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Google Penalty – Kann eine SEO Agentur dafür haftbar sein?

SEO  |   |  , 10:12 Uhr  |  24 Kommentare

Um Euch ein schnelles Meinungsbild über aktuelle Entwicklungen im Bereich Suchmaschinenoptimierung geben zu können, möchten wir von SEO-united.de zukünftig regelmäßig Experten aus der Branche um ein kurzes Statement zu gerade heiß diskutierten Themen bitten. Die heutige Frage, welche wir ausgewählten Experten im Zuge einer Blitzumfrage in Bezug auf rgblog.de gestellt haben, lautet `Google Penalty – Kann eine SEO Agentur dafür haftbar sein?´ Hier einige Statements dazu:

Jens Fauldrath, takevalue.de

Jens FauldrathDie Frage ist einfach zu beantworten, Ja! SEO-Agenturen können Schäden ver-ursachen also können sie auch haftbar gemacht werden. Wie bei jedem Fall von Schadensersatz ist natürlich der Geschädigte in der Nachweispflicht bezüglich des eingetretenen Schadens sowie der Verursachung des Schadens durch die Agentur.

Moralisch bin ich über die Sorglosigkeit in der Branche entsetzt. Auch kann ich nicht viel damit anfangen, wenn sich Agenturen SEO-Dienstleistungen verkaufen, am Ende aber nur Budgets in Netzwerken investieren. Das hat nichts mit SEO zu tun, zeugt aber von einem guten und nicht grade moralischem Geschäftssinn der das Risiko für die Kunden billigend in Kauf nimmt. Und einfach nur etwas mehr für Links in den Netzwerken zu bezahlen macht aus Mist keine Qualität.

Leider gibt Google noch recht wenigen Informationen dazu, welche Links zu Abstrafungen geführt haben. Ich hoffe, dass Google diesbezüglich etwas großzügiger wird. Sobald in den Webmaster Tools Links von Agenturen benannt werden, die zu einer Abstrafung geführt haben, ist die Beweislage eindeutig. Ich denke den meisten Gerichten wird eine offizielle Aussage von Google zu diesem Thema ausreichen.

Robert Hartl, netprofit.de

Robert HartlHier gelten grundsätzliche die normalen Haftungsregeln, die üblicherweise ein schuldhaftes Verhalten voraussetzen. Hier kommt es letztlich auf die beweisbare Vereinbarung zwischen den Parteien an, denn bei vielen Maßnahmen ist man schnell in einem Grenzbereich, wenn man die Google Richtlinien als Maßstab heranziehen will. Wenn man aber bei manchen Kunden sieht, wie die vorher „bedient“ wurden, wie sehr Auftrag und Leistung divergieren, sollte man meiner Meinung solches Geschäftsgebahren viel häufiger nicht auf sich beruhen lassen.

Um es klar zu stellen, ich bin kein Freund rechtlicher Lösungen, das kann nur die letzte Möglichkeit sein. Wer qualitativ gut arbeitet, wird aber im Regelfall auch weiterhin wenig zu befürchten haben.

Hanns Kronenberg, sistrix.de

Hanns KronenbergDiese Frage sollte man definitiv besser einem Rechtsanwalt und nicht einem SEO stellen. Nach meiner Auffassung spielen die Vertragsart und -gestaltung zwischen Agentur und Kunde dabei eine wichtige Rolle. Zudem müßte man zweifelsfrei nachweisen können, das tatsächlich eine Google Penalty vorliegt und die Agentur dafür verantwortlich ist. Wenn es eine Penalty-Meldung in den Webmaster-Tools z.B. wegen gekaufter Links gibt und die Agentur diese Links zuvor in Rechnung gestellt hat, ist die Situation relativ klar. Dann muss noch der Vertrag geprüft werden. Zudem müsste geklärt werden, ob die Agentur den Kunden ausreichend über die Risiken aufgeklärt hat und der Kunde bewusst das Risiko in Kauf genommen hat.

In vielen Fällen gibt es aber nicht diese eindeutigen Beweise. Dann dürfte es unabhängig von der Vertragsgestaltung und Risikoaufklärung schwierig werden, eine Agentur für verlorene Rankings haftbar zu machen. Daher sollten Kunden sich selbst SEO-Know-how aneignen, um eine Agentur zuverlässig beurteilen und steuern zu können.

Markus Koczy, akm3.de

Markus Koczy Grundsätzlich kann eine SEO-Agentur haftbar für eine Google Penalty sein, sofern Spam-/Blackhat-Maßnahmen Anwendung fanden und der Kunde nur über Chancen, nicht aber über Risiken der ergriffenen Maßnahmen aufgeklärt wurde. Dies ist jedoch meiner Meinung nach nur dann der Fall, wenn der Kunde kooperativ handelt, also sämtliche Maßnahmen – von Contenterstellung, über technische Optimierungen bis hin zu Linkmarketing-Maßnahmen – mit der Agentur eng abstimmt. In diesem Fall sollte die Agentur zumindest auf Updates des Google-Algorithmus zeitnah und angemessen reagieren können – schließlich handelt es sich bei Agenturen um Berater. Handelt der Kunde hingegen eigenständig, kauft er „nebenher“ Links in entsprechenden Netzwerken ein und hofft auf schnelle Erfolge, statt auf eine nachhaltige permanente Verbesserung der Sichtbarkeit, so sehe ich die Agentur nicht in der Haftung. In diesem Fall sollte sich die Agentur jedoch zweimal überlegen, ob sie den Kunden betreuen möchte und das Risiko schlechter Reputation und ggfls. eines gerichtlichen Verfahrens eingehen möchte.

Des Weiteren stellt sich die Frage beim Thema Linkakquise, wo der „gekaufte Link“ wirklich anfängt. Oft werden Agenturen für die Generierung von Empfehlungen pro Link vergütet, ohne dass der Link gegen monetäre Vergütung entstanden ist. Ist die SEO-Agentur dann auch haftbar, wenn Google diesen Link trotzdem als schädlich empfindet?

Eric Kubitz, contentmanufaktur.net

Eric KubitzNatürlich ist eine SEO-Agentur für eine Google Penalty verantwortlich – wenn sie den Grund für die Penalty geliefert hat. Die knifflige Frage dabei ist aber: Was war der Grund und was war der Auslöser für eine Penalty? Denn auf jeder Webseite findet Google auch Mist: Duplicate Content, Thin Content, teilweise unnatürliches Linkprofil, miese Link-Quellen usw. Zusätzlich ändern sich die Zeiten ständig und Link-Quellen, die vor zwei Jahren noch o.k. waren, sind heute böse.

Ich stelle mir diese Gründe für eine Penalty dann wie Spielkarten vor, die man zu einem Haus zusammenbastelt. Bei irgend einer Karte funktioniert die Statik schließlich nicht mehr und alles bricht zusammen. Die letzte Karte war dann der Auslöser – aber nicht der einzige Grund.

So, und wenn also eine SEO-Agentur weitere Karten (also „potentielle Gründe für eine Penalty“) auf eine ohnehin schon wacklige Seite packt, ist sie jedenfalls für den Zusammenbruch verantwortlich. Es sei denn, sie hat die Risiken IHRER Arbeit aber auch die vorhandenen Risiken zuvor dem Kunden erklärt und ihn gefragt, ob er das Risiko eingehen möchte. Tut die Agentur das nicht, handelt sie meiner Ansicht nach fahrlässig (falls sie die anderen Risiken nicht kennt) oder gar vorsätzlich (wenn sie die Risiken kennt aber nicht kommuniziert).

Ob eine solche Verantwortung für eine Penalty allerdings auch die Haftung betrifft, müssen Juristen klären. Davon habe ich zu wenig Ahnung…

Julian Dziki, seokratie.de

Julian DzikiOb eine Agentur haftbar gemacht werden kann, das kann natürlich nur ein Anwalt klären. Als Laie habe ich gehört, dass es beinahe unmöglich ist, seine Agentur haft-bar zu machen, außer es werden Rankings garantiert (Werkvertrag). Vielleicht ist es eher eine moralische Frage, ob sie dafür haftbar gemacht werden sollte?

Wir leben in einem fremdbestimmten System und haben keinen Einfluss auf die organische Listung bei Google. Eine Agentur wegen einer Penalty zu verklagen wäre in etwa so, als würde man eine klassische Werbeagentur verklagen, weil eine be-stimmte Werbeplakat-Kampagne nicht eine bestimmte Anzahl an Neukunden gebracht hätte.

Wo allerdings gezielt Desinformation betrieben wird, da sollte man schon genauer in den Vertrag gucken. Wer Links im Auftrag von Kunden kauft, der muss diesen unbedingt über die Risiken aufklären! Viele Kunden haben keine Ahnung, welche Links ein Dienstleister aufbaut bzw. ob überhaupt. Da sind aber leider oft auch die Kunden schuld. Wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme, dann sollte ich mich vorher informieren, vergleichen und dann den passenden Dienstleister auch auswählen, sowie später eben kontrollieren! Das sollte man mit allen Dienstleistern machen, die man beauftragt – nicht nur mit SEOs.

Im Fall dieses einen Blogposts übrigens ist meiner Meinung nach nur die Überschrift etwas zu reißerisch ausgefallen. Die Ansprüche wurden ja nur in einem Schriftsatz geltend gemacht und nicht vor Gericht. Der Nachweis, dass genau die Links der Agentur Schuld waren, könnte ja nur von Google direkt erbracht werden. Und ich bezweifle, dass Google sich in die Karten schauen lässt, weil in Deutschland ein (vergleichsweise) kleiner Prozess darüber geführt wird.

Malte Landwehr, maltelandwehr.de

Malte LandwehrDer Geschäftsführer eines Versicherungsportals schreibt in dem von Euch als Grundlage für die Umfrage hergenommenen Artikel, dass eine SEO Agentur für einen sechsstelligen Schaden haftet. Er zitiert kein Urteil und nennt kein Gericht, das dieses Urteil gefällt hat. Zusätzlich sagt er, dass solche Fälle nicht selten seien und untermauert diese Aussage mit weiteren 0 (in Worten: Null) Beispielen. Außerdem wird im Text immer von „sechsstellig (!)“ gesprochen, wenn auch „sechsstellig“ ausreichen würde. Besagter Artikel soll nicht informieren oder aufklären, sondern beim lesenden SEO zu einer emotionalen Reaktion (konkret: Angst) führen. Es wird dann ja auch direkt auf eine Vermögensschadenhaftpflicht als Lösung für dieses vermeintliche Risiko hingewiesen 😉

Da sich mittlerweile jeder zweite SEO auf die Fahne geschrieben hat, CRO zu betreiben und nach ver-schiedenen Persönlichkeitsmodellen Personas für seine Content Marketing Kampagnen konzipiert, kann ich nicht verstehen, wieso alle auf diesen Verkaufsartikel hereinfallen. Der Artikel taugt als Case Study für exzellentes Content Marketing, das direkt zum Verkauf führt.

Mario Fischer, website-boosting.de

Mario FischerDie Frage ist eigentlich sehr leicht zu beantworten: Wer jemand anderem einen (auch wirtschaftlichen) Schaden zufügt oder die Verantwortung dafür trägt, ist er zum Ersatz dieses Schadens verpflichtet. Das war´s aber auch schon mit „leicht“. Denn die Ursächlichkeit des Handelns (oder Unterlassens) der SEO Agentur für eine Strafe bei Google muss vor Gericht nämlich zweifelsfrei nachgewiesen werden. Bei fachlichen Fragen braucht ein Richter zur Entscheidung immer einen amtlich vereidigten Sachverständigen. Das Problem ist hier, dass diese Sachverständigen in Fragen von Googlestrafen leider oft nicht so sachverständig sind, wie der Name glauben lässt. Nicht selten müssen sie selbst erst einmal googlen, um was es überhaupt geht. Entsprechend entstehen übrigens hier meist die von der Fachwelt beschmunzelten, aber auch erschrecken-den Urteile der Amtsgerichte. Die werden dann meist von den Landgerichten wieder kassiert bzw. aufgehoben.

Aber ob der Sachverständige nun SEO-Spezialist ist oder nicht: Was antwortet er auf die Frage eines Richters, ob er zweifelsfrei bestätigen kann, dass dieser oder jener Link oder auch die Summe mehrerer Links ursächlich für eine Strafmaßnahme von Google war? Dahammers. Mit Sicherheit kann hier vor Ge-richt niemand außer Mitarbeiter von Google mit Einblick in die Daten sagen, was tatsächlich ursächlich war. Man kann begründet vermuten, das ja. Man kann sagen, „aus Erfahrung heraus…“, ok. Aber sicher? Hier kann ehrlicherweise niemand nicken.

Könnte nicht auch das besch…eidene Design und die damit einhergehende Bouncerate den letzten Ausschlag gegeben haben? Oder Links, die schon vor 10 Jahren gesetzt wurden?

Ich hatte diese Thematik übrigens schon Mitte letzten Jahres im Blog. Anders sieht es natürlich aus, wenn Google in den Webmastertools konkrete Links als Beispiele nennt, warum eine Strafe verhängt wurde UND diese Links nachweislich von der SEO Agentur gebaut wurden. Hier ist alles eindeutig und kausal. Ohne solche Beweise bzw. Aussagen von Google wird es sicher schwer, die Kausalität zu beweisen. Ob der Richter die richtigen, kritischen Fragen stellt und wie sachverständig der Sachverständige wirkt, wird wohl am Ende entscheiden, wie solche Fälle ausgehen. Und natürlich, ob der gegnerische Anwalt ebenfalls Sachverstand am Tisch sitzen hat, mit dem er zeigen kann, dass Sachverständige oft selbst schnell nur mal gegoogled haben 😉

Die Diskussion zeigt aber, wie hemdsärmelig und amateurhaft (im betriebswirtschaftlichen Sinn!) zum großen Teil SEO auch heute noch betrieben wird. Es ist zu befürchten, dass vielen SEOs gar nicht be-wusst ist, welchen wirtschaftlichen Schaden sie durch Unachtsamkeit oder Unwissen anderen zufügen können! Umgekehrt sind die Unternehmen nicht ganz unschuldig, weil leider oft nicht genau hinsehen, wen sie beauftragen. Hauptsache billig. Das ist am Ende nicht selten die teuerste aller Varianten.

Wir bedankten uns bei den Teilnehmer und hoffen, dass auch bei unserer nächsten Umfrage wieder einige von Euch mitmachen werden…

Eure SEO-united.de Blogger
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Kommentare zu Google Penalty – Kann eine SEO Agentur dafür haftbar sein?:

  1. Michel Website sagt:

    Ein spannende Fragestellung mit einem guten Artikel. Mal schauen ob es da irgend wann rechtskräftige Urteile geben wird

  2. Anton Website sagt:

    Ich finde schon, dass man die rechtlich dafür belangen können sollte. Allerdings ist das ganze ziemlich schwer nachzuweisen, da man ja von Google keine internen Daten bekommt.

  3. Niklas Website sagt:

    Interessantes Thema, aber wie schon gesagt ist es schwer nachzuweisen das der Fehler tatsächlich durch die Agentur passiert ist und Google wird einen Teufel tun, um da zu vermitteln. Denke jedoch das die meisten seriösen Firmen es garnicht so weit kommen lassen und wenn ja, dann geschieht es ihnen wohl zu recht, da sie sich nicht an die „Spielregeln“ gehalten haben.

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