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100% not provided – Großer Einschnitt oder halb so wild?

SEO  |   |  , 09:35 Uhr  |  24 Kommentare

Um Euch ein schnelles Meinungsbild über aktuelle Entwicklungen im Bereich Suchmaschinenoptimierung geben zu können, möchten wir von SEO-united.de zukünftig regelmäßig Experten aus der Branche um ein kurzes Statement zu gerade heiß diskutierten Themen bitten. Die heutige Frage, welche wir ausgewählten Experten im Zuge einer Blitzumfrage gestellt haben, lautet `100% not provided – Großer Einschnitt oder alles halb so wild?´ Hier einige Statements dazu:

Olaf Kopp, sem-deutschland.de

Olaf KoppIn puncto Skalierbarkeit auf Keyword-Ebene ist es ein großer Einschnitt. Es lassen sich nur noch ungenau Conversions, Umsätze oder ROI pro Keyword bestimmen. Das kann zukünftig dann nur noch über Umwege z.B. die Landingpage-URLs in Kombination mit Keyword-Rankings erfolgen. Und das nur ungenau, da man nicht mehr alle rankenden Keyword-Kombinationen einer Seite auf dem Radar haben kann.

Mit Blick auf die Zukunft von SEO relativiert sich das nach meiner Meinung aber wieder, da man zukünftig weniger auf einzelne Keywords optimieren sollte, sondern den Fokus auf ganze Themenbereiche legen sollte. Google erkennt semantische Bezüge zwischen Key-words inzwischen sehr gut und kann sie in Themenclustern zusammenfassen. Deshalb wird es immer wichtiger sich als Autorität in diesen Themenbereichen aufstellen und das geht nicht mehr nur über ein Key-word und eine Landingpage.

Zur genaueren Validierung einzelner Keywords muss man leider dann zukünftig Adwords in Kombination mit Conversion-Tracking bzw. E-Commerce-Tracking nutzen. Da hat Google mit Auge gearbeitet. Bei informationsgetriebenen Keywords wird man hiermit, aber auch an seine Grenzen stoßen, da diese nach-weislich nur selten zu Klicks auf eine Anzeige führen.

Eric Kubitz, contentmanufaktur.net

Eric KubitzDie Zahlen (bei denen derzeit ca. 75 % „not provided“ gemeldet werden) sind meiner Meinung nach nicht repräsentativ. Jedenfalls kann ich das bei den großen Portalen, auf deren Statistik ich Zugriff habe, nicht sehen. Doch auch dort sind Werte über 50 % eher normal. Und das ist schon schlimm genug. Denn man kann ja nicht sagen, dass sich 100 % der Nutzer so verhalten, wie die 30-50 % die ich zu sehen bekomme. Denn es handelt sich dabei – statistisch – nicht um eine Zufallsauswahl sondern um die eingeloggten Benutzer: Verhalten diese sich genauso wie die nicht eingeloggten? Vermutlich nicht. Aber wir wissen nicht, WIE anders sie sich ver-halten.

Das ist ein echtes Problem und macht unsere Arbeit deutlich schwerer und ungenauer. Auch die Daten aus den Google Webmaster Tools helfen nur wenig, denn diese sind dank der Aufbereitung recht, äh, „ver-schwommen“.

Was also tun? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Mir fällt dabei nur ein, dass uns Google da eine Macht zeigt, die uns auch hinsichtlich anderer Daten, mit denen wir arbeiten, Sorgen bereiten sollte…

Stefan Fischerländer, gipfelstolz.de

Stefan FischerländerNatürlich ist der Wegfall der Keywords ein enormer Verlust an Information und damit ein großer Einschnitt. Trotzdem bin ich geneigt zu sagen, dass diese Ent-wicklung nur halb so schlimm ist, ja sogar Chancen bietet.

Wer ordentliches SEO oder neudeutsch: Inbound-Marketing macht, hat seine Inhalte sauber strukturiert. Kennen wir also die Zielseite, wissen wir zumindest das Thema, nach dem gesucht wurde. Das genaue Wording ist natürlich unbekannt, aber hilft uns das wirklich so viel weiter? Genau hierin sehe ich auch die Chance, die diese Entwicklung mit sich bringt. Ohne diese Daten können wir uns leichter vom klassischen, althergebrachten Keyword-Denken lösen und so besser auf die Wünsche der Besucher eingehen. Und ob die mit unserem Angebot zufrieden sind, lässt sich leicht mit Bounce- oder Conversion-Rates messen. Auch wenn kein Keyword provided wurde.

Malte Landwehr, maltelandwehr.de

Malte LandwehrWer im Web 3.0 angekommen ist, der sollte verstanden haben, dass Keyword-basiertes SEO tot ist. Ok, so richtig tot vielleicht noch nicht. Aber eben ein aus-sterbendes Modell, in das es heute nicht mehr lohnt zu investieren.

Wer Mehrwerte für seine Zielgruppe schafft und sich als Marke platziert, wird in Such-maschinen mit relevanten Keywords gefunden. Klingt einfach; ist es auch. SEO ist heute nur noch gute Onsite- und Onpage-Struktur plus gute(s), möglichst virale(s), Marketing/PR. Daher sollte der Verlust der Keyword-Daten keinerlei Aus-wirkungen auf die Arbeitsweise eines SEOs haben.

Stephan Czysch, trustagents.de

Stephan CzyschFür Suchmaschinenoptimierer stellt diese Änderung auf jeden Fall einen immensen Einschnitt dar. Wir SEOs sind aus der Vergangenheit gewohnt, dass wir Analysen auf Keywordbasis durchführen und unsere Strategie auf entsprechend auf der Performance einzelner Keywords ausrichten konnten. Häufig waren es nicht die Keywords mit der höchsten Zugriffszahl, die besonders viele Konversions gebracht haben. Diese Information wird in der Zukunft im „not provided“ Pool untergehen.

Zwar wird es weiterhin möglich sein, auf URL-Basis Auswertungen zu fahren, welche Suchanfrage aber für Zugriffe mit einer 90% Bouncerate auf der URL verantwortlich ist, ist leider nicht mehr ersichtlich. Zweischneidig ist natürlich, dass die Privatsphäre bei bezahlten Anzeigen anders ausgelegt wird und Google die Daten auch weiterhin hat, nur eben nicht mehr innerhalb der organischen Suche über den Referrer überträgt. Die Daten in den Webmaster Tools – zumindest in aktueller Form – werden den Verlust nicht ausgleichen können. Für SEOs heißt die Umstellung umso mehr, nicht nur auf den eigenen Channel zu schauen, sondern sich mit anderen Marketingabteilungen im Unternehmen auszutauschen. Die SEA-Abteilung wir umso mehr des SEOs bester Freund.

Eins muss man aber bedenken: Die Datenfülle, die im Online-Marketing (oder im Fall jetzt: SEO) zur Verfügung stand bzw. bei vielen Aktivitäten immer noch zur Verfügung steht, war vor einigen Jahren noch vollkommen undenkbar und macht jeden Internetnutzer gläsern. Den „wirklichen“, nicht mit Mark und Pfennig bezahlten Preis für die Nutzung eines (kostenlosen) Services können die meisten Menschen gar nicht richtig einschätzen. Zudem werden auch die (potenziellen) Gefahren der „rumfliegenden“ Daten falsch eingeschätzt. Um zum vorherigen Punkt zurückzukommen: Wie gerne würden Unternehmen sehr granular bestimmen können, ob die Außenwerbung an Straßenecke X wirklich sinnvoll investiertes Geld war. Eine schnelle und präzise Antwort auf die Frage lässt sich hier nicht so leicht geben.

Jan Kutschera, popularity-reference.de

Jan KutscheraIch finde es eigentlich einen konsequenten Schritt von Google die Suchanfragen nicht mehr anzuzeigen. Denn es wird sich immer noch zu sehr auf das Thema Keywords konzentriert anstatt auf den Inhalt. Es ist viel wichtiger den besten Inhalt zu haben zum eigenen Thema. Google hat ja schon vor Jahren gesagt, man solle sich nicht so sehr auf die Keywords fixieren sondern mehr auf den Traffic. Das Problem was daraus entstanden ist, ist ja, dass zu jedem möglichen Keyword die unsinnigsten Landingpages gebaut wurden. Vielleicht schafft das wirklich wieder die Konzentration zum eigenen Produkt besser werden zu lassen. Bessere Informa-tionen, bessere Inhalte.

Durch die Suchbegriffe bei Google habe ich auch vorher nicht wirklich rausbekommen was die Besucher interessiert. Ich konnte zwar aus der Kombination Aufenthaltsdauer und Bounce Rate darauf schließen, das jemand den Inhalt den er gesucht hat wohl bei mir nicht gefunden hat. Aber wonach er gesucht hat, was den User wirklich interessiert hat an meiner Seite, habe ich nur durch die Keywords auch nie mit-bekommen.

Das heißt also auch auf der Seite: Ich muss mich mit meinen Kunden beschäftigen und nicht mit den Keywords. Was schätzen sie an mir, mein Produkt, was für Fragen möchten Sie beantwortet bekommen, welche Probleme gelöst? Auf den Punkt gebracht ist das Wegfallen der Keywords eigentlich ein Aufruf endlich aus der Bequemlichkeit aufzuwachen und sich wieder der Realität und den Menschen/ Kunden/ Besuchern zu stellen.

Markus Hövener, bloofusion.de

Markus HövenerIch halte das schon für einen großen Einschnitt. Wir haben ja auch eine Fallstudie dazu gemacht, um zu schauen, ob die Daten, die man bereits jetzt über die Google Webmaster Tools bekommt, nicht die Referrer-Daten ausgleichen können.

Ergebnis am Beispiel eines Elektronik-Online-Shops: Ca. 83% der Suchanfragen, die über Referrer ermittelt wurden, waren in den Google Webmaster Tools nicht zu finden. Das sind hauptsächlich Long-Tail-Suchbegriffe, die man bestenfalls über den neuen AdWords-Report (mit organischen Suchanfragen) erhalten kann. Aber auch dieser Report ist nicht besonders vollständig.

Und Long-Tail-Kenntnis ist schon wichtig, um z. B. gezielt Suchmuster zu finden, die man dann seitenweit umsetzen kann. Ohne diese Daten wird das schwierig…

Björn Tantau, bjoerntantau.com

Björn TantauMeiner Ansicht nach ist das schon problematisch. Auf der einen Seite propagiert Google, dass man mit den Webmastern zusammenarbeiten will, auf der anderen Seite werden fundamentale Analyse-Daten nicht mehr angezeigt. Erfahrene Betreiber von Websites haben dafür Lösungen und Workarounds, Leute mit weniger Erfahrung allerdings gucken vermutlich sehr viel öfter in die Röhre.

Und auch die Möglichkeit, von „Not Provided“ betroffene Daten künftig eventuell gegen Zahlung von Geld durch Google freischalten zu lassen, sehe ich als proble-matisch an. Dadurch würde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter Webmastern entstehen, was dann mit Googles angeblichen Firmen-Motto „Don’t Be Evil“ nicht mehr harmonieren würde, wenn man Teile der Userschaft bewusst ausschließt.

Oliver Hauser, suchmaschinenoptimierung.at

Oliver HauserDas ist ohne Frage ein sehr schwerer Schlag gegen uns Suchmaschinenoptimierer. Die Keywords, durch die die Besucher auf die Websites kommen, waren immer schon ein sehr wichtiger Faktor, vor allem weil diese mit Conversions verknüpft werden konnten. Auf eigenen Websites konnte ich diese Woche schon einen „not provided“ Anteil von 85%-90% beobachten. Damit kann man schon seit mehreren Wochen, auch durch Hochrechnungen, nicht mehr arbeiten. Die entsprechenden Daten aus den Google Webmaster Tools sind auf jeden Fall kein entsprechender Ersatz.

Es wird hoffentlich nicht lange dauern, bis die ersten Tools im Stil von SimilarWeb auf den Markt kommen werden, die diese Information über Umwege anbieten werden, auch für kleinere Sites. Vorstellen könnte ich mir hier gesammelte Daten über Browser Toolsbars. Eines wird jedoch auch damit nicht mehr sichtbar gemacht werden können: welches Keyword hat auch konvertiert. Bleibt zu hoffen, dass Google diese fehlenden Infos zumindest kostenpflichtig anbieten wird. Wäre sicher eine nette zusätzliche Einkommens-quelle für Google. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir diese Daten nicht mehr kostenlos be-kommen. Ein Schelm, der Böses denkt.

Wir bedankten uns bei den Teilnehmer und hoffen, dass auch bei unserer nächsten Umfrage wieder einige von Euch mitmachen werden…

Eure SEO-united.de Blogger
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Kommentare zu 100% not provided – Großer Einschnitt oder halb so wild?:

  1. […] Experten sehen den Einschnitt als gar nicht so schlimm an, wie eine Umfrage auf SEO-united.de neulich ergeben hat […]

  2. Andreas sagt:

    Alle sprechen im Zusammenhang von (not provided) immer nur über das Keyword Problem. Das zweite große Problem von (not provided) ist aber, dass man nun nicht mehr zuordnen kann, ob das Keyword dem Brand oder dem Non Brand Umsatz zuzuordnen ist. Ich freu mich über jede Idee und Gleichgesinnte!

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