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Abgeordnetenhauswahl 2011: Online- und Social-Media-Wahlkampf in Berlin ohne SEO? Grüne, Piraten, SPD, Linke, CDU, FDP

Kolumne, SEO  |   |  , 20:12 Uhr  |  8 Kommentare

Wappen BerlinSeit Obama 2008 mit dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten, der als erste Internet-Kampagne gilt und auf Social Media beruhte, amerikanischer Präsident wurde, haben auch deutsche Parteien und Politiker den Begriff Social Media gehört. Damals wurde auch viel über „grass-roots movement“ (auf deutsch Basisbewegung) und Kleinstspenden von hunderttausenden Facebook-Usern geredet. Noch wichtiger als die Millionen Dollar an Spenden: Wer etwas für eine Partei oder seinen Kandidaten spendet, Fan auf Facebook und Follower bei Twitter ist, wird diese wahrscheinlich auch wählen!

Ein weiterer Punkt, der hierzulande die politischen Marketingstrategen für Social Media sensibilisiert haben könnte, sind die jüngsten Revolutionen in Nord-Afrika, die allgemein auch als Facebook und Twitter getrieben darstellt werden. Während hierzulande Politikverdrossenheit herrscht, sehnen sich auch deutsche Politiker nach neuen Instrumenten, um Massen für politische Themen zu aktivieren. Das selbe ist auch in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz und Großbritannien zu beobachten. Aktuell scheint kein großer Wahlkampf ohne Onlinestrategie auszukommen. Der aktuelle Berliner Wahlkampf gilt als der bisher teuerste Kampf ums Berliner Abgeordnetenhaus. Lag es nur an den Plakaten oder haben ein paar Berater hohe Honorarforderungen für den Onlinewahlkampf gestellt? Wie wird im aktuellen Berliner Wahlkampf das „Web 2.0“ genutzt?

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Berlin hat gewählt! Bis 18 Uhr hatten die Berliner die Gelegenheit ihre drei Kreuze zu setzen. Der richtige Zeitpunkt für mich die Webseiten und Online-Aktivitätetn der Berliner Parteien aus SEO-Sicht zu kommentieren.

Die Grünen haben die „beste“ Onlinepräsenz: absolut professionell aufgezogen, interaktiv und ansprechend designt. Mit jedem Klick merke ich, dass hier ein Konzept dahinter steht und recht viel Budget. Bei der Berliner Agentur für Online-Kampagnen nest ist zu lesen:

Seit rund neun Monaten betreut Nest die Online-Kampagne der Berliner Grünen mit der Spitzenkandidatin Renate Künast. In Zusammenarbeit mit den goldenen Hirschen und newthinking als Technikpartner entwickelten wir u.a. die Mitsprache-Kampagne “Da müssen wir ran!

Hier haben die Budgetverantwortlichen der Grünen auf Kreativität, innovative Ideen, tolle Texte und gutes Aussehen geachtet. Für mich als SEO stellt sich jedoch auch immer die Frage wie der Quellcode aussieht und der ist bei allen von mir gefunden Seiten nicht gerade optimal. Newthinking-communications gibt in einem Blogpost zu, für den Relaunch von gruene-berlin.de und renate-kuenast.de technisch verantwortlich gewesen zu sein. Dass auf der gesamten Agenturwebseite nicht ein einziges mal SEO erwähnt wird und alle Seiten einen identischen Titel und keine Description haben, zeigt wohl überdeutlich, dass hier wahrscheinlich niemand einen Online-Marketing Hintergrund hat.
Während http://gruene-berlin.de optisch gelungen, mit guten Texten im Netz steht, ist auch hier aus SEO-Sicht vieles mangelhaft. Genau wie bei den Seiten der drei beratenden Agenturen, wurde auch hier auf eine Description verzichtet, es gibt kein 301 bei gelöschten Artikeln, Navigation als Grafiken ohne alt-Text, die interne Verlinkung usw. usw. Ich würde fast wetten, dass jeder Stamm-Leser von SEO-united.de deutlich mehr Ahnung davon hat, wie man einen schönen Quelltext schreibt. Ich würde in diesem Fall sogar behaupten, dass sich einfach niemand auch nur einen Gedanken darum gemacht hat, wie die Seite unter der Fassade aussieht. Schade – hier hätte man mit ein wenig SEO-Know How deutlich mehr raus holen können. Ich selbst habe bisher keine Projekte betreut, die Drupal als CMS nutzen, aber einfach mal „Drupal + SEO“ bei Google einzugeben hätte, vielleicht auf ganz neue Denkweisen gebracht. Natürlich alles nur Spekulation. Eventuell wurde auch einfach nur der Wunsch des Kunden erfüllt. Wenn es keine Anforderung gibt, die Seite bei Google zu den behandelten Themen zum Ranken zu bringen, um so, rein über die Themen und losgelöst vom Markennamen, Wähler zu erreichen, braucht man natürlich auch kein SEO.

Ein geradezu gegenteiliges Bild liefert die Piraten-Partei. Es ist allgemein bekannt, dass die Piraten ihre Seiten lieber selber bauen als kreative (kostspielige) Agenturen zu beauftragen. Hier setzt man auf WordPress. Mir persönlich gefällt das Design von http://berlin.piratenpartei.de/ extrem gut. Der Quelltext wirkt deutlich aufgeräumter und logischer als bei den Grünen,
Im Code als „taxonomy“ bezeichnet, findet man eine aus SEO-Sicht sinnvolle interne Verlinkung und die externe Verlinkung zu anderen Piraten-Seiten und Social Media Profilen, gefällt mir sehr gut. Mir ist zwar nicht klar warum auf eine h1 verzichtet wird, aber h2 und h3 werden sinnvoll eingesetzt. Wikis und Foren liefern umfassende Informationen, doch nicht alle Bereiche der diversen Webauftritte sind aktuell, sicher auch eine Personalfrage. Die Piraten scheinen auf allen denkbaren Kanälen im Web aktiv zu sein und wirken dabei durchweg authentisch.

Auf der Webseite der Berliner SPD wurde mir erstmal schwindelig. Dieser Dreheffekt ließ mich schnell in den Quellcode schauen. Als CMS wurde TYPO3 verwendet, aber ohne erkennbare SEO-Optimierung. Auch hier wird auf eine Description verzichtet. OK ist der als Sitemap bezeichnete Footer mit internen Textlinks. In vielen Bereichen der Webseite findet man in der rechten Contentspalte Klaus Wowereits Facebook-Posts integriert. Ebenfalls mit Typo3 realisiert ist http://www.die-linke-berlin.de/ optisch gefällt mir diese Seite gut, insbesondere die in den verschiedenen Artikeln individualisierte rechte Contentspalte mit externen Links. SEO-Mäßig ist die Seite selbst aber nicht besser als andere Paerteien-Seiten.

Die Wahlkampfseite der CDU Berlin wirkt optisch sehr aufgeräumt und die Navigation ist übersichtlich. Die Startseite beginnt mit einem rotierenden Teaserblock mit drei Teasern, die auf Facebook, YouTube sowie das Wahlprogramm verweisen. Dominiert wird der Webauftritt von der Facebook-Seite von Spitzenkandidat Frank Henkel, mit vielen aktuellen Fotos und Videos. Der Quellcode der Webseite ist aus SEO-Sicht nicht gut, da aber ohnehin fast jeder Klick auf Facebook oder YouTube raus leitet, ist es eine gute Landingpage mit gelungener Usability, aber wenigen Möglichkeiten und kaum Content. Gut gefällt mir die Facebook-Integration in der rechten Contentspalte „2,790 Personen gefällt Frank Henkel.“ und dazu 6 Gesichter von Facebook-Fans.

Mehr Content, Facebook-, Twitter- und eine Flickr-Integration, findet man auf der unübersichtlichen Seite der Berliner FDP http://die-neue-fdp.de/. Wie bei den Grünen wurde die Homepage mit Drupal realisiert, anders als dort enthält die FDP-Seite jedoch ein Canonical-Tag gegen DC. Außerdem eine Breadcrumb Navigation und H-tags werden sinnvoll eingesetzt.

Wer hat die meisten Follower, Fans und ist am aktivsten im Social Web?

Vor mir haben sich bereits andere diesem Thema gewidmet. Folgende Seiten und Beiträge habe ich unter anderem als Vorbereitung zu diesem Artikel gelesen und als Quelle für Informationen und Inspirationen genutzt:

Beste Grüße aus Berlin
Maximilian D. Muhr

und weil dies ein Beitrag in meiner Kolumne ist, gibt es natürlich auch wie immer drei Poster zum Ausdrucken und ins Büro hängen! Alle, die mit Postern nicht anfangen können, klicken bitte sofort hier: HIER KLICKEN um einen Kommentar zu hinterlassen.

1. Social Media – A History

2. Blog Design for Killer Search Engine Optimization

3. Alway Connected

Über den Autor:

Ich lebe in Berlin und arbeite als Social Media Analyst bei der Bild digital GmbH & Co. KG. Wer mehr über mich erfahren will, dem empfehle ich meinen Steckbrief hier auf SEO-united.de.
Maximilian Muhr, plus.google.com
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Kommentare zu Abgeordnetenhauswahl 2011: Online- und Social-Media-Wahlkampf in Berlin ohne SEO? Grüne, Piraten, SPD, Linke, CDU, FDP:

  1. Dani says:

    Gestern gab es dazu ein spannende Diskussion bei Anne Will „Nutzung des Internet zum Wahlkampf“!

  2. Isabell says:

    Ich könnte mir ja durchaus vorstellen, dass man zumindest bei den Grünen bewusst auf eine Optimierung verzichtet hat. Aber es kann natürlich auch sein, dass das beauftragte Unternehmen einfach nicht das nötige Wissen besitzt, das ist ohne direkte Stellungnahme natürlich schwierig zu sagen. Interessante Analyse allerdings.

  3. AndreB says:

    Das ist tatsächlich mal ein äußerst interessanter Artikel. Lässt auch gewisse Rückschlüsse über die Internet-Affinität unserer Politiker zu ;-)

  4. David J. Ludwigs says:

    Interessante, weil detaillierte Analyse.

    Dazu möchte ich mir einen Hinweis auf unseren sehr ähnlich angelegten Sichtbarkeitsreport erlauben, da sich die Aussagen hiermit größtenteils decken. Der Sichtbarkeitsreport des Lehrstuhls für Politische Soziologie der Universität Bamberg, uns als Beratungsfirma Neolox und der Search Analytics Software Firma Searchmetrics untersucht die Frage, wie sichtbar die Webseiten von politischen Parteien für Suchmaschinen sind. Dafür wurden u.a. auch die Webseiten der Parteien in Berlin untersucht. Abzurufen sind die Ergebnisse unter sichtbarkeitsreport.de/webseiten/berlin/.

    • MaxBerlin says:

      Vielen Dank für den Link! Die Searchmetrics Suite nutze ich auch sehr häufig für verschiedene SEO-Analysen, ist sicher ein geeignetes Tool um aufzuzeigen wie gut eine Seite bei Google rankt. In eurer Auswertung hätte ich mir noch mehr allgemeine Themen gewünscht, zu denen mehrere Parteien ranken könnten, ihr habt ja eher Namen von Kandidaten als Keywortset genutzt und die CDU will sicher nicht mit Klaus Wowereit bei Google ranken (obwohl wenn ich so drüber nachdenke könnte auch das für Parteien interessant sein)

  5. Andreas Rotte says:

    Sehr interessanter Artikel!

    Ich finde es spannend den Wahlkampf mal von der SEO-Seite aus zu betrachten und bin um so erstaunter, das hier die Parteien größtenteils so zurückhaltend sind. Aber wie schon im Artikel beschrieben, vielleicht war es einfach (aus Budget-Gründen) nicht gewollt im SEO-Bereich größeren Aufwand zu betreiben.

    Es wäre sehr interessant hier mal ein Statement von den entsprechenden Verantwortlichen zu dem Thema zu bekommen.

    • MaxBerlin says:

      Ja auf jeden Fall wäre ein Statement der Online-Verantwortlichen interessant, ich fürchte ja dass SEO nicht aus Budget-Gründen sondern aus Unwissenheit über die Möglichkeiten nicht angewendet wird. Wer eine Webseite einem Relaunch unterzieht oder noch besser ein neues Portal augsetzt, kann Basis-On-Page-SEO in der Regel fast kostenneutral umsetzen, wenn die Anforderungen an die Programmierer ordentlich geschrieben sind.

      LG
      Max.

      • Andreas Rotte says:

        Ich gebe dir Recht! Ich denke auch, dass die Unwissenheit der ausschlaggebende Punkt ist. Meine Gedanken gingen einen Schritt zu weit, denn wer nicht weiß was SEO ist bzw. bewirkt, wird auch kein Geld dafür ausgeben. Und wie du schon sagst, die Basics sind ja sowieso kaum mit Kosten verbunden.

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