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SEO-KPI Manipulation

SEO  |  Gast  |  , 09:42 Uhr  |  23 Kommentare

SEO-KPIEin Thema, das mir sehr am Herzen liegt, sind SEO-KPIs. KPIs sind super. Sie ermöglichen es, Maßnahmen und Projekte objektiv zu vergleichen, Erfolge zu beziffern, Ergebnisse quantifiziert zu betrachten und schlussendlich, Entscheidungen zu treffen. Gerade wenn es um Kennzahlen zur Bewertung möglicher Linkquellen geht, ist aber Vorsicht geboten! Denn viele SEO-KPIs lassen sich manipulieren…

Bulls*** SEO-KPI #1: Sichtbarkeit

Schon in meinem Interview über Linkbuilding, Klout & Co bei Weddig und Keutel hatte ich angesprochen, dass das blinde Vertrauen in bestimmte Kennzahlen auch Nachteile mit sich bringt. Damals habe ich auf dem Sichtbarkeitsindex von Sistrix rumgehackt und dank Fabian Rossbachers Social Signal Bait habe ich jetzt ein noch viel besseres Beispiel. Fabian hat eine Domain gefunden, die eine überraschend hohe Sichtbarkeit bei Sistrix hat. Doch vergleichen wir sie einmal mit der von SEO-united.de:

Ein SEO, der sich nur auf Sistrix verlässt, würde zu dem Schluss kommen, dass diese Domain die dreifache Sichtbarkeit von SEO-united.de hat und ein reiner Searchmetrics-Nutzer würde SEO-united.de für 33-mal so sichtbar wie die Beispieldomain von Fabian halten.

Wenn ihr also Wert darauf legt, dass eine Domain gut rankt, dann prüft ihre Sichtbarkeit bitte mit mehr als einem Tool. Die vier von mir verwendeten Sichtbarkeits-Kennzahlen sind übrigens alle kostenlos zugänglich.

Eine Alternative, die ich insbesondere in Nischen empfehle, ist, einfach mal zu prüfen ob die Domain für ihre Title-Tags und Hauptnavigationspunkte rankt.

Bulls*** SEO-KPI #2: Domain-Pop & Co.

Neben der Sichtbarkeit einer Domain, legt der anspruchsvolle SEO von heute immer noch Wert auf Backlinks. Mit einem Blick wie ihn sonst nur McKayla Maroney drauf hat, werden PageRank und Link-Popularität belächelt, nur um sich sofort auf die nächsten Kennzahlen zu stürzen, denen man zutraut ausschlaggeben für das Ranking bei Google zu sein.

Statt der Link-Pop wird auf Domain-, IP- und Class-C- Popularität geachtet und der PageRank wurde durch die Domain Authority von SEOmoz, sowie seit kurzem durch den Citation Flow von Majestic ersetzt. Das Ganze kombiniert man noch mit dem Trust Flow von Majestic um sicherzustellen, dass die Links auch von vertrauenswürdigen Seiten kommen.

Kleines Spam-Experiment

Um euch einmal vorzuführen, wie lächerlich einfach es ist, diese Werte zu manipulieren, habe ich ein kleines Experiment durchgeführt. Dafür hat mir ein Bekannter seine Website zur Verfügung gestellt. Die Website ist seit 2002 online, beschäftigt sich mit einem klar abgesteckten Nischenthema, ist frei von Werbung und hat etwa 100 Unterseiten mehrwertigen Contents. Für die Seite wurde nie SEO betrieben und ein paar natürliche Verlinkungen reichen für einen PageRank von 2 und eine Top 10 Platzierung der Startseite für das Hauptkeyword.

Für die Startseite dieser Domain habe ich bei einem amerikanischen indischen Dienstleister 1.000 Trackback-Links mit dem Hauptkeyword als Linktext gebucht. Ich habe mich für ein relativ teures Angebot von 5 USD entschieden (umgerechnet 4,20 EUR), es geht aber auch deutlich günstiger.

Laut Reporting wurden sogar knapp über 1.100 Trackbacks innerhalb weniger Stunden gesetzt. Davon waren nach 3 Tagen sogar 830 wirklich vorhanden. Nach einem Monat ist dieser Wert auf 580 gefallen. Die Sprachen der zugespammten Seiten sind bunt gemischt aber primär Englisch.

Genug der leeren Worte, hier sind die Werte von SEOKicks, Open Site Explorer (SEOmoz) und Majestic SEO vor Beginn des Experiments und nach einem Monat.

Die geringe Veränderung bei SEOKicks ist dem Fokus auf den deutschen Markt geschuldet. Beim Open Site Explorer und Majestic lässt sich aber sehr schön der Zuwachs mehrerer hundert Backlinks von je etwa 140 Domains erkennen. Prozentual ist das eine Steigerung der Domain- Popularität um 169 bis 363 Prozent, also in jedem Fall mehr als eine Vordopplung. Da auch die IP- und Class-C- Popularität proportional mitgewachsen sind, sieht das Backlinkprofil auf Basis dieser Zahlen gar nicht so unnatürlich aus.

Auch die aggregierten Werte Domain Authority, Citation Flow und Trust Flow sind um 10 bis 36 Prozent gestiegen.

Folgen

Würde ein SEO zuerst die alten und dann die neuen Kennzahlen (und sonst nichts) betrachten, wäre ein Link von der Domain heute eindeutig mehr wert als vor einem Monat. Ich persönlich wage das zu bezweifeln. Zumindest langfristig betrachtet.

Das Ranking der Domain zum Hauptkeyword, sowie ihre Sichtbarkeit in den vier oben erwähnten Tools, blieben während des ganzen beobachteten Monats konstant.

Diskussion

Zum Abschluss habe ich leider keine Lösung für das von mir beschriebene Dilemma. Für die Bewertung von 20 oder 30 Domains kann man natürlich manuell die Backlinks überfliegen. Sobald es um die Einschätzung von hunderten oder gar tausenden von Domains geht, ist das aber keine Option mehr und in solchen Fällen verlasse auch ich mich natürlich auf die im Artikel erwähnten KPIs.

Statt einer perfekten Lösung habe ich ein Frage an Euch: Wie sehr verlasst Ihr Euch im Tagesgeschäft auf Kennzahlen aus fremden Tools und welche Maßnahmen (z.B. Vergleich von Werten aus mehreren Tools oder zusätzliche Erhebung eigener Daten) ergreift Ihr um zu verhindern, dass euch ein Bär aufgebunden wird?

Über den Autor:

Ich realisiere und betreibe seit vielen Jahren eigene Internetseiten und bin als Consultant in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung, Social Media und Online Reputation Management unterwegs. Außerdem forsche ich für die Westfälische Wilhelms-Universität Münster in den Bereichen Analyse sozialer Netzwerke und Social Media Analytics. Anstatt auf Bauchgefühl und die Überinterpretation von Korrelationen verlasse ich mich lieber auf Logik, Case Studies und gesunden Menschenverstand.
Malte Landwehr, Google+
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Kommentare zu SEO-KPI Manipulation:

  1. Andreas Website sagt:

    Ich fand jetzt die Daten zu den „Backlinkcheckern“ interessant. Jetzt kann ich mir auch in etwa die verschiedenen Werte erklären. Gutes Experiment 🙂

  2. […] Malte Landwehr greift in einem Gastbeitrag bei seo-united.de das Thema Manipulation von Domain–Kennzahlen und welchen Zahlen man eigentlich noch vertrauen kann auf […]

  3. Matthias Jaekle Website sagt:

    Hallo,

    die Sichtbarkeitsindizes der oben gelisteten Anbieter beruhen auf einem vordefinierten Keywordset. Folglich zeigt die obige Auswertung in erster Linie die Nachteile auf, die durch vordefinierte Keywordsets entstehen. Um so kleiner die Webseite, um so größer die Nische, desto schlechter die Indizes die auf vordefinierten Keywordsets beruhen.

    Meine Empfehlung: Einen persönlichen Sichtbarkeitsindex berechnen lassen, der auf einem eigen definierten projektbezogenen hochrelevanten Keywordset besteht.

    Das Tool des Suchmaschinen-Instituts kann dies…

    Viele Grüße

    Matthias Jaekle

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