsätze

Internet  |   |  , 17:07 Uhr  |  4 Kommentare

Robert BasicZum Jahresende nimmt das Internet noch einmal an Fahrt auf. Um Ereignisse wie den medialen Hype um die Veröffentlichungen der Webseite WikiLeaks oder die Panik vieler Blogger bezüglich des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag einmal ins rechte Licht zu rücken, haben wir uns die Blogger-Ikone Robert Basic beiseite geholt und ihm einige Fragen dazu gestellt…

Heiner HemkenKürzlich wurde das `JMStV´ beschlossen. Auf robertbasic.de schreibst Du, dass die diesbezügliche Panik vieler Deiner Bloggerkollegen unbegründet ist. Warum?

Robert Basic: Korrigiere: Beschlossen ist noch gar nichts, da zunächst alle Landesparlamente die Novelle absegnen müssen, bevor es den alten JMStV ablöst (erst wenn ein Staatsvertrag – der JMStV ist so einer – von allen Ländern abgesegnet ist, kann er in Kraft treten). Das ist noch nicht erfolgt, einige Landesparlamente stehen noch aus.

Zur eigentlichen Frage, warum Panik nicht angebracht ist. Das ist eigentlich recht simpel zu beantworten: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Wer zu emotional an eine Sache herangeht, übersieht recht schnell die Sachlage und zieht falsche Schlüsse. Das ist ein generelles Prinzip.

Könnte man die momentane Diskussion um den JMStV mit Panik gleichsetzen? Wenn man sich einige Reaktionen anschaut („Ich schließe meine Webseite“), so könnte man von panikartigen Reaktionen sprechen. Im Großen und Ganzen reagieren die meisten Blogger jedoch recht besinnlich und beschaulich. Man informiert sich, man wartet ab, man schaut links und rechts. Das hat wenig mit Panik zu tun.

Mir war es ebenso ein Anliegen, nicht zum – wenn auch niedrigen – Panik-Niveau beizutragen, sondern die Sachlage soweit möglich zusammen zu tragen. Die Kernfragen waren für mich als Blogger zunächst, ob man eine Alterskennzeichnung zwingend anbringen muss (auf Artikel und/oder Blog-Ebene = theoretisch großer Arbeistaufwand und damit ein großes Problem) und ob man sich einen Jugenschutzbeauftragten anlachen muss (ein Kostenproblem). Beides ist für die meisten Blogger klar zu verneinen, soweit ich mich informieren konnte. Gesichert ist was dabei für mich?

Die Alterskennzeichnung ist für alle (!) freiwillig, der Jugendschutzbeauftragte ist ausschließlich für geschäftsmäßige Blogger Pflicht, die jugendgefährdende Inhalte ins Netz stellen. Wenn man keine Alterskennzeichnung anbringt, kann es höchstens zur Folge haben, dass Kinder und Jugendliche beim Surfen mit aktivierter Jugendschutzsoftware das Blog nicht aufrufen können. Sowohl das elektronische Anbringen wie auch das Auslesen ist jedoch zur Zeit nicht standardisiert, es handelt sich dabei um eine mittelfristige Zukunftsmusik, die momentan keine akute Rolle für Blogger spielt.

Die politischen Bewertungen aus der JMStV-Novelle habe ich nicht betrachtet und in meinen Fokus gestellt, da sie für das rein publizierende Element völlig wurst sind, wie man das ganze politisch bewertet. Leider vermischen sich die Argumente hierbei, publizitische Auswirkungen und politische Auswirkungen sind oftmals ein reines Kuddelmuddel, so dass es einem an Fakten interessierten wie mir fast schon schlecht wird.

Heiner Hemken: Am 01.01.2011 tritt das Gesetz offiziell in Kraft. Was wird Robert Basic an diesem Tag machen?

Robert Basic: Ich schlafe aus und genieße den Beginn des neuen Jahres. Und zudem sollten wir doch einmal festhalten, dass es wohl nicht von ungefähr kommt, dass die Deutschen als das wohl gesetzesbefolgendste Volk der Erde belächelt werden. Was soll schon groß sein, wenn es denn erlassen wird? Es wird nix ändern groß. Und wenn es denn wirklich und ernsthaft stört, wird es entweder einen politischen Prozess geben, der das Gesetz entsprechend anpasst oder eben nicht. Willkommen in der Demokratie!

Heiner Hemken: Kommen wir zu einem wie ich finde viel spannenderen Thema. Welche 10 Begriffe fallen Dir spontan zum Stichwort `Wikileaks´ ein?

Robert Basic: Angst x 10

Heiner Hemken: Was hat das Wort `geheim´ für Dich für eine Bedeutung?

Robert Basic: Kann mit der Frage nix anfangen.

Heiner Hemken: Hälst Du die Veröffentlichung als `geheim´ eingestufter Dokumente im Internet für richtig?

Robert Basic: Prinzipiell erachte ich die Veröffentlichung des Namens eines Spitzels für nicht ratsam, da es in manchen Ländern zur Exekution desjenigen führt. Prinzipiell erachte ich die Veröffentlichung von Informationen nicht ratsam, wenn Personen zu erheblichen Schäden kommen, die mit Gefängnis oder aber mit körperlichen Schäden zu tun haben. Prinzipiell erachte ich die Veröffentlichung von Informationen als vorzüglich, die Aktionen von Staaten oder anderweitigen Organisationen aufzeigen, die wir entweder ethisch-moralisch oder aber strafrechtlich so nicht vertreten können. Hierzu diene das Beispiel des Hubschrauber-Angriffs auf nachweislich Unschuldige. Es kommt eben drauf an, um was es geht. Deckt es Missstände, Verbrechen, unsägliches Leid auf, ist die Veröffentlichung goldrichtig, selbst wenn es um Nationen wie die der Vereinigten Staaten von Amerika geht. Die viel Gutes, aber leider auch viel Schlechtes anrichten. Das Schlechte gehört genauso auf den Teppich wie das Gute, das man nur zu gerne herausstellt. Das Gleiche muss für jeden Staat, jede Regierung, jede Organisation gelten übrigens. Unrecht gehört mit Stumpf und Stiel ausgemerzt, ohne Rücksicht auf das Ansehen.

Heiner Hemken: Die Medienresonanz auf den Leak der `Cablegate´ Dokumente war enorm. Fühlst Du dich genügend darüber informiert?

Robert Basic: Bei 250.000 Dokumenten kann man kaum erwarten, dass man sich genügend informiert fühlt. Das wird Wochen und Monate dauern, bis vernünftige Gesamtbewertungen zu Tage kommen. So kann ich mich nicht daran erinnern, dass etwas aus den Kriegsinformationen herausgekommen ist. Bisher. Wird etwas herumkommen?

Heiner Hemken: Man hat mittlerweile das Gefühl, selbst wichtige Themen werden innerhalb von wenigen Tagen medial `abgefrühstückt´. Hat das Internet unser Leben schneller gemacht?

Robert Basic: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Menge an wahrgenommenen Informationen zugenommen hat. Was flüchtiger erscheint, wird wohl mental als schneller empfunden. Zudem führt zweifellos eine breitere Informationsversorgung zu schnelleren Entscheidungszyklen, da wir die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft genauer bewerten können, um Ableitungen für Korrekturen und Anpassungen im gegebenen Handlungsrahmen zu treffen. Diese Entwicklung beobachten wir insbesondere in der Wirtschaft und Politik. Es führt auf der anderen Seite scheinbar zu kurzfristigeren Entscheidungszyklen und kürzeren Vorausplanungszeiträumen. Ja, das Internet hat unser Leben schneller gemacht.

Heiner Hemken: Werden Webseiten wie Wikileaks unsere Welt besser machen?

Robert Basic: Mein lieber Scholli, wenn es nach Assange geht, dann ja. Ich bin mir allerdings ob seiner Strategie – die sich sehr interessant liest – unschlüssig, ob sie aufgeht. Immerhin testet er seine Strategie an der mächtigsten Organisation der Welt zur Zeit. Das kann man nun mutig oder dumm nennen, interessant ist es allemal. Und er hat schon jetzt einen Teilerfolg im Rahmen seiner Strategie verzeichnet: Die USA reagieren exakt wie vorhergesehen über eine Kappung bzw. Restriktion ihrer Kommunikationsmöglichkeiten.

Abseits von Assanges Gedanken, führt mehr Transparenz zu einer besseren Welt? Wir Menschen folgen dummerweise nicht immer einer logischen Reihenfolge von Reaktionssequenzen. Man könnte vermuten, dass vollkommene Transparenz Regierungen und Organisationen daran hindert, „böse“ und „versteckt“ zu agieren. Aber? Nehmen wir als Beispiel das Dritte Reich, das völlig offen und transparent Leid angekündigt hat. Leider wird Transparenz alleine die Welt nicht per se heilen. Aber, und davon bin ich überzeugt, schon die bloße Möglichkeit führt dazu, dass man sich genauer überlegt, was die Konsequenzen der eigenen Handlungen und Pläne sein könnten. Wirkt das gut oder schlecht? Wikileaks hat jetzt schon funktioniert, was den Angst-Antrieb von Entscheidern angeht. Führt aber die bloße Angst vor Entdeckung zu einer besseren Entscheidung? Ich weiß es nicht, ich wünsche es mir, aber ich weiß es nicht.

Heiner Hemken: Kommen wir zu einem wie ich finde noch viel spannenderen Thema. Es ist etwas still um Deine Person geworden. Was treibst Du gerade so?

Robert Basic: Ich blogge wieder mehr zum Beispiel :-D

Heiner Hemken: Welches sind Deine guten Vorsätze für das neue Jahr?

Robert Basic: Noch mehr zu bloggen.

Heiner Hemken: Wie wird sich das Internet Deiner Meinung nach in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

Robert Basic: Es wird anders sein. Schulterzuck.

Heiner Hemken: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Umsetzung Deines Vorsatzes. Dir bleiben 140 Zeichen, Dich von unseren Lesern zu verabschieden.

Robert Basic: Ich danke Euch.

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Kommentare zu Robert Basic – WikiLeaks, JMStV und gute Vorsätze:

  1. Onotole says:

    Basic ist cool , wie immer halt :) Zu WikiLeaks muss ich immer wieder Frau Clinton zitieren:

    Die WikiLeaks-Veröffentlichungen seien nicht nur ein Angriff auf Amerikas außenpolitische Interessen, sondern wegen der Materialfülle aus 250 US-Botschaften in aller Welt zugleich auch ein Angriff auf die gesamte internationale Gemeinschaft

    Mir persönlich macht WL zwar auch Angst, aber manche Veröffentlichungen mussten einfach das Tageslicht erblicken.

  2. Bastian Heist says:

    Hier noch ein interessanter Artikel vom Spiegel zum Thema…

  3. Rene says:

    Klingt interessant – mehr Bloggen würde ich auch gerne, aber mich hat erstmal die Panik des neuen JMStV gepackt – ich würde gerne meinen kleinen Filmtrailer Blog weiter betreiben, aber wie bei Filmen gibt es da auch bestimmt Trailer die ab 16 sind oder gar ab 18 sind. Bis dato ist mir nicht klar, wie ich das Kennzeichnen sollte – da Trailer quasi ja auch nur Werbematerial ist.

    Und die Sorge betrifft ja nicht nur dies Thema, sondern was ist, wenn ich einen Blog hab, wo ich zu einer politischen Thema etwas provokatives schreibe, muss ich sowas Kennzeichnen, reiben sich dann die Abmahnanwälte schon die Hände? Fragen über Fragen :)

  4. Mark says:

    Unterschreibe ich. Noch mehr bloggen. Ganz sicher wird die Welt dann besser. Aber nicht durch den Bedeutungshunger von Assange.

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