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Das SEO Paradigma

SEO  |  Gast  |  , 15:35 Uhr  |  9 Kommentare

Da wir im Zuge der Vorbereitungen für die dmexco kaum mehr Zeit für´s Bloggen finden, waren wir froh, als Eric Horster uns gestern um die Veröffentlichung eines Gastbeitrags gebeten hat. Eric Horster ist Promotionsstipendiat des Innovations-Inkubators an der Leuphana Universität Lüneburg und forscht zum Thema `Online-Reputationsmanagement im Tourismus´ bei Prof. Dr. Kreilkamp. Sein Beitrag `Das SEO Paradigma´ zeigt, dass sich die Auswirkungen von Social Media auf SEO nicht nur auf die Veränderungen in den SERPs beschränken, spondern dass Facebook, Twitter und Co. in erster Linie auch Einfluss auf das Nutzerverhalten der Besucher einer Webseite haben…

Wir wünschen Euch eine schöne Woche und hoffen, den ein oder anderen von Euch auch in Köln zu treffen. Wer uns kennenlernen möchte, findet uns entweder auf der dmexco (dort wo man gemütlich sitzen kann ;-) ), bei der Affiliate Night von Metapeople oder beim OMClub von Randolf!

Das SEO Paradigma

Am 10. und 11. September diskutierten wir auf dem CastleCamp über die Ausrichtung von Google und dessen Auswirkungen auf den Tourismus. Diese Diskussion wurde in einer in einer Session über Social SEO von Claudia Gunkel und Martin Tauber weitergeführt. Bei der Diskussion fiel mir auf, dass wir immer noch fast ausschließlich über die Auswirkungen auf Googles Suchergebnisseiten (SERPs) sprechen. Diese eindimensionale Ausrichtung möchte ich in meinem Beitrag „das SEO Paradigma“ nennen. Ein Paradigma bezeichnet eine bestimmte Weltanschauung. Und im Bereich SEO ist diese Sichtweise immer noch sehr stark auf die Google SERPs konzentriert. Spätestens mit der Integration der Universal Search wurde jedoch deutlich, dass SEO nicht mehr auf das klassische Web-Search beschränkt werden darf. Vidoes und Bilder gewannen zusätzlich an Relevanz. Durch Google Social Search und Google+ personalisiert sich die Suche weiter.

Vergessen wird bei diesen Entwicklungen, dass die Sichtbarkeit im Web mittlerweile hybrid ist. Sprich: Der Impact des Social Web auf die Google SERPs mag steigen. Dies ist jedoch nicht die Frage. Seine Relevanz bekommt das Social Web nicht durch seinen Einfluss auf die Google SERPs. Das genau ist der Irrglaube, im bisherigen SEO-Weltbild. Es ist an der Zeit, die Dinge differenzierter zu betrachten. Daher möchte ich in diesem Beitrag für einen Paradigmenwechel – also einer anderen Sichtweise auf das Social Web und seinen Einfluss auf die SEO plädieren: Viel wichtiger als die SERPs ist, dass das Social Web das Nutzerverhalten verändert. Dass Google versucht diesem veränderten Nutzerverhalten gerecht zu werden, wird durch Google Related offenkundig.

Hier werden dem Nutzer kontextspezifische Inhalte selektiv in einer Toolbar angeboten. Diese kuratierten Suchergebnisse beziehen sich somit in keiner Weise mehr auf Googles SERPs. Mehr noch. Durch diese Entwicklung löst sich auch die klassische Internetseite auf. Sie wird kontextuell angereichert durch externe Inhalte. Genau diese Auflösungserscheinungen sind zunehmend auch durch Social Plugins zu beobachten. Gestützt wird diese Entwicklung durch das Bestreben von Google, zunehmend Content auf eigenen Diensten zu akkumulieren. Zusätzlich kauft Google sich auch Content ein – siehe Zagat. Es ist abzusehen, dass die Sichtbarkeit im Web zukünftig nicht mehr durch die SERPs bestimmt werden wird, sondern durch Empfehlungen und Gespräche im Netz.

Auch Qype, Tripadvisor, Holidaycheck und andere Empfehlungsdienste sind streng genommen Suchmaschinen. Suchmaschinenoptimierung ist also schon per Definition nicht mehr auf die Google SERPs zu beschränken. Einher gehen all diese Entwicklungen mit dem Bedeutungsverlust der unternehmenseigenen Webseite. Durch Google Places, Facebook Fanpages, usw. entwickeln sich weitere virtuelle Orte, auf denen Unternehmen präsent sind. Es ist daher sehr viel treffender von einer Webpräsenz zu sprechen. Und zwar im Wortsinn: Unternehmen werden durch ihre Aktivitäten im Netz und nicht auf der eigenen Seite „präsent“, sprich sichtbar. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass SEO mehr einem pro-aktiven Reputationsmanagement entsprechen sollte. Unternehmen müssen auf Kritik eingehen und Beziehungen aufbauen. Es stellen sich in diesem Kontext völlig neue Anforderungen an die Suchmaschinenoptimierung. Denn Empfehlungen können nicht durch Agenturen produziert werden. Gespräche entwickeln sich nicht dadurch, dass Content produziert wird. Der Content entsteht erst im Dialog. Er ist Ungesteuert und kann daher auch nicht keyword-optimiert sein.

Die Konsequenzen dieser Entwicklungen sind vielschichtig: SEO muss sich am Menschen und nicht an Algorithmen orientieren. SEO muss von der Google SERP weg, hin zu der Gesamtsichtbarkeit im Netz gedacht werden. Und SEO muss von der Beziehung zum Content umgesetzt werden – und nicht umgekehrt. Soweit mein Resümee zum CastleCamp 2011. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, kann gerne die Diskussion eröffnen ;)

Über den Autor:

Eric Horster ist der Lehre an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Hochschule Bremen tätig. Derzeit gründet er eine Unternehmensberatung, um in der Praxis Online Strategien im Tourismus umsetzen zu können.
E. Horster, XING, Facebook, Twitter, Google+
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