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Politiker wollen das Internet kopieren!?

SEO-Fiction  |   |  , 10:58 Uhr  |  30 Kommentare

Google LogoDa man demnächst sicher noch einiges über das Projekt hören wird, möchten wir Euch hiermit kurz auf den gestern auf golem.de veröffentlichten Artikel „Initiative will Google mit freiem Webindex angreifen“ hinweisen. Nachdem Axel Springer und Co. mit ihrer reversiven 4-4-2 Taktik gerade kläglich damit scheitern, die Suchmaschine Google zu einer Art Perpetuum mobile für stetig sprudelnde Gewinne großer Verlagshäuser umzukrempeln, hat man sich kurzerhand dazu entschlossen, das ohnehin wahrscheinlich zum Scheitern verurteilte Vorhaben noch einmal neu anzugehen und Google und Co. – von Co. ist immer nicht so die Rede, aber egal – mit einem eigenen Webindex von Seiten renommierter Experten für _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ – da fällt selbst uns nichts mehr ein – noch weiter unter Druck zu setzen…

Die Idee

Um Internetgiganten wie Google, Facebook und Twitter am Ende doch noch dazu zu bewegen, für die kostenlose Bereitstellung ihrer Dienste irgendeinen Obolus an die EU zu entrichten, haben sich Dirk Lewandowski, Professor für Information Research & Retrieval an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, das Unternehmen YaCy, ein Hersteller von freier Suchmaschinensoftware sowie Suma-eV, ein Verein für freien Wissenszugang im Internet sowie Betreiber der Suchmaschine MetaGer, überlegt, das jetzige World Wide Web einfach 1zu1 zu kopieren, auf Rechenzentren in Europa abzulegen und anschließend Google und Co. anzubieten, sich dort einzukaufen.

Die Umsetzung

Um das sich in jeder Sekunde um Millionen von neuen Inhalten erweiternde World Wide Web 1zu1 zu kopieren, benötigt man jede Menge Rechenpower und Speicherplatz. „Physisch soll der Index auf drei oder mehr Rechenzentren in Europa gespeichert werden“, erklärt Wolfgang Sander-Beuermann, Vorstands-mitglied des Vereins Suma e.V. Golem.de gegenüber. „Zunächst sollen nur Inhalte mit lateinischen Schriftzeichen möglichst komplett in die Datenbank gezogen werden“, betont Sander-Beuermann. „Jeder soll den freien Webindex wie eine kostenlose Spielwiese zur Entwicklung von Suchmaschinen nutzen können“, erklärt er weiter. Erst wenn solche Projekte kommerziell erfolgreich werden, würden sich nach und nach auch Unternehmen wie Google dazu bereit erklären, sich in irgendeiner Weise daran zu beteiligen, so der Experte.

Die Kosten

Obgleich bei einer aktuellen Kopie des World Wide Webs zunächst einmal nur Inhalte mit lateinischen Schriftzeichen berücksichtigt werden sollen, schätzen Dirk Lewandowski und sein Team die Kosten eines derartigen EU-Vorhabens leicht auf mehrere Hundert Milliarden Euro ein. „Um eine so große Summe zu bekommen, braucht es den politischen Willen auf höchster Ebene“, sagt Dirk Lewandowski. „Eine Kopie des Webs würde sich heute kein Staat und kein Unternehmen mehr allein leisten“, erklärt er weiter und gibt an, dass er mit seinen Plänen nicht gänzlich alleine dastünde, sondern bereits auch einige Politiker ein Interesse für sein Vorhaben bekundet hätten.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Bereits in ein paar Wochen wollen Lewandowski und sein Team mit einem Manifest an die Öffentlichkeit gehen und schon im Herbst diesen Jahres eine weitere Konferenz abhalten. „Google könnte nicht mehr vorschreiben, was wichtig und was unwichtig ist.“, so Sander-Beuermann. „Es werden Anwendungen entstehen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, betont er zum Ende seines Interviews.

Fazit

Man darf gespannt sein, ob genanntes Vorhaben jemals realisiert werden wird und was für Erkenntnisse sich dann tatsächlich aus der Analyse einer Kopie des World Wide Web ziehen lassen. Die Analyse von Millionen von Videos ergab bekanntlich einmal das Abbild einer einfachen Katze, eine Analyse des textbasierten Internets ergibt womöglich irgendeine Zahl, irgendein Wort oder irgendeine Buchstabenfolge. 23, das lateinische Wort für Fremdschämen, pht, akw oder so also. Aber wen interessiert das eigentlich noch?

Eure SEO-united.de Blogger

P.S.: Sollte oben genanntes Projekt jemals realisiert werden, möchten wir darum bitten, uns rechtzeitig vor dessen Start noch kurz Bescheid zu geben. Wir werden Neuland betreten und dann auswandern ;-)

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Kommentare zu Politiker wollen das Internet kopieren!?:

  1. Frederik says:

    Wirklich interessanter und zugleich auch erschreckender Beitrag. Ich denke aber auch, dass es hier zunächst einmal auch nur bei einer Idee bleibt und das nicht realisiert wird. Es würde auch nicht viel Anerkennung bekommen.

    Grüße

    Frederik

  2. Tobias says:

    Ich verstehe nicht ganz, wieso ein Suchindex/ -algorithmus eines profitorientierten, privatwirtschaftlichen Konzerns per se besser sein soll als ein öffentlich finanziertes Projekt. Dass Private immer günstiger sind für die Verbraucher wurde in etlichen Beispielen privat betriebener Infrastruktur-Projekte bereits etliche Male widerlegt. Wer diesem neoliberalen Scheinargument immer noch hinter her rennt, zeigt eigentlich nur, dass er weniger kritisch ist, als er vorgibt zu sein. Außerdem ist eine Suchmaschine für den Verbraucher in der Regel eh kostenlos.

    Wenn es möglich ist, CMS Systeme wie Drupal und WordPress als Open Source zu erstellen, sollte es auch möglich sein, so etwas in Open Source für Suchmaschinen zu machen. Gibt es eigentlich irgendeine Open-Source-Suchmaschine???? Wie auch immer – das Problem wären stets die Kosten für die Server, auf denen der Index gespeichert wird. Wieso diese Server nicht (teilweise) öffentlich finanzieren, so einen (teilweise) öffentlich finanzierten, offenen Index aufbauen und für Open Source Suchmaschinen zur Verfügung stellen? Keine Ahnung, wieso Gretus dabei so auf die Barrikaden geht. Dass Axel-Spinger & Co. dabei wären, wird in dem Artikel überhaupt nicht gesagt, das wurde ja von Gretus hier ohne jeden Zusammenhang im verlinkten Artikel eingebracht.

    Nur frage ich mich, wieso Axel-Springer schlecht und Google gut ist – ich sehe da keinen Unterschied. Von daher: wenn ich Google akzeptiere, kann ich schlecht etwas gegen eine Suchmaschine von Axel-Springer haben…das widerspricht sich. Zu glauben, Google wäre ein neutraler Makler und Axel-Springer nicht ist irgendwie wirklich grenzenlos naiv.

    • Gretus says:

      Hallo Tobias,

      wie wäre es denn, statt einem eigenen Suchidex europaweit einfach eine Firewall zu installieren? Man könne Google und Co. ja sagen, dass sie sich da gegen eine prozentuale Beteiligung des Umsatzes freikaufen könnten. Ich habe keine Ahnung wie sowas technisch möglich ist, aber andere Länder bekommen das ja auch hin irgendwie. Nicht so gut, nicht wahr? Dann doch lieber ein paar Serverfarmen und das Ganze noch auf Kosten der Steuerzahler. Und wohl gemerkt, es geht uns uns nicht nur um die Daten #abwink

      Grüße

      Gretus

  3. Maxim says:

    Was eigentlich ständig vergessen wird, bei solchen Diskussionen, ist der Faktor „User“. Der User entscheidet am Ende ja doch welche Suchmaschine er benutzt. Dieser Tatsache werden auch die Verlage nicht Herr werden.

  4. Tim says:

    Hier wird es vermutlich sowieso bei der Idee bleiben. Eine Umsetzung kann ich mir nicht so wirklich vorstellen.

  5. Michel says:

    Die kommen auf Ideen :)

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